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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2019/05/pm_051.php 17.05.2019 08:19:56 Uhr 18.07.2019 20:18:54 Uhr
15.05.2019

„Stiftung Anerkennung und Hilfe“ gewährt Entschädigung

Für Menschen, die Unrecht in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie erfahren haben - Antragsfrist bis 31. Dezember 2020 verlängert

Menschen, die als Kinder und Jugendliche in der Zeit von 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland bzw. von 1949 bis 1990 in der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren haben und heute noch unter den Folgen leiden, können eine einmalige Entschädigung der Stiftung Anerkennung und Hilfe in Höhe von bis zu 9000 Euro erhalten. Betroffene müssen sich bei einer Anlauf- und Beratungsstelle anmelden. Der Antrag ist bis zum 31. Dezember 2020 zu stellen. Das haben Bund, Länder und Kirchen vor Kurzem vereinbart und die Anmeldefrist um ein Jahr verlängert.

„Ich begrüße die Verlängerung der Anmeldefrist um ein Jahr. Es geht darum, das Leid der Betroffenen anzuerkennen und das erlebte Unrecht aufzuarbeiten. Das braucht Zeit“, erklärt Dresdens Sozialbürgermeisterin Dr. Kristin Klaudia Kaufmann. Unter Leid und Unrecht fallen zum Beispiel ungerechtfertigte Zwangsmaßnahmen, Strafen, Demütigungen oder finanzielle Einbußen, wenn Betroffene sozialversicherungspflichtig in den Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie gearbeitet haben, ohne dass dafür in die Rentenkasse eingezahlt wurde. „Da es sich bei den Betroffenen zum Teil um Menschen mit kognitiven Einschränkungen handelt, die auch heute noch in stationären Einrichtungen leben und sich kaum über Internet oder Zeitung informieren können, baue ich besonders auf die Mithilfe von Angehörigen, Betreuern, Patientenfürsprechern und Einrichtungspersonal, um die Information an die Berechtigten heranzutragen“, sagt Kaufmann weiter.

In Sachsen wohnende Betroffene müssen sich beim Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) anmelden. Telefon: 0341-1266440. E-Mail: stiftungauh@ksv-sachsen.de. Qualifizierte Beraterinnen und Berater unterstützen die Betroffenen persönlich bei der Schilderung und Bearbeitung der Erlebnisse und der Anmeldung zur Stiftung. Bei Bedarf können Vertreter, Betreuer oder sonstige Personen des Vertrauens die Betroffenen bei der Anmeldung unterstützen. Der KSV leitet die Anmeldung an die Stiftung Anerkennung und Hilfe weiter. Sie trifft die abschließende Entscheidung über die Entschädigungsleistung.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, erhalten Betroffene eine einmalige Pauschale von 9000 Euro zur eigenen Verwendung. So sollen die Folgewirkungen des Erlebten abgemildert sowie ein Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation geleistet werden. Betroffene, die während ihres Aufenthalts in der stationären Einrichtung sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, ohne dass die Einrichtung dafür Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt hat, können einen Ausgleich für entgangene Rentenansprüche erhalten (sogenannte einmalige Rentenersatzleistung). Für geleistete Arbeit von bis zu zwei Jahren beträgt die einmalige Rentenersatzleistung 3000 Euro; für mehr als zwei Jahre erhöht sie sich auf 5000 Euro. Die Leistungen der Stiftung werden nicht auf Sozialleistungen nach SGB II und XII angerechnet. Die finanziellen Hilfen sind außerdem unpfändbar und einkommensteuerfrei.

Die Stiftung Anerkennung und Hilfe wurde zum 1. Januar 2017 von der Bundesregierung, allen Bundesländern und der evangelischen und katholischen Kirche errichtet.

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