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18.09.2018

Sommer 2018: Der beständige Weg eines Rekordhalters

Hitzesommer 2003 in den Schatten gestellt

Das Jahr 2018 besticht durch Beständigkeit. Bereits in den Witterungsberichten Winter 2017/2018 und Frühling 2018 gab es Rekorde in den Kategorien sonnigster Monat (Februar), trockenster Monat (Februar) und wärmster Monat (April und Mai) seit 1961. Nun folgt der Sommer 2018 als Rekordjäger. Zusammengefasst geht der diesjährige Sommer mit 3,2 Grad über dem Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990 (Klimareferenzwert) als der wärmste und mit nur 45 Prozent der sonst üblichen Regenmenge als der trockenste Sommer seit 1961 in die Bücher ein.

Deutschlandweit steht nach wie vor der Hitzesommer 2003 auf Platz eins. In Dresden stellte der diesjährige Sommer den 2003er Sommer allerdings in den Schatten. Die folgende Tabelle zeigt die meteorologischen Werte für 2018 im Vergleich zu 2003 und dem Klimareferenzwert 1961-1990.

 

Sommer 2018

 

Sommer 2003

 

Klimareferenz Sommer 1961-1990

 

Minimum/Maximum

Mitteltemperatur °C

20,5

20,2

17,3

20,5 (2018)

Sommertage (Tmax ≥ 25 °C)

57

51

40,2

60 (1983)

Heiße Tage  (Tmax ≥ 30 °C)

23

17

6,5

23 (2015 u. 2018)

Tropennächte (Tmin ≥ 20 °C)

5

2

0,8

6 (1994)

Niederschlag

98 l/m²

140 l/m²

217 l/m²

98 l/m² (2018)

Sonnenscheindauer

805 h

792 h

601 h

805 h (2018)

Betrachtet man die Sommermonate unabhängig voneinander, gab es eine deutliche Steigerung von Juni bis August. Mit +2,2 Grad über dem Durchschnitt liegt der Juni 2018 auf dem siebten Platz der wärmsten Junimonate. Die Regenmenge erreichte 67 Prozent des durchschnittlichen Wertes. Einen sechsten Platz erzielte der Juli bei der Monatsmitteltemperatur (3,3 Grad über dem Klimareferenzwert 1961-1990) und mit 39 Prozent des Niederschlagssolls einen siebten Platz in der Kategorie trockenster Julimonate. Ganz knapp verfehlte der August mit einer Abweichung von plus 4,1 Grad den ersten Platz der wärmsten Augustmonate. Hier bleibt der August 2015 in Führung, in dem eine Abweichung von plus 4,3 Grad gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 gemessen wurde. Mit 22,4 Liter pro Quadratmeter Niederschlag wurden knapp 30 Prozent der durchschnittlichen Regenmenge gemessen. Dies ist der vierte Platz der trockensten Augustmonate. Der seit 1961 geringste Niederschlag in einem August wurde 2003 mit 9,9 Litern registriert.

Die klimatologische Einordnung der Witterung erfolgt anhand der Messewerte der Station Dresden-Klotzsche. Die meteorologischen Daten werden seit ein paar Jahren aber auch im Stadtgebiet erfasst. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede zu der auf der Hochebene gelegenen Station Dresden-Klotzsche. Während von Juni bis August in Dresden-Klotzsche 57 Sommertage gemessen wurden, waren es in Dresden-Hosterwitz und -Strehlen 63 Tage, in der Äußeren Neustadt 68 Tage und im Botanischen Garten 75 Tage, in denen das Quecksilber 25 Grad Celsius überstieg. Über 14 Tage mehr mussten es die Bürgerinnen und Bürger in der Innenstadt (Station Äußere Neustadt und Botanischer Garten) bei Tageshöchsttemperaturen über 30 Grad Celsius aushalten. Bei den Tropennächten sind die Unterschiede weniger groß – sie schwanken zwischen fünf Tropennächten in Klotzsche und maximal sieben in der Äußeren Neustadt. Je nach Stadtstruktur können es allerdings auch mehr gewesen sein.

Hochdruckwetterlagen, die subtropische Luftmassen nach Mitteleuropa strömen lassen und hier für heiße Temperaturen sorgen, traten in der Vergangenheit vereinzelt schon immer auf. Betrachtet man jedoch die langzeitliche Entwicklung der Sommertemperatur, so zeigt sich eine kontinuierliche Veränderung. Der Klimatrend – gebildet aus dem Mittelwert der zurückliegenden 30 Jahre – zeigt eine beständig ansteigende Kurve seit den 1980er Jahren. Innerhalb der letzten 30 Jahre lagen bis auf zwei Jahre die Sommertemperaturen stets über dem Vergleichswert der Klimareferenzperiode 1961-1990.

Hintergrund

Das Besondere an diesem Sommer ist seine Beständigkeit. Quasi seit Februar wird Mitteleuropa von ein und derselben Großwetterlage bestimmt – ein sich wieder und wieder regenerierendes Hochdruckgebiet über Skandinavien/Nordosteuropa. Hierbei spielt insbesondere die rasche Erwärmung der Arktis eine Rolle. Normalerweise besteht ein großer Temperaturunterschied zwischen den warmen Regionen am Äquator und den eisbedeckten Flächen in der Arktis. Dieser Temperaturunterschied treibt eine große atmosphärische Zirkulation in unseren Breiten an – den Jetstream. Der Jetstream ist ein Starkwindband, das Mitteleuropa permanent mit Tiefdruckgebieten versorgt, die von West nach Ost über das Land hinweg ziehen und für eher unbeständiges Wetter sorgen. Seit einigen Jahren beobachten Wissenschaftler jedoch einen starken Anstieg der Temperaturen in der Polregion, der ein drastisches Abschmelzen der arktischen Eismassen verursacht. Dadurch steigen die arktischen Temperaturen zusätzlich an. Folglich verringert sich der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator. Dadurch verlangsamt sich wiederum der Antrieb der Höhenwinde und der Jetstream schwächt ab. Eine Abnahme der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit des Jetstreams zeigt sich seit einigen Jahren. Dadurch verringert sich die Zugbahngeschwindigkeit der Hoch- und Tiefdrucksysteme. Das Starkwindband großer Wellen beginnt sich auszubilden. Diese großen Wellen können sehr lange stabil bleiben und sich immer wieder regenerieren. Daher bleibt die Witterung in einer bestimmten Region über Wochen hinweg nahezu gleich. Extremwetterlagen wie langanhaltende Hitze und Dürre können dann die Folge sein.

Aufgrund des Sonnenstandes nimmt zum Herbst und Winter der Temperaturunterschied zwischen Pol und Äquator allmählich wieder zu, so dass die Tiefdruckgebiete langsam wieder an Fahrt gewinnen. Die Wetterlage komplett zu kippen schaffen sie momentan noch nicht, aber kleinere Störungen bringen zumindest etwas Niederschlag in die Region.

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