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16.06.2017

Historische Objekte und Wege, ein Obelisk und Natur pur

Neuer Lehrpfad für den Albertpark in der Dresdner Heide

Am Montag, 19. Juni 2017, 10 Uhr eröffnet Detlef Thiel, Amtsleiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft gemeinsam mit Dr. Michael Thieme, Leiter des Arbeitskreises Dresdner Heide, einen neuen Lehrpfad im Albertpark in der Dresdner Heide. Auf einem etwa 4,5 Kilometer langen Rundweg wird über geschichtliche, bauliche und naturkundliche Sachverhalte informiert. Der Weg ist durch Wegemarken mit grünem Diagonalstreifen gekennzeichnet, die zusätzlich mit einem schwarzen A entsprechend dem Monogramm von König Albert versehen sind. 17 Informationstafeln nehmen Bezug auf bauliche Objekte, wie den Obelisken mit dem Medaillon des Namenspatrons oder die Gaststätte „Fischhaus“. Historische Wege werden erläutert und naturkundliche Besonderheiten vorgestellt. Für den Rundgang sollte man etwa 1,5 bis zwei Stunden einplanen. Starten kann an der Wilhelminenstraße von der Bautzner Straße aus (Haltestellen der Straßenbahn-Linie 11 Wilhelminenstraße, Elbschlösser, Mordgrundbrücke) oder vom Parkplatz Fischhausstraße sein. Der Weg ist leider nicht barrierefrei. Auch für Kinderwagen ist er nur bedingt geeignet.

„Seit 2005 gibt es die Idee, im Albertpark einen Lehrpfad anzulegen. Mit dem Arbeitskreis Dresdner Heide, deren Mitglieder sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Erhaltung kulturgeschichtlich wertvoller Objekte in der Dresdner Heide engagieren, ist es möglich geworden, den Lehrpfad eröffnen zu können“, so Detlef Thiel über die erfolgreiche Zusammenarbeit und das lobenswerte bürgerschaftliche Engagement des Arbeitskreises Dresdner Heide. Die Tafeln stellte das Werbe- & Zeichenbüro Karin Kreher aus Klingenberg her. Die Schilder stellte der Regiebetrieb Zentrale Technische Dienste der Landeshauptstadt Dresden auf. Die Landeshauptstadt übernimmt die Kosten für die Tafeln in Höhe von rund 3 100 Euro. Eine Tafel wurde durch Privatinitiative finanziert. Die Wegemarken malten die Mitglieder des AKDH in gleicher Weise wie die historischen Wegezeichen. Die Organisation übernahm Peter Rößler.

Hintergrund

Der Albertpark erstreckt sich als Dreieck zwischen Fischhausstraße im Nordwesten, Bautzner Straße im Süden und Schneise 18 im Nordosten. Seine Fläche beträgt 118 Hektar, die der gesamten Dresdner Heide etwa 5000 Hektar. Der Park ist aus dem 1899 gegründeten „König-Albert-Park“ hervorgegangen. Er sollte in sehr fortschrittlichem Sinne als Volkspark zu Erholung sowie zur Sicherung des Wassereinzugsgebiets des Wasserwerks Saloppe genutzt werden. Im Albertpark befinden sich unter anderem das König-Albert-Denkmal, der Wolfshügelturm, die Skulptur des K0entauren Chiron, Schulanlagen, ein Naturtheater, ein Waldspielplatz und ein Wildgehege.

Die Idee zur Anlage eines Waldparkes am nördlichen Stadtrand stammte vom sächsischen Geheimrat Viktor Böhmert (1829-1918), der 1888 die Genossenschaft „Volkswohl zu Dresden“ gründete. Ziel dieses gemeinnützigen und unpolitischen Vereins war die Schaffung von Bildungs- und Erholungsmöglichkeiten für Arbeiter und besonders für deren Kinder. Bereits 1889 konnte ein Teilstück der Dresdner Heide an der Fischhausstraße gepachtet werden, welches nach Plänen von Böhmerts Sohn Karl zu einem Waldspielplatz mit Blockhütten, Spielgeräten und Schulgarten umgestaltet wurde. 1895 wurde die Parkgaststätte „Volksheim“, in der für wenig Geld einfache Mahlzeiten für die ärmere städtische Bevölkerung angeboten wurden, eingeweiht. Neben den eigentlichen Gasträumen für 200 Besucher existierte auch ein Sommergarten mit bis zu 3000 Sitzplätzen. Gleichzeitig legte Karl Böhmert zusammen mit Jugendlichen auf den Resten einer alten Napoleonschanze ein Naturtheater mit 1000 Sitzplätzen an.

Die „Heidefahrten“ des Vereins „Volkswohl“ wurden in ganz Deutschland bekannt. Tausenden Kindern aus armen Familien wurde während der Sommermonate Erholung in frischer Waldluft, verbunden mit Spielen ermöglicht. Sonderfahrten mit Elbdampfern bis zur Saloppe und viele Sonderfahrten von Straßenbahnen brachten mehrere Tausend Kinder zwischen drei und 16 Jahren auf diese Weise in die Heide. Die gepachteten Flächen des Vereins „Volkswohl“ gingen in dem Areal des König-Albert-Parks auf. Bis zum Zweiten Weltkrieg blieb der Heidepark mit dem „Volksheim“ eine der beliebtesten Erholungsstätten seiner Art in Dresden. Nicht nur Schulkinder, sondern auch Heidewanderer nutzten gern die preiswerte Gaststätte und die zugehörigen Sport- und Spieleinrichtungen. Ab 1923 besuchten auch Schulklassen die hier eingerichtete “Waldschule”, um natur- und praxisnahen Unterricht zu erhalten.

Nach 1945 kam es zu massiven Eingriffen in das Gelände des „Volksheims“. Zunächst diente das Areal noch wenige Jahre als Erholungsheim der Kinderlandbewegung, ab 1946 zeitweise auch als Lungenheilstätte. Die bislang öffentliche Gaststätte wurde damit geschlossen, Schutzhütten und Spielflächen verschwanden. Um 1960 wurde ein Garagenkomplex errichtet. Lediglich ein kleiner Teil konnte 1968 als Sportplatz neu gestaltet werden.

Erst 1991 knüpfte man wieder an die Tradition der Einrichtung an. Zwischen Fischhausweg und Schotengrund entstand ein neuer Waldspielplatz, der 1998 noch um ein Spielgelände speziell für Behinderte ergänzt wurde. Man errichtete neue Holzhäuser und Sanitäreinrichtungen, legte einen Lehrpfad zum Wildgehege an und gründete Sachsens ersten „Waldkindergarten“. Das Gelände steht allen Interessierten offen. Außerdem finden an den Wochenenden und in den Schulferien verschiedene Veranstaltungen statt.
(Quellen: „Der Albertpark zu Dresden“ von Klaus Bräuning, Hellerau-Verlag Dresden 2001; http://www.dresdner-stadtteile.de/Nordost/Page10246/Albertpark/albertpark.html)

Der Arbeitskreis Dresdner Heide (AKDH):

Der AKDH wurde 1993 von Prof. Werner Mansfeld (1913-2011) ins Leben gerufen. Er ist seit vielen Jahren in den Landesverein Sächsischer Heimatschutz e. V. eingebunden. Seit 2003 liegt die Leitung in den Händen von Dr. Michael Thieme. Der AKDH ist aus der Interessengemeinschaft Dresdner Heide hervorgegangen, die 1982 von Dresdner Bürgern gebildet worden war, denen Natur- und Umweltschutz am Herzen lag und denen die kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Waldgebietes bewusst war (Leitung: Ingrid Heymann).

Die Mitglieder des AKDH engagieren sich in ehrenamtlicher Arbeit besonders bei der Erhaltung kulturgeschichtlich wertvoller Objekte in der Dresdner Heide und tragen zur Pflege der Landschaft als Ganzes bei. Im Zusammenhang mit den Aufgaben ist der AKDH in gutem Kontakt mit Forst-, Naturschutz- und Denkmalschutzbehörden sowie ggf. mit Unternehmen.

Die hauptsächliche, seit langer Zeit bestehende Tätigkeit des AKDH ist auf den Erhalt der historischen und unbedingt schützenswerten Wegezeichen gerichtet, die ein vielgliedriges und teilweise bis ins ausgehende Mittelalter zurück verfolgbares Wegenetz kennzeichnen. Diese Markierungen sind durch Wegezeichenbücher sowie Kartierungen durch Johannes Humelius, Georg und Matthias Öder (auch Oeder) in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wie auch Balthasar Zimmermann (erste Hälfte des 17. Jahrhunderts) belegt. Es sei hervorgehoben, dass die Wegezeichen ohne das Engagement kulturinteressierter Bürger in der jüngeren Vergangenheit verloren gegangen wären, sind doch sämtliche vorhandenen Zeichen durch eine von schablonenhaftem politischen Denken geprägte, kulturvergessene Aktion in den frühen 1980er Jahren abgekratzt oder mit brauner Farbe unkenntlich gemacht worden. In einer Gegenbewegung engagierten sich jedoch neben anderen Personen Manfred Ruttkowski (1932‐2015) und Dr. Walter Wittig (*1929) in besonderer Weise für die Wiederbelebung der Wegekennzeichnung und den Erhalt des historischen Wegenetzes. Einhergehend mit historischen Untersuchungen zu Entstehung und Veränderungen des Wegenetzes, entwarf Ruttkowski die Zeichen in einer historisch angepassten Ausführung neu und entwickelte für den praktischen Gebrauch entsprechende Schablonen.

Die Spezifik alter Wege im Gebiet der Dresdner Heide und ihrer ästhetisch geformten Zeichen will der AKDH für die Öffentlichkeit noch stärker deutlich machen. Er erarbeitete Wandervorschläge für
Rundwanderungen, die größtenteils abseits der mit den bekannten, genormten Zeichen versehenen Wanderwege führen. Die im Internet  unter http://www.saechsischer-heimatschutz.de/tipp-rundwanderungen.html verfügbaren Wandervorschläge umfassen Kartenausschnitte und Texte, die neben der Beschreibung des Wegverlaufs auf kulturelle Besonderheiten ebenso wie auf interessante Gegebenheiten der Natur eingehen.

Ein früheres, abgeschlossenes Aufgabengebiet des Arbeitskreises stellte die Erfassung der im Heidegebiet existierenden Brücken und Durchlässe dar. Sie wurden in unterschiedlichen Größen und Formen sowie aus verschiedenen Baustoffen (Holz, Stein, Stahl und Beton) errichtet.
http://www.saechsischer-heimatschutz.de/arbeitskreis-dresdner-heide-130.html

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