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26.07.2017

Alkohol noch immer Problemdroge Nummer eins

Dresdner Suchtbericht 2017 sieht Crystal und Cannabis weiter auf dem Vormarsch

Alkohol ist unter den Dresdnerinnen und Dresdnern nach wie vor die Problemdroge Nummer eins. Auf Platz zwei folgt Crystal. Cannabis ist immer häufiger ein Thema in den Sprechstunden der Dresdner Suchtberatungs- und -behandlungsstellen. Insgesamt mussten weniger Menschen infolge Suchtmittelkonsums im Krankenhaus behandelt werden. Besondere Aufmerksamkeit verdienen drogenkonsumierende Schwangere. Zu diesen zentralen Ergebnissen kommt der Dresdner Suchtbericht 2017, der seit heute vorliegt.

Grafik: Verteilung der Konsummuster in den Suchtberatungs- und -behandlungsstellen in Dresden 2016
© LHD

Der jährlich erscheinende Dresdner Suchtbericht beschreibt die Entwicklung der ambulanten und stationären Suchtbehandlung, enthält ein Rauschgiftlagebild der Polizei und informiert über den Stand der Umsetzung des Strategiepapieres zur Suchtprävention. Die Autoren betrachten außerdem die Vernetzung der Suchtkrankenhilfe mit der Kinder-und Jugendhilfe, mit Wohnhilfen und Arbeitsförderung unter Hinzuziehung kurzer Fallbeispiele und Maßnahmen des Ordnungsamtes. Einen thematischen Schwerpunkt legt der aktuelle Bericht auf den Suchtmittelkonsum von Schwangeren und dessen Auswirkungen auf Neugeborene sowie die in der Stadt für diese Zielgruppe entwickelten Hilfsangebote. Zu den Ergebnissen im Einzelnen:

Krankenhausbehandlungen leicht zurückgegangen*

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 2 756 Dresdner Kinder, Jugendliche und Erwachsene wegen des Konsums von legalen und illegalen psychotropen Substanzen (Diagnosen F10–F19) ins Krankenhaus eingeliefert. Während es in den Jahren zuvor einen kontinuierlichen Anstieg der stationären Behandlungen gab, sind sie erstmals gegenüber 2014 (3 056 Behandlungen) wieder um zehn Prozent gesunken und erreichen das Niveau vor dem Jahr 2009. „Das ist sehr erfreulich. Von einem Trend zu sprechen, wäre allerdings zu früh“, sagt die Dresdner Suchtbeauftragte Dr. Kristin Ferse.

Konstante Nachfrage nach Suchtberatung

In den Dresdner Suchberatungs- und -behandlungsstellen (SBB) wurden im Jahr 2016 insgesamt 3 566 Personen beraten (2015: 3 650). Davon hatten 3 075 Klienten aufgrund eigener Betroffenheit Beratungsbedarf (2015: 3 140). 486 Personen kamen als Angehörige in die Beratungsstellen.

Alkohol bleibt Problemdroge Nummer 1

73 Prozent aller Krankenhauseinweisungen sind auf den gesundheitsschädlichen Konsum von Alkohol zurückzuführen. Zwar ging die absolute Anzahl der alkoholbedingten Aufnahmen zurück (2014: 2 223 Aufnahmen; 2015: 2 021 Aufnahmen), dies wirkt sich jedoch angesichts der insgesamt gesunkenen Behandlungszahlen prozentual nicht aus. Übermäßiger Alkoholkonsum ist bei Männern zwischen dem 18. und 60. Lebensjahr ungeschlagen die Hauptursache für eine Krankenhausaufnahme – auch vor Unfällen, Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für Frauen zwischen 40 und 50 Jahren steht Alkoholkonsum an zweiter Stelle der Aufnahmegründe, ab dem 50. Lebensjahr jedoch an erster Stelle. Riskanter Alkoholkonsum spielt in 49 Prozent der Beratungsfälle eine Rolle. Die SBB registrierten 2016 insgesamt 1 499 Beratungsanliegen aufgrund von Alkohol (2015: 1 580).

Illegale Drogen stehen weiter im Fokus: Crystal und Cannabis

Crystal Meth bleibt Dresdens Suchtproblem Nummer zwei. Zwar gingen die Krankenhausbehandlungen aufgrund von Crystal leicht auf 298 zurück (2014: 318), im bundesweiten Vergleich sind diese Zahlen jedoch weiter auffällig. Der Freistaat Sachsen weist im deutschlandweiten Vergleich mit 45 Crystal-bedingten Krankenhausbehandlungen pro 100 000 Einwohner die höchste Falldichte auf. Der Bundesdurchschnitt lag 2015 bei 12 Fällen pro 100 000 Einwohner. Der Anteil der Beratungsanliegen infolge des Konsums illegaler Drogen stieg im Jahr 2016 weiter auf 39,4 Prozent an (2015: 37,9 Prozent; 2013: 34,9 Prozent). Während die Beratungsanliegen infolge des Konsums von Crystal auch im ambulanten Bereich erstmalig seit 2012 zurückgingen (2016: 631 Beratungen; 2015: 663 Beratungen), stieg die Anzahl der Beratungen auf Grund von Cannabiskonsum von 320 im Vorjahr auf 383 im Jahr 2016 weiter seit 2012 kontinuierlich an.

Schwerpunktthema Drogenkonsum in der Schwangerschaft

Die Anzahl der drogenkonsumierenden Schwangeren ist seit dem Jahr 2012 in Sachsen und Dresden kontinuierlich angestiegen. Dementsprechend leiden immer mehr Neugeborene an drogenbedingten Schädigungen und Entzugssymptomen. Sowohl die Kliniken als auch die Dresdner SBB reagierten darauf. Im Jahr 2015 ist ein leichter Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen. Der klinische Pfad wurde 2016 sowohl im Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus als auch im Städtischen Klinikum Dresden weiterentwickelt, indem die psychiatrischen Abteilungen bzw. Kliniken eingebunden wurden. Im Universitätsklinikum werden die drogenkonsumierenden Mütter unverzüglich in ein ambulantes psychiatrisches Behandlungssetting vermittelt, im Städtischen Klinikum vor einer Rehabilitationsbehandlung bei Bedarf in ein stationäres psychiatrisches Setting. Die Koordination der medizinischen und notwendigen psychosozialen Maßnahmen für schwangere Frauen sowie auch für entbundene Mütter mit Drogenkonsum erfolgt im Universitätsklinikum durch Mitarbeiter des „FamilieNetz“, einem an der Unikinderklinik angesiedelten Bereich der psychologisch-sozialmedizinischen Versorgung von Familien früh- und/oder krank Neugeborener. Die Dresdner SBB entwickelten eine Handlungsorientierung zur Sicherung des Kindeswohls. Sie beschreibt Verfahrensabläufe für die Beratung und Betreuung schädlich suchtmittelkonsumierender und abhängigkeitskranker Eltern und kann auf www.dresden.de/sucht abgerufen werden.

Nichtraucherquote liegt über Bundesdurchschnitt

Der Anteil der Nichtraucher in Dresden stieg laut Kommunaler Bürgerumfrage in den vergangenen sechs Jahren von 77 Prozent auf 82 Prozent im Jahr 2016 und liegt damit über dem deutschen Durchschnitt von 76 Prozent.

Glücksspiel- und Mediensucht nehmen kontinuierlich zu

Rund neun Prozent der Beratungsanliegen betreffen Verhaltenssüchte wie das pathologische Glücksspiel und den problematischen Mediengebrauch. In Dresden hat sich die SBB der GESOP gGmbH auf diese Zielgruppe spezialisiert. Ihr Interventionsprogramm „ESCapade“ für Familien mit Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren mit problematischer Mediennutzung wurde bisher von 53 Familien genutzt.

Rauschgiftlagebild in Dresden

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2016 im Stadtgebiet Dresden 1 941 Rauschgiftdelikte registriert. Das bedeutet gegenüber dem Jahr 2015 einen Rückgang um 52 Fälle bzw. 2,6 Prozent. Der Anteil der Rauschgiftdelikte an der Gesamtkriminalität sank damit gegenüber dem Vorjahr von 3,5 Prozent wieder auf 3,3 Prozent ab. Sowohl die Gesamtzahl an Rauschgiftdelikten in der Stadt Dresden, als auch deren Anteil an der Gesamtkriminalität sind seit dem Jahr 2013 mit Schwankungen annähernd gleich. Die Verstöße im Hinblick auf Cannabis überschreiten seit 2015 die 1 000-er Schwelle (2015: 1 005 Fälle; 2016: 1 067 Fälle). Hatte sich in diesem Bereich die Anzahl der Fälle von 2012 zu 2013 nahezu verdoppelt, so stieg die Zahl seit 2013 nochmals um 21,4 Prozent an.

Kaufmann: Partnerschaftlich für risikoarmen Konsum engagieren

„Der Suchtbericht sagt im Großen und Ganzen: Dresden ist auf einem guten Weg. Doch wir dürfen jetzt keinesfalls den Fehler begehen und nachlassen. Suchtberatung, -behandlung und -prävention sind komplexe Aufgaben. Wir müssen sie interdisziplinär, partnerschaftlich und konsequent angehen. Darin liegt unsere Stärke. Viele neue Kooperationen, die im letzten Jahr entstanden sind, zeugen davon, zum Beispiel das Themenjahr Sucht und die Aktionstage mit dem Dresdner Mannschaftsspitzensport, dem Dresdner Zoo und den Dresdner Verkehrsbetrieben. Diese Ansätze gilt es zu vertiefen und weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter für einen risikoarmen Konsum zu gewinnen“, resümiert Dresdens Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen, Dr. Kristin Klaudia Kaufmann.

Um mit den Dresdnerinnen und Dresdnern ins Gespräch zu kommen, hatte die Landeshauptstadt Dresden im Jahr 2016 das Themenjahr Sucht initiiert. Es wurde unterstützt durch die Sächsische Landesärztekammer. Etwa 41 Veranstaltungen boten Einblicke in medizinische, soziale, psychologische und philosophische Aspekte der Sucht. Mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung findet das Jahr 2017 als „Kulturjahr Sucht“ statt. Künstlerische Produktionen sollen sich emotional mit dem Thema auseinandersetzen und so die Bevölkerung zur kritischen Reflexion mit dem eigenen Konsum anregen. Im August ist ein Themenspieltag zur Suchtprävention mit den Dresden Monarchs geplant.

*) Methodischer Hinweis
Die Krankenhausstatistik erscheint verzögert. Die Angaben zu den stationären Behandlungen beziehen sich deshalb auf das Jahr 2015, die Daten für den ambulanten Bereich (Suchtberatungs- und -behandlungsstellen) hingegen auf 2016.

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