Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2020/09/pm_057.php 21.09.2020 11:08:26 Uhr 27.09.2020 04:46:30 Uhr
Meldung vom 11.09.2020

Dresdner Innovationsförderung – das sind die Preisträger 2020

Im vierten Jahr der Innovationsförderung unterstützt die Landeshauptstadt in diesem Jahr sieben außergewöhnliche Projekte, die mit neuen und klugen Herangehensweisen Problemstellungen mit städtischer Relevanz bearbeiten. Ein Fachgremium bewertete im Juni 2020 die eingereichten Anträge. Die Zuwendungsbescheide über Fördersummen zwischen 10.000 und 100.000 Euro wurden jetzt übergeben.

„Die diesjährigen Preisträger sind erneut Ausweis dafür, mit welcher Innovationskraft in Dresden die großen Themen unserer Zeit angepackt werden. Von globalen Herausforderungen wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bis hin zu ganz praktischen Fragestellungen etwa zum Robotikeinsatz im Mittelstand oder zur Verbesserung der Fachkräftesicherung“, so Dr. Robert Franke, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, im Rahmen eines Pressetermins im Dresdner Uniklinikum. Hier überreichte er einem der Preisträger, dem Biotec-Startup Innate Repair, den Zuwendungsbescheid persönlich: „Wir fördern damit nicht nur revolutionäre Methoden zur Behandlung von Krankheiten wie Diabetes oder Krebs, sondern freuen uns erneut über einen Ansiedlungserfolg im Zusammenhang mit der Innovationsförderung“, so Franke.

Die Preisträger im Überblick

Innate Repair

Diabetes II ist eine Volkskrankheit und richtet massive Schäden im Körper der Erkrankten an. Aktuelle Behandlungen konzentrieren sich auf das Management der Krankheit, nicht aber auf die Heilung der Bauchspeicheldrüse. Die Dresdner Forschungseinrichtungen gehören zu den richtungsweisenden Zentren für Diabetesforschung. Führende Experten rund um Prof. Dr. Stefan R. Bornstein vom Universitätsklinikum Dresden bauen zusammen mit dem britischen Unternehmen Innate Repair eine Unternehmensausgründung der Technischen Universität (TU) Dresden auf. Sie wird die Kompetenzen aus Dresden und London tiefer verknüpfen. Im Rahmen des von der Innovationsförderung unterstützten Projektes werden hier zukünftig kommerzielle Therapien entwickelt, um geschädigte Bauchspeicheldrüsen nachhaltig zu regenerieren und zu schützen. Das Projekt birgt Hoffnung für 6,9 Millionen allein in Deutschland erkrankte Patienten.

coboworx GmbH

Die Online-Plattform des Startups coboworx macht komplexe Robotik endlich auch für kleine und mittelständische Unternehmen zugänglich. Sie sollen inspiriert werden, Menschen und roboterbasierte Automatisierungslösungen gemeinsam im gleichen Arbeitsumfeld gewinnbringend einzusetzen. Zum Schutz der Menschen werden hier hohe Anforderungen an die Sicherheit gestellt. Eine solche sichere Lösung soll in diesem Innovationsprojekt nun erarbeitet werden. Der Roboter und seine Sicherheitsfunktionen werden dabei vorab virtuell, mit Hilfe eines digitalen Zwillings der realen Anlage, erprobt. Fehler werden so in einem sehr frühen Stadium erkannt und Kosten gespart. Coboworx wird sich dafür in Dresden ansiedeln und gemeinsam mit der Wandelbots GmbH (Preisträger 2017) und Forschungspartnern der TU Dresden die Robotik-Kompetenzen am Standort Dresden auf ein neues Level heben.

SEMRON GmbH i. G.

Das Startup entwickelt einen Halbleiter-Chip, der die bisherige strikte Trennung von Speicher und Rechenwerk aufhebt und auf energiehungrige Transistoren im Speicher verzichtet. Möglich wird so ein Chip, der die höchste Energie-Effizienz weltweit ausweist. Das Funktionsprinzip wurde bereits im Labor nachgewiesen und umfangreich simuliert. Im Projekt soll jetzt der Demonstrator in der Industrie dafür gefertigt werden. Damit entsteht eine weitere innovative Dresdner Technologie für den führenden Mikroelektronikstandort Europas. Die Chips dienen als Basis für Prozesse mit hohen Rechenleistungen, wie Gesichtserkennung, 5G, autonomes Fahren. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz – da Computer und elektronische Geräte weltweit die Leistung von vielen Kraftwerken benötigen.

eMAXX GmbH

Automatisierung der Produktion ist die wesentliche Grundlage von Industrie 4.0. Die eMAXX GmbH Dresden will die Projektierungszeit von Automatisierungssystemen signifikant verkürzen: Eine universell einsetzbare Software soll Komponenten, Maschinen und Anlagen projektieren, virtuell in Betrieb nehmen und die ablaufenden Prozesse über diesen digitalen Zwilling in Echtzeit optimieren. In einer Feldstudie in Dresden soll das Projekt erprobt werden. Die eMAXX GmbH ist ein mittelständisches Dresdner Unternehmen und erbringt hier seit drei Jahren ingenieurstechnischer Dienstleistungen in den Bereichen Software, Automation und Konstruktion.

PIKOBYTES

Wie kann sich die Stadt besser gegen Wetterextreme wappnen? Die TU-Dresden-Ausgründung PIKOBYTES ist Experte auf dem Gebiet Umweltdatenerhebung und –auswertung. Im Projekt SensorHub Sewer wird ein engmaschiges Messnetz zur permanenten Überwachung von Wasserfüllständen in städtischen Abwasserkanälen aufgebaut und erprobt. Die Echtzeit-Messdaten ergänzen punktuell das bestehende Messnetz der Stadtentwässerung und helfen künftig der besseren Steuerung bei Starkregenereignissen, dem Erstellen von Entlastungsbilanzen sowie der Planung von Neu- und Umbauten im Kanal. Zum Beispiel könnte dadurch in einigen Stadtgebieten auf hohe Risikozuschläge beim Durchmesser der Kanäle verzichtet werden, was Baukosten senkt. An anderen Stellen in der Stadt müsste für mehr Sicherheit zukünftig eventuell größer gebaut werden.

scoolio GmbH

Die App scoolio unterstützt bereits seit 2016 Schüler bei der Organisation ihres Schulalltags. Nun kommt eine Kontaktfunktion zu Dresdner Unternehmen, Berufsakademien und Hochschulen dazu, die gezielt dem Fachkräftemangel in Dresden entgegengewirkt. Im neuen Projekt „Futurespace“ hilft ein mit Psychologen entwickeltes digitales Kartenspiel den Schülern, Stärken und Schwächen für ihre berufliche Zukunft zu identifizieren. Das Ergebnis sind Vorschläge für Praktikumsplätze, Ausbildungs- und Studienangebote oder auch Eventangebote regionaler Dresdner Partner, welche nach Persönlichkeitstyp und Interessen am besten zu ihnen passen. Die Kategorien weichen von den herkömmlichen statistischen Suchstrukturen ab und sind gezielt auf die Schülergeneration zugeschnitten. Eine Kontaktaufnahme zu den Ausbildungsanbietern kann von den Schülern ebenso direkt via App erfolgen. Dresdner Unternehmen und Studienanbieter wiederum können ihre Ausbildungsangebote nun zielgerichteter adressieren.

IoT-Plan GmbH

Schäden an verschleißintensiven Maschinen wie Pumpen, Motoren oder Gebläse müssen frühzeitig erkannt und behoben werden. Dennoch zögern viele kleine und mittlere Unternehmen vor dem aufwendigen Einsatz spezieller Sensoren und Warnsysteme. In einer Feldstudie erprobt die IoT-Plan GmbH einen Lösungsansatz, bei dem ein Sensor den Zustand der Anlage ohne hohen Installationsaufwand vor allem aber ohne die Notwendigkeit besonderer Vorkenntnisse überwacht. Der Prozess zum Integrieren dieser Hardware wird so stark vereinfacht, dass kein technisches Knowhow auf Kundenseite dafür nötig sein wird. Die Integration erfolgt über eine App und erfordert nur das Abscannen eines QR-Codes des Sensors. Ziel ist es weiterhin, durch ein Abo-Modell beim späteren Kundeneinsatz Kosten für die Anschaffung von Sensoren, Hard- und Software entfallen zu lassen. Ab 10 Euro pro Monat könnten so Pilotprojekte begonnen und jederzeit nach Bedarf aufgestockt werden.

Themenoffener Wettbewerb um Innovationsförderung

Die Innovationsförderung der Landeshauptstadt Dresden ist themenoffen angelegt und ermöglicht Vorhaben aus den Bereichen Industrie 4.0, Smart City, neue Materialien, zukünftige Energiesysteme oder auch nicht-technische Neuerungen. Antragsberechtigt sind Gründer und Startups aus dem Hochtechnologiebereich, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit Sitz in Dresden sowie Forschungseinrichtungen und Nicht-KMU im Rahmen von Unternehmensverbünden. Die Förderung ist eine Anteilsfinanzierung und wird als nicht rückzahlungspflichtiger Zuschuss gewährt.

Katalysator für Wirtschaftswachstum

Die Innovationsförderung hat sich seit ihrem Start 2017 als Instrument zur Förderung von Startups und innovativer Projekten bewährt. „Paradebeispiel aus dem ersten Durchgang ist Wandelbots. Unsere Projektförderung ermöglichte es dem damaligen Studententeam, einen Demonstrator für die Mensch-Roboter-Zusammenarbeit mithilfe intelligenter Kleidung zu entwickeln. Heute beschäftigt das Unternehmen 80 Mitarbeiter. Großkonzerne nutzen die Technologie bereits. International renommierte Investoren treiben die Expansion voran, im Juni 2020 stiegen erneut namhafte Kapitalgeber mit 26 Millionen Euro ein“, so Dr. Franke. Außerdem trage die Innovationsförderung zum Verbleib in der Stadt oder gar zur Ansiedlung bei. „Niemand bleibt oder kommt allein wegen der Förderung. Aber die Beispiele der Vergangenheit zeigen, dass wir damit im Wettbewerb mit anderen Standorten einen entscheidenden Vorteil bieten können“. Den nächsten Durchgang plant das Amt für Wirtschaftsförderung für Jahresanfang 2021.

Drucken