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29.12.2017

Herbstwetter: Wenn der Durchschnitt besonders ist

In diesem Jahr war der meteorologische Herbst – vom 1. September bis 31. Oktober – eher durchschnittlich. Betrachtet man die mittleren Werte, war es 0,8 Grad zu warm und mit 104 Prozent des sonst üblichen Mittelwertes regnete es so viel, wie es eben regnen soll in einem Herbst. Eigentlich ist es schön, dass das Wetter in der heutigen Zeit relativ „normal“ ausfällt. Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick auf die gemessenen Daten.

In den vergangenen Jahren verschönerte der Altweibersommer in der Regel die ersten Septemberwochen. Dies blieb in diesem Jahr jedoch aus. Sehr wechselhaftes und kühles Wetter sorgte für die frühzeitige Herbststimmung. Das erste Sturmtief der Saison – mit Namen „Sebastian“ – fegte Mitte des Monats über Deutschland hinweg und sorgte für den Zustrom kühler Luftmassen. Im Durchschnitt übersteigt das Quecksilber im September die 20-Grad-Marke an 13 Tagen, im September 2017 waren es nur sieben Tage. Die Maximaltemperatur lag bei 20 Grad Celsius. Damit war dieser Monat im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961-1990 um 0,5 Grad zu kalt. Außerdem war es zu trocken: Im Vergleich zum Klimamittel fielen nur 60 Prozent Niederschlag zu Boden.

Der Oktober bot einige meteorologische Spitzenleistungen. Mit Sturmtief „Xavier“ zog am 4. Oktober der zweite Herbststurm in diesem Jahr über Sachsen. Danach beruhigte sich die Wetterlage und es folgte in der zweiten Oktoberwoche ein sonniger Herbstabschnitt. Um den 18. Oktober bemerkten viele Menschen – auch in Dresden – eine ungewöhnlich rote Sonne und eine milchige Eintrübung des Himmels. „Ursache hierfür war ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über dem Ostatlantik. Dieser sorgte für den Transport von Saharastaub weit nach Norden, sogar bis nach England. Hinzu kam außerdem noch der Rauch durch die zahlreichen Waldbrände in Portugal“, erklärt Klimaexpertin Franziska Reinfried vom Umweltamt.

Die Höchsttemperaturen stiegen in dieser Südströmung über mehrere Tage noch einmal über 20 Grad. Seit 1961 landete damit der Oktober 2017 mit +1,9 Grad Celsius auf dem achten Platz. Der Mehrheit wird wohl aber das Sturmtief „Herwert“ in Erinnerung sein, das Ende Oktober über Deutschland hinwegfegte und für große Schäden z. B. durch umgestürzte Bäume sorgte. Wer in den Tagen danach in der Dresdner Heide unterwegs war, musste dies unweigerlich feststellen. Im Stadtgebiet erlitten etwa 50 Straßenbäume Schaden durch den Sturm. In Dresden-Klotzsche wurde eine Spitzenwindgeschwindigkeit von 106 Kilometern pro Stunde gemessen, auf dem Fichtelberg waren es 176 Kilometer pro Stunde. Es ging fast unter, dass der Oktober ungewöhnlich nass war. 160 Prozent des Niederschlag-Mittelwertes 1961-1990 wurden registriert. Dabei regnete es eine ganze Woche mehr: Statt der mittleren zwölf waren es im Oktober 19 Niederschlagstage.

Über den November lässt sich nicht allzu viel berichten. Es regnete an genauso vielen Tagen wie im langjährigen Durchschnitt. Die gemessene Niederschlagssumme lag bei 99,4 Prozent. Das Monatsmittel der Lufttemperatur lag 1,2 Grad über dem Referenzwert 1961-1990.

„Die Entwicklung der herbstlichen Niederschlagsmengen seit 1961 zeigt bisher keinen Trend. Bis Ende der 1990er Jahre galt dies auch für die herbstlichen Temperaturen. Seither steigen sie zunehmend, insbesondere im Monat November“, so Reinfried.

Was bleibt also nun für das Jahr? Nach einem sehr kalten Januar, einem geringfügig zu kalten April und September lagen alle Monatsmittelwerte im Jahr 2017 über dem Durchschnitt im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961-1990. Es lässt sich also mit einiger Sicherheit sagen, dass 2017 zwar kein Wärmerekordjahr wird, sich aber in den anhaltenden Erwärmungstrend einfügt.

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