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23.08.2019

Sozialbürgermeisterin Kaufmann zur Lage in den Übergangswohnheimen Hubertusstraße und Zur Wetterwarte

Seit Montagmorgen wird vor der Einrichtung für wohnungslose Menschen an der Hubertusstraße 36c demonstriert. Die Kritik richtete sich hauptsächlich gegen den Umzug einiger Bewohnerinnen und Bewohner in die Einrichtung Zur Wetterwarte 34 im Dresdner Stadtteil Klotzsche, die angeblich unzureichende Barrierefreiheit der Einrichtung und ihre mangelnde Anbindung an den Nahverkehr sowie die vermeintlich unzureichende Kommunikation des Sozialamts.

Dazu sagt Sozialbürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann: „Lassen Sie mich eines vorwegnehmen: Der Protest rückt Menschen in den Mittelpunkt, die sonst viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Dafür bin ich überaus dankbar. Ich stelle jedoch deutlich klar, dass es sogenannte Zwangsumsiedlungen von Bewohnern und Bewohnerinnen von Übergangswohnheimen weder gibt noch gab. Fünf Bewohnerinnen und Bewohner sind seit Montag freiwillig in das städtische Übergangswohnheim in Klotzsche gezogen. Dieses Heim ist eine Motivationseinrichtung. Die Namensgebung ist Programm. Denn wir wollen Menschen motivieren und keinesfalls zwingen, wieder zurück in ein selbständiges Leben zu finden. Die Fachkräfte vor Ort bieten dafür bedarfsgerecht Hilfe und Unterstützung in einem barrierefreien Umfeld an. Die Annahme dieses Angebotes erfordert individuellen Mut, Kraft und einen eigenen Willen. Das Ziel des Sozialamts und der größte Erfolg aller Akteure der Wohnungsnotfallhilfe in Dresden ist und bleibt ein eigenständiges Leben jeder und jedes Einzelnen. Dazu gehört im Idealfall auch eine eigene Wohnung.“

Die Motivationseinrichtung in Klotzsche wurde speziell für wohnungslose Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz geschaffen. Es geht insbesondere um Personen mit ausgeprägter Suchtproblematik und Wohnungslose, die auf einen Rollstuhl angewiesen und pflegebedürftig sind. Das Heim Hubertusstraße in Pieschen hat nicht ausreichend Kapazität für Bewohner mit derart hohem Betreuungs- und Pflegebedarf. Die Klotzscher Einrichtung ging im Februar 2019 nach umfassender Sanierung und Herstellung DIN-gerechter Barrierefreiheit durch das städtische Hochbauamt in Betrieb. Die Einrichtung bietet Platz für bis zu 50 Menschen.

Zur Barrierefreiheit und ÖPNV-Anbindung erklärt Kaufmann: „Die Einrichtung in Klotzsche ist barrierefrei. Eine Mitarbeiterin der städtischen Behindertenbeauftragten, die selbst einen Rollstuhl nutzt, hat sich zu Jahresanfang davon überzeugt. Ich war am Donnerstag auch noch einmal vor Ort, um mit Bewohnern über ihr Leben zu sprechen. Sie sagten mir auch unaufgefordert, dass sie sich ausgesprochen wohlfühlen. Sobald die Straße Zur Wetterwarte fertiggestellt ist, wird auch ein barrierefreier Zugang mit dem öffentlichen Bus möglich sein, und zwar direkt am Grundstück, quasi am Gartenzaun. Bis dahin bieten die DVB einen Busshuttle für die Bewohnerinnen und Bewohner des Übergangswohnheims an.“ Der Shuttleverkehr der DVB wird derzeit zwischen 7.45 und 17.45 Uhr angeboten. Ergänzt wird dieses Angebot durch den einrichtungseigenen Fahrservice der Thomas Wolter GmbH. Dieser Service ist insbesondere für Fahrten zum Arzt, Einkaufen usw. gedacht.

Die Kommunikation betreffend fügt die Bürgermeisterin hinzu: „Die Behauptung, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern sei im Vorfeld ihres Umzugs nicht gesprochen worden, entbehrt jeder faktischen Grundlage. Seit Juni gab es regelmäßigen Kontakt mit den Fachkräften des Übergangswohnheims Hubertusstraße. Die zuständigen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter haben einen guten Job gemacht.“ Die Bewohnerinnen und Bewohner, für die ein Umzug angedacht ist, wurden in Gruppen- und Einzelgesprächen am 9. August 2019 umfassend informiert. Am 12. August 2019 fanden weitere Einzelgespräche statt. Ein generelles Wunsch- und Wahlrecht ist im Bereich der ordnungsrechtlichen Unterbringung nicht vorgesehen. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter des Sozialamts sorgen jedoch dafür, dass jede Unterbringungsentscheidung mit Augenmaß getroffen wird. Maßgebend ist der individuelle Bedarf. Dieser wird – im Rahmen einer individuellen Bedarfsermittlung – anhand der Problemlage sowie der Ressourcen der wohnungssuchenden Person ermittelt.

Zur Stimmung an der Hubertusstraße sagt Kaufmann: „Die letzten Tage haben die Leute in und an der Hubertusstraße aufgewühlt. Ich wünsche den Bewohnerinnen und Bewohner und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Übergangswohnheims Hubertusstraße, dass sie jetzt wieder zur Ruhe finden. Das ist wichtig für ein gutes Miteinander im Haus und eine gute fachliche Arbeit. Zudem bin ich gern bereit im Rahmen eines geeigneten Gesprächsformates, beispielsweise eines runden Tisches, kritischen und interessierten Stimmen die Möglichkeit zu geben, sich vor Ort ein eigenes Bild über unsere Motivationseinrichtung zu verschaffen. Auch meine Einladung, am 7. September 2019 das erste Sommerfest mitzufeiern, steht nach wie vor.“

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