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07.02.2019

60 Jahre Partner: Delegationen aus Coventry und Breslau besuchen Dresden

Paaren würde man zur Diamanthochzeit gratulieren – 60 Jahre halten nun schon die engen Beziehungen zwischen Coventry (Großbritannien) und Dresden sowie Breslau (Polen) und Dresden. Die Partnerschaft mit Coventry wurde am 13. Februar 1959 und die mit Breslau am 7. Mai 1959 abgeschlossen.

Zum Jubiläum entsenden beide Partnerstädte hochrangige Delegationen. Aus Coventry reisen Lord Mayor John Blundell mit seiner Gattin, Councillor Abdul Khan (Deputy Leader of the City Council) und der Bischof von Coventry, Dr. Christopher Cocksworth, an. Außerdem gehören die Künstler John Yeadon und Lisa Gunn sowie 30 Schülerinnen und Schüler der Cardinal Newman School zur Gruppe, die sich aus den West Midlands auf den Weg nach Dresden macht. Die Breslauer Delegation führt Stadtpräsident Jacek Sutryk an. Ihn begleiten unter anderem der Vicepräsident Jakub Mazur und der Bischof der Diözese Breslau Waldemar Pytel.

„Die Beziehung zu Coventry und Breslau haben für Dresden eine Bedeutung, die weit über die Routinen von Städtepartnerschaften hinausreicht. Nachdem die zerstörte Kathedrale von Coventry, der in Trümmern liegende Breslauer Dom und die Ruine der Dresdner Frauenkirche zu Symbolen für die Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs wurden, verband unsere Städte der Wille, nicht in der Opferrolle zu verharren. Coventry, Breslau und Dresden sind in Versöhnung verbunden und arbeiten gemeinsam daran, nachfolgenden Generationen ein friedliches Europa zu hinterlassen. Es ist mir eine außerordentliche Freude und Ehre, die Delegationen aus Breslau und Coventry in diesen Tagen um das Gedenken an den 13. Februar 1945 in Dresden begrüßen zu dürfen“, sagt Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Schwerpunkte der Besuche sind Jugendbegegnung, Kunst, Kirche und gemeinsames Erinnern:

  • 30 Schüler der Cardinal Newman School Coventry besuchen vom 11. bis 15. Februar die 62. Oberschule „Friedrich Schiller“ und wohnen in dieser Zeit gemeinsam mit 30 Dresdner Schülern auf dem Herbergsschiff im Pieschener Hafen. Zusammen entwickeln sie in verschiedenen Workshops eigene Ideen zum Thema Frieden . Am Dienstag, 12. Februar 2019, werden die beiden Stadtoberhäupter von Coventry und Dresden die Schülerinnen und Schüler treffen und mit ihnen über den Schüleraustausch sprechen. Im Anschluss lassen die Jugendlichen Luftballons mit deutsch-englischen Friedensbotschaften steigen.
  • In der Kreuzkirche eröffnen Lord Mayor John Blundell, Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Eveline Eaton vom Dresden Trust am 12. Februar 2019 um 18 Uhr die Ausstellung „Condition humaine“. Vier Künstler aus Coventry und Dresden präsentieren hier ihre Werke, die sich mit menschlichem Dasein in Krieg und Leid, in Versöhnung und Frieden auseinandersetzen. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Knabenchor des Nationalen Musikforums Breslau. Die Ausstellung des Coventry/Dresden Arts Exchange ist bis zum 6. März 2019 in der Kreuzkirche zu Gast und von Montag bis Sonnabend zwischen 10 und 18 Uhr sowie sonntags zwischen 12 und 18 Uhr geöffnet.
  • Am 12. Februar 2019 übergibt Bischof Dr. Christopher Cocksworth ein Nagelkreuz der Kathedrale Coventry an die Busmannkapelle. Sie erhält nach der Evangelisch-Lutherischen Diakonissenanstalt, der Kreuzkirche, der Frauenkirche und der Kirche „Maria am Wasser“ in Pillnitz nun das fünfte Nagelkreuz. In der Kathedrale Coventry wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die erste Nagelkreuzgemeinde gegründet. Weltweit wuchs seitdem das Netzwerk der Nagelkreuzgemeinden, das sich für Frieden und internationalen Austausch stark macht.
  • Der 12. Februar geht mit einem festlichen Abendessen anlässlich der beiden Jubiläen zu Ende. Oberbürgermeister Dirk Hilbert lädt dazu neben den offiziellen Delegationen und Vertretern der Stadtratsfraktionen auch Dresdnerinnen und Dresdner ein, die die Städtepartnerschaften mit Leben erfüllen.
  • Die Delegationen aus Breslau und Coventry werden am Mittwoch, 13. Februar 2019, an der Gedenkveranstaltung zum 74. Jahrestag der Luftangriffe auf Dresden auf dem Heidefriedhof teilnehmen. Um 18 Uhr reihen sich die Delegationen beider Partnerstädte in die Menschenkette ein.
  • Der Ökumenische Gottesdienst in der Kreuzkirche am 13. Februar wird gemeinsam gestaltet von Lord Bishop Dr. Christopher Cocksworth aus Coventry, Landesbischof Dr. Rentzing, Bischof Timmerevers und Bischof Pytel aus Breslau. Der Knabenchor Breslau sorgt für die musikalische Umrahmung.

Schließlich hält das Stadtoberhaupt von Coventry, Lord Mayor John Blundell, zu Beginn der Sitzung des Dresdner Stadtrates am Donnerstag, 14. Februar 2019, eine Rede zum Thema Frieden und Versöhnung. (Live unter www.dresden.de/livestream).

Zur Städtepartnerschaft Coventry – Dresden

Die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Coventry ist international zu einem Symbol für Versöhnung und Friedenswillen geworden, seit beide Städte am 13. Februar 1959 ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundeten. Beispielhaft stehen Coventry und Dresden für einen gemeinsamen Aufbruch. Ihr Schicksal im Zweiten Weltkrieg und ihr Wunsch nach Frieden und Versöhnung waren der Grundstein für die erste Städtepartnerschaft, die Dresden einging.

Seit dem Fall der Mauer entwickelte sich auch ein reger bürgerschaftlicher Austausch. Schülerbegegnungen, Sportevents, gemeinsame Konzerte von Chören und Aktivitäten von Vereinen wie Workshops und Exkursionen gehören dazu. Ein Schwerpunkt ist der Coventry/Dresden Arts Exchange mit seinen Künstlerbegegnungen und Ausstellungsprojekten. Die Dresdner Nagelkreuzzentren pflegen enge Kontakte zur Kathedrale Coventry. Sie organisieren in deren weltweiten Netzwerk von Nagelkreuzzentren vor allem Jugendbegegnungen, Arbeits-rüstzeiten, Vorträge, Gesprächsrunden und Konzerte. Ein besonderes Geschenk der Frauenkirche an die Kathedrale Coventry war die Skulptur „Chor der Überlebenden“ des Dresdner Bildhauers Professor Helmut Heinze. Sie steht als Zeichen der Versöhnung seit 2012 in den Ruinen der Kathedrale Coventry.

Aber auch die Zusammenarbeit der Stadtverwaltung kommt nicht zu kurz. Hier stehen aktuell der Bau neuer Verwaltungszentren in beiden Städten im Fokus des Austausches, ebenso wie die Zusammenarbeit bei der Bewerbung Dresdens zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025. Coventry ist UK City of Culture 2021.

Partnerstadt Coventry

Zur Städtepartnerschaft Breslau ‒ Dresden

Breslau und Dresden gingen ihre Städtepartnerschaft im Jahr 1959 ein. Nach einer staatlich geführten Phase bis zur Wende 1989 erhielten die Beziehungen zwischen den Partnerstädten Dresden und Breslau mit der novellierten Partnerschaftsvereinbarung von 1994 ein erneuertes Fundament. Die Hauptstadt Niederschlesiens und die sächsische Landeshauptstadt sind nur 270 Kilometer voneinander entfernt. Diese Nähe und nicht zuletzt die Erweiterung der Europäischen Union 2004 haben in beiden Städten ein neues Bewusstsein für die Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Region entstehen lassen. Ein enges Beziehungsgeflecht, das die unterschiedlichsten Akteure aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens – aus Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Umwelt, Politik und Verwaltung – miteinander verbindet, trägt diese Städtepartnerschaft. Sie war besonders deutlich in gemeinsamen Aktionen während des Europäischen Kulturhauptstadtjahres in Breslau 2016 zu erkennen. Dabei ist die Zusammenarbeit zwischen beiden Städten vor allen Dingen von einem starken bürgerschaftlichen Engagement gekennzeichnet. Bis zum heutigen Tag lebt diese Partnerschaft durch die Vielzahl von Kontakten und Begegnungen auf der Ebene von Privatpersonen, Vereinen, Institutionen, Schulen und Unternehmen. Gleichzeitig ist die Städtepartnerschaft zwischen Breslau und Dresden ein wunderbares Zeichen der Versöhnung nach den dunkeln Kapiteln in der Geschichte zwischen Deutschen und Polen im vergangenen Jahrhundert.

Partnerstadt Breslau

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