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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2017/06/pm_060.php 12.07.2017 15:04:36 Uhr 23.11.2017 14:06:42 Uhr
15.06.2017

Geplündert – Verkauft – Zurückerworben

Ernst von Siemens Kunststiftung und Galerie Neuse ermöglichen Erwerb des Schiffspokals. Damit kann ein bedeutendes Prunkstück des Dresdner Ratsschatzes nach mehr als 70 Jahren nach Dresden zurückkehren

In den Wirren der Nachkriegszeit ging 1945 der kostbare 67-teilige Dresdner Ratsschatz, bestehend aus qualitätvollen, vergoldeten Silberschmiedearbeiten und kostbaren Gläsern, verloren. Er gilt seit dieser Zeit als verschollen. Bis heute sind nur drei Objekte dieses Schatzes wiederaufgetaucht und nach Dresden zurückgekehrt. Jetzt kommt ein weiteres Prunkstück des Dresdner Ratsschatzes in seine Heimat zurück. Es ist ein eindrucksvoller Schiffspokal des Nürnberger Goldschmiedemeisters Tobias Wolff aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

Im Jahr 2015 tauchte der Pokal in der Öffentlichkeit auf und zog die Aufmerksamkeit des Bundeskriminalamts auf sich, welches das Stadtmuseum Dresden informierte. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Pokal im Jahr 1960 im Auktionshaus Weinmüller unter Teilnahme einer großen Öffentlichkeit versteigert und von einem Schweizer Sammler wirksam erworben wurde, deren Erben ihn 2015 bei Christie’s in London einlieferten. Das Auktionshaus veräußerte den Pokal an die Galerie Neuse, die zwar die Sammlung des Schweizer Voreigentümers kannte, aber nicht wusste, dass der Pokal im Dresdner Stadtmuseum abhandengekommen war. Als dies nach einem Gutachten schließlich feststand, bot die Galerie Neuse an, den Pokal gegen Kostenerstattung an das Stadtmuseum in Dresden zu übertragen. Dieses Angebot hat Dresden schließlich durch Vermittlung der Ernst von Siemens Kunststiftung angenommen. Gemeinsames Ziel war es, dieses Prunkstück für Dresden dauerhaft zu sichern.

„Die Ernst von Siemens Kunststiftung setzt sich seit ihrer Gründung dafür ein, kriegsbedingte Verluste auch in komplizierten Fällen wieder zurück an ihre ursprünglichen Sammlungen zu bringen. Am Schönsten wäre es, wenn der Schiffspokal den Auftakt einer ganzen Reihe von Rückführungen aus dem Dresdner Ratsschatz markierte und sich die aktuellen Eigentümer zu ihrer historischen Verantwortung bekennen würden“, wünscht sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, die mit der Hälfte der zu erbringenden Summe diesen wichtigen Rückerwerb großzügig fördert und damit die Garantie für das Gelingen dieses Projektes gelegt hat, wofür ihr ein besonderer Dank gebührt.

An dieser Stelle ist besonders der Galerie Neuse in Bremen zu danken, die beispielhaft bereit war, sich an dem Projekt der Rückführung des Pokals mäzenatisch zu engagieren. Die noch fehlenden finanziellen Mittel für den Rückerwerb stellen die Landeshauptstadt Dresden, die Volker-Homann-Stiftung, die Ostsächsische Sparkasse Dresden und die Museen der Stadt Dresden bereit. Ihnen allen gilt ein großer Dank für das schnelle und engagierte Handeln; nur so konnten die finanziellen Mittel zusammengetragen werden, damit dieses Prunkstück des Dresdner Ratsschatzes nach mehr als 70 Jahren wieder an seinen angestammten Ort vom Rang des Dresdner Rates künden kann.

Schiffspokal ist zurück.
OB Dirk Hilbert (li.) und Gisbert Porstmann, Leiter der städtischen Museen, freuen sich über die Rückkehr des Schiffspokals.
© Städtische Museen

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