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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/pressemitteilungen/2017/05/pm_023.php 10.05.2017 15:35:31 Uhr 19.10.2017 11:20:55 Uhr
08.05.2017

Hilfe für junge Straftäter

20 Jahre Interventions- und Präventionsprogramm der Jugendhilfe im Strafverfahren

Das Interventions- und Präventionsprogramm der Jugendhilfe im Strafverfahren, auch kurz IPP genannt, nahm am 2. Mai 1997 – vor 20 Jahren – als Kooperationsprojekt zwischen Jugendhilfe und Polizei (PD Dresden) seine Arbeit auf. Mit dieser Kooperation zwischen der Landeshauptstadt Dresden und der Polizeidirektion Dresden wird straffällig gewordenen Jugendlichen geholfen. Allein 2016 haben die vier Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern des IPP 1388 Kinder und Jugendliche bis 21 Jahre betreut. Dazu zählen auch Kinder unter 14 Jahren, die mit einer Strafanzeige und deren Auswirkungen konfrontiert sind. Das IPP ist fester Bestandteil der Jugendhilfelandschaft Dresdens und ist auch aus dem Arbeitsalltag der Polizei nicht mehr wegzudenken.

Aufgaben des Interventions- und Präventionsprogrammes: Im Rahmen einer Krisen- und Kurzzeitintervention wird tatzeitnah und unmittelbar auf straffälliges Verhalten von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden reagiert und der individuelle Hilfebedarf geklärt. In den Gesprächen wird die Straftat aufgearbeitet, zum Ablauf des Strafverfahrens beraten und gemeinsam nach Möglichkeiten der direkten Wiedergutmachung gesucht. Der junge Mensch kann die Situation aus seiner Sicht schildern. Im Beratungsgespräch des IPP werden Motivationen, Hintergründe und die Folgen der Tat erörtert. Es wird Eigeninitiative und ein selbstverantwortliches Handeln gefordert. In einer Vereinbarung, über die auch die Staatsanwaltschaft informiert wird, werden klare Regeln und Maßnahmen, wie Arbeitsstunden, Trainingskurse, Entschuldigungen, Erziehungsberatung oder Täter-Opfer-Ausgleich, festgelegt. Auch die Einbeziehung der oder des Geschädigten, die Beratung der Eltern und umfangreiche präventive Maßnahmen sind mögliche Wege, um Rückfälle zu vermeiden.
Das IPP ist Schnittstelle und Vermittler zu allen Jugendhilfe- und Beratungsstrukturen der Stadt Dresden. Die unmittelbare Reaktion auf das Fehlverhalten von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden trägt dazu bei, dass Krisensituationen im Prozess des Heranwachsens schneller überwunden werden, dass Verantwortung für die eigenen Handlungen übernommen wird, und dass Regeln und Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens stärker Beachtung finden, ohne dass es zu einer Kriminalisierung beziehungsweise Stigmatisierung junger Menschen kommt.

Zielgruppen des IPP sind Kinder, Jugendliche und Heranwachsende, die straffällig geworden sind. In Abgrenzung zur Jugendgerichtshilfe haben auch nichtstrafmündige Kinder – unter 14 Jahre - die Möglichkeit, das Beratungsangebot des IPP zu nutzen. Darüber hinaus werden Opfer von Straftaten betreut, wenn die Straftat von Kindern, Jugendlichen oder Heranwachsenden verübt wurde und Klärungsbedarf besteht. Beraten werden außerdem Eltern, Freunde, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Eltern sowie Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte.

Projekte und Angebote des IPP: Schadenswiedergutmachungen direkt beim Geschädigten, bei Ladendiebstahl, bei Graffiti, bei Schäden bei den Dresdner Verkehrsbetrieben, Begleitung bei der Stadienverbotsanhörungskommission (SVAK), Einleitung und Durchführung von Schlichtungen und Täter-Opfer-Ausgleich, Training für sehr junge Klientinnen und Klienten im Projekt „Fallschirm“, Beteiligung  beim Leseprojekt „Der Dresdner Bücherkanon“, Prävention bei Mobbing, Fallfachkonferenzen sowie die Vernetzung und Vermittlung in vielfältige Hilfs-und Beratungsangebote in Dresden. Das IPP ist Hospitations- beziehungsweise Praktikumsstelle für Studierende und Auszubildende

Die Lebenslagen junger Menschen sind in den letzten Jahren unübersichtlicher und komplexer geworden.
Diesen Anforderungen stellt sich auch das IPP und passt das Beratungsangebot laufend dem Bedarf an. So gewinnen folgende Schwerpunkte in der Arbeit immer mehr Raum: Suchtproblematik - z. B. Vermittlung in Suchtberatungsstellen oder das Projekt „FreD“, psychische Erkrankungen junger Menschen oder deren Eltern (Kooperationen mit Kliniken), Chancen und Risiken beim Gebrauch neuer Medien, z.B. Cybermobbingfälle–- Begleitung  und Schlichtung von Einzelfällen, Fachveranstaltungen zum Thema, Präventionsmaßnahmen an Schulen oder in Jugendhilfeeinrichtungen, Mediationen, Schlichterprojekte an Schulen, Prävention im Rahmen von „JGH- mobil“ und dem Projekt Sissi zur Schulabstinenz. Eine Kooperation mit der DVB ist in Planung.

Bürgermeister Hartmut Vorjohann: „Dieses Projekt hat sich bewährt und tut dies weiter. Nur etwa 30 Prozent der betreuten Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden werden erneut straffällig.  Jeder Einzelne ist ein Erfolg und durch die präventiven Angebote können neben der erzieherischen Wirkung teure und zeitraubende Verfahren vermieden werden, was langfristig auch zu einer Einsparung an finanziellen Mitteln der öffentlichen Hand führt.“

Das IPP wurde2002 durch die Bundesjustizministerin Prof. Herta Däubler-Gmelin als besonderes Modellprojekt auf dem Gebiet der Prävention im Bereich der Kinder- und Jugenddelinquenz ausgezeichnet.

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