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https://www.dresden.de/de/rathaus/aemter-und-einrichtungen/unternehmen/stadtarchiv/praesentationen/archivalien-des-monats.php 29.05.2019 11:44:38 Uhr 19.06.2019 04:13:32 Uhr

Archivalien des Monats

Juni 2019

Das Auto im Dienste der Schulzahnklinik, Modellversuch aus Schwelm 1929
Das Auto im Dienste der Schulzahnklinik, Modellversuch aus Schwelm 1929

Eine Schulzahnklinik auf vier Rädern

Das Schwelmer Vorbild – ein Nachahmungsmodell für Dresden?

Mit dem freudigen Aufmacher „Juchhei, juchhei, das ist gewiß, ich brauche später kein Gebiß!“ berichtete der Sonderabdruck des „Schwelmer Tageblattes“ vom 27. April 1929 über die Einrichtung einer neuen Schulzahnklinik in Schwelm. Das Besondere daran war allerdings die Unterbringung der Zahnarztpraxis in einem Wagenaufbau, der auf einen Mercedes-Benz mit Niederrahmen-Fahrgestell und Sechszylindermotor montiert wurde. Wie die Fotografien in einer Akte des Dresdner Schulamtes zeigen, befand sich in dem Wagen eine modern eingerichtete Zahnklinik mit elektrischer Beleuchtung, Warmwasserbereiter, Abwassertank und Heizung. Außerdem waren ein Schreibtisch, ein Kinderuntersuchungsstuhl, ein Waschbecken sowie ein Wartebereich mit zwei ausklappbaren Sitzen eingebaut. Die Stromversorgung erfolgte über einen Anschluss an die Starkstromleitung der Schule.

Diese Erfindung von Prof. Kantorowicz aus Bonn weckte auch das Interesse des Dresdner Finanzamtes, welches darin eine mögliche finanzielle Entlastung sah und das Schulamt bat, sich mit der Beschaffung eines solchen Wagens zu befassen. In Dresden existierte bereits seit 1921 eine Städtische Schulzahnklinik mit zwei Zweigstellen in Cotta und Pieschen in denen alle Schüler der Klassenstufen 2 bis 5 eine kostenfreie Untersuchung erhielten. Dresden besaß damit als eine der wenigen Großstädte eine die gesamte Volksschuljugend umfassende Schulzahnpflege. Aufgrund der sehr guten Auslastung war eine dritte Zweigstelle in Planung, welche gegebenenfalls durch den zahnärztlichen Wagen ersetzt werden sollte.

Für eine solche mobile Zahnklinik sprach aus Sicht des Dresdner Schulamtes lediglich, dass der Schulzahnarzt auch vor die kleinste Dorfschule fahren konnte und die Kinder nicht in eine weit entfernte Landstation gebracht werden mussten. Allerdings würden die Kosten von ca. 12 200 RM für eine stationäre Einrichtung weit unter denen eines zahnärztlichen Automobils in Höhe von 23 000 RM liegen. Auch seien höhere Personalkosten zu erwarten, da man neben dem Zahnarzt und einer Schwester zusätzlich einen Kraftwagenführer einstellen müsse. Darüber hinaus wurde bezweifelt, dass der Zahnarzt an kalten Wintertagen ohne gesundheitliche Schäden arbeiten könne. Ebenfalls unklar war der Stellplatz des Wagens. Die öffentlichen Verkehrswege neben der Schule durften keinesfalls durch das über den Gehweg liegende Stromkabel, wartende oder schreiende Kinder behindert werden. In die Schulhöfe konnte der schwere Wagen aber auch nicht fahren, da die Reifen den ungepflasterten Boden zerstören würden.

Aus der Akte geht hervor, dass das Dresdner Schulamt alles in allem zu dem Schluss kommt, die Frage der Automobil-Schulzahnklinik vorerst auf sich beruhen zu lassen und abzuwarten, ob die Idee aus Schwelm zwei Winter übersteht. Die zunehmend schwierige finanzielle Lage der Stadt ab 1929 führte in den folgenden Jahren dazu, dass die fahrende Schulzahnklinik nie wieder zur Debatte stand und auch keine dritte stationäre Zweigstelle eingerichtet wurde.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 2.3.20 Schulamt, Nr. 0368

Sophie Richter

Mai 2019

Ratsfestkarte mit dem Breslauer Rathaus von Robert Langbein (1864 – 1932) aus dem Jahr 1912, Probedruck, retuschiert.
Ratsfestkarte mit dem Breslauer Rathaus von Robert Langbein (1864 – 1932) aus dem Jahr 1912, Probedruck, retuschiert.

60 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Breslau und Dresden

Mit Blick auf einige außergewöhnliche Festkarten 

Am 7. Mai 1959 wurde zwischen Wrocław und Dresden ein Abkommen über die kulturelle und gesellschaftliche Zusammenarbeit von Bolesław Iwaszkiewicz (1902-1983), Vorsitzender des Präsidiums des Nationalrates der Stadt Wrocław, und Herbert Gute (1905-1975), Oberbürgermeister der Stadt Dresden, unterzeichnet. In der zeittypischen Stilisierung wurde in der Präambel des Vertrages die zweitälteste Städtepartnerschaft Dresdens begründet, „von dem Willen erfüllt, die Freundschaft zwischen den Städten Wrocław und Dresden zu festigen, und sich gegenseitig beim Aufbau des Sozialismus zu unterstützen“. Hierzu wurde ein ständiger Erfahrungsaustausch auf allen Gebieten des gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Lebens avisiert. Besonderes Interesse galt unter anderem der Wohnungswirtschaft, der „unterirdischen Ausstattung der Stadt“, der Bevölkerungsversorgung, dem Gesundheitswesen sowie der Bildung, der Kultur und dem Sport. Hierfür waren Delegationsbesuche, Konsultationen, künstlerische und studentische Erfahrungsaustausche, sportliche Wettbewerbe sowie Schülerkorrespondenzen vorgesehen. Nach der Wiedervereinigung wurde dann die Fortsetzung und Intensivierung der gemeinschaftlichen Aktivitäten mit der novellierten Vereinbarung vom 27. August 1994 „in Anbetracht der traditionell guten, freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Städten“ konsolidiert.

Mit Blick auf die 60jährige Freundschaft werden in diesem Monat Muster besonderer Ratsfestkarten von Robert Langbein (1864-1932) im Lesesaal des Stadtarchivs präsentiert. Der Maler und Radierer warb im Jahr 1912 mit Kunstdrucken vom Breslauer Rathaus beim Dresdner Rat, um einen Auftrag zur Anfertigung von äquivalenten Festkarten für Dresden zu erhalten. Auf der Suche nach einer grafischen Vorlage stellte Stadtbaurat Professor Hans Erlwein (1872-1914) allerdings fest, dass die Auswahl aus Mangel eines geeigneten Aufnahmestandpunktes sehr eingeschränkt wäre, weil das Rathaus „frei und auf einem architektonisch nicht geschlossenen Platz im Stadtbild“ stand. Langbein verwendete schließlich zehn Fotografien und einige Postkarten für den Entwurf des Motivs für die Ratsfestkarten, die zunächst in einer Stückzahl von 500 in hellbrauner Tönung gefertigt wurden. 280 Stück fanden bereits zum Festmahl anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) am 27. Januar 1913 als Menükarten Verwendung. Allerdings blieben die übrigen Exemplare mindestens die folgenden 12 Jahre ungenutzt. Dennoch wurde unter ausdrücklicher Berücksichtigung der sozialen Notlage des Künstlers im Jahr 1927 noch eine weitere Charge von etwa 500 Stück mit einem neuen Rathausmotiv in Auftrag gegeben.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 2.3.1, Hauptkanzlei, Nr. 540.

Johannes Wendt

April 2019

Wetterkarten des öffentlichen Wetterdienstes
Wetterkarten des öffentlichen Wetterdienstes

„Ausführliches bringen die täglich erscheinenden Wetterkarten des öffentlichen Wetterdienstes zu Dresden“ – Die Einführung des öffentlichen Wetter-Nachrichten-Dienstes

Als Erfinder der Wetterkarte gilt der französische Naturwissenschaftler Urbain Le Verrier (1811–1877). Dieser erstellte am 19. Februar 1855 die erste auf telegrafisch mitgeteilten Daten basierende Vorhersagenkarte für Frankreich. Im Nachgang der erfolgreichen Präsentation des Projektes vor der Pariser Akademie der Wissenschaften entstand der meteorologische Wetterdienst in Frankreich und auch auf dem Gebiet des ab 1871 gegründeten Deutschen Reiches wurden meteorologische Forschungen befördert.

Bereits um 1878 finden sich in den Verhandlungen der Stadtverordneten von Dresden Beschlüsse zur Veröffentlichung telegrafischer Wetterprognosen. Diese gingen auf die Angaben der in Leipzig ansässigen meteorologischen Centralstation für Sachsen unter Leitung des Geheimrates Dr. Carl Christian Bruhns (1830–1881) zurück. Täglich um 16 Uhr sollten sämtliche in Europa befindlichen meteorologischen Hauptstationen einen Wetterbericht nach Leipzig senden. Vor Ort erfolgten die Auswertung der Berichte und die Aufstellung einer für 24 Stunden gültigen Wetterprognose, deren Wahrheitsgehalt auf 70 % geschätzt wurde. Die Angaben wurden unter anderem nach Dresden telegrafiert, so dass ab 18 Uhr der Aushang an öffentlichen Plätzen wie dem Altstädter und dem Neustädter Rathaus erfolgte. Durch Zusammenarbeit aller Regierungen der Bundesstaaten des Deutschen Reiches wurde die Einführung eines einheitlich gestalteten „öffentlichen Wetter-Nachrichten-Dienstes“ festgelegt. Maßnahmen zur Durchsetzung dieses öffentlichen Wetterdienstes wurden in Sachsen ab dem 31. Mai des Jahres 1906 durch das Königliche Ministerium des Inneren ergriffen.

Neben den bereits etablierten telegrafierten Wettervorhersagen, die sich auf Wind, Bewölkung, Niederschlag und Temperatur bezogen, sollten zusätzliche Wetterkarten des öffentlichen Wetterdienstes zu Dresden angebracht werden. Die Wetterkarten waren Landkarten, die mit einfachen am Rande erläuterten Zeichen die Verteilung des Luftdruckes über Europa darstellten und Rückschlüsse auf hiesige Witterungsvorgänge ermöglichten. Die umfassende Weitergabe aktueller Wetterinformationen, deren besonderer Wert vor allem für die Landwirtschaft betont wurde, sollte über Schaukästen erfolgen, die an öffentlichen Orten – insbesondere an den Außenwänden der Postanstalten – aber auch an Bahnhöfen, Schulen oder Gemeindeämtern aufgehängt wurden. Während die Wetterkartenabonnements mit 50 Pfennig monatlich kostengünstig zu haben waren, erregte die Anschaffung der Kästen, die für das Aushängen des Wettertelegrammes und drei Wetterkarten vorgesehen waren, den Unmut einzelner Gemeinden. Nicht nur die Kosten von 8 Mark pro Kasten, sondern auch Aufhängung, Glasscheiben und wetterfester Anstrich sollten von der Gemeinde getragen werden. Diese Maßnahmen missfielen insbesondere dem Rats- und Verwaltungsausschuss von Laubegast und Cossebaude, die dem Gemeinderat kurzerhand empfahlen, die Maßnahmen unter Verweis auf mangelnde Landarbeit in ihrer Region abzulehnen.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 2.3.9 Gewerbeamt A, Nr. S.0338.

Sylvia Drebinger

März 2019

Heimatschein für das Inland für Meyer Salomon
Heimatschein für das Inland für Meyer Salomon

Heimatschein für Meyer Salomon. Ein Dresdner Antiquitätenhändler erhält das Bürgerrecht

Am 1. Februar 1855 erhielt der Dresdner Antiquitätenhändler Meyer Salomon die Urkunde über seine Zugehörigkeit zum Heimatbezirk Dresden. Es handelt sich um ein äußerlich schlicht gestaltetes Schriftstück, das die Unterschrift des damaligen Oberbürgermeisters Pfotenhauer trägt. Auffällig ist der sehr schön geprägte Abdruck eines Siegels des Rates der Königlichen Residenz- und Hauptstadt Dresden. Das sächsische Heimatgesetz von 1834 bestimmte, dass jeder Staatsangehörige des Königreiches Sachsen die Zugehörigkeit zu einem Heimatbezirk besitzen sollte. Die Heimatangehörigkeit wurde bei der „Ortsobrigkeit“ beantragt. Diese stellte nach entsprechender Prüfung den sogenannten Heimatschein aus.

Meyer Salomon, der Gründer der bekannten Antiquitätenhandlung M. Salomon, die sich im Laufe der Jahrzehnte in Museumskreisen und Auktionshäusern hohes Ansehen erwarb, beantragte das Bürgerrecht der Stadt Dresden, verbunden mit einer Konzession zur Betreibung des Antiquitätengeschäftes, erst im Mai 1854, obwohl er 1809 in Dresden geboren wurde, bereits seit 1834 im „Handel mit alten Sachen“ tätig war und inzwischen eine große Familie zu ernähren hatte. Nachdem sein erster Antrag offenbar unbeantwortet blieb, verfasste er im September 1854 ein zweites Schreiben, in welchem er ausführlich seinen Werdegang und die Gründe für den Antrag darlegte. Offenbar war er von der Königlichen Polizeidirektion aufgefordert worden, seine „Berechtigung zum Antiquitätenhandel durch obrigkeitliche Concession nachzuweisen“. Er entschuldigte sein Versäumnis mit dem „Drange der Geschäfte“ und fügte ein Zeugnis des Direktors der Königlichen Porzellansammlung Dr. Graesse bei.

Im frühen 19. Jahrhundert war Angehörigen der israelitischen Gemeinde die Erlernung eines Handwerks untersagt. Während vermögendere Glaubensgenossen Medizin studieren konnten, blieb den ärmeren Klassen nichts weiter übrig, als sich durch den Handel mit alten Sachen „kümmerlich zu ernähren“. Auch Meyer Salomon hielten die Mittellosigkeit seines Vaters und die „Rechtlosigkeit seines Glaubens“ davon ab, ein Studium oder eine handwerkliche Ausbildung aufzunehmen. Erst das „Gesetz wegen einiger Modificationen in den bürgerlichen Verhältnissen der Juden“ vom 16. August 1838 brachte einige Verbesserungen. Unter anderem durften sich inländische Juden künftig dauerhaft in Dresden und Leipzig aufhalten, dort auch ein Grundstück erwerben sowie das Bürgerrecht zur Betreibung eines Gewerbes beantragen.

Meyer Salomon schilderte, wie er dem Trödel mit alten Sachen zunächst nur widerwillig nachging, jedoch schließlich im Antiquitätenhandel eine Berufung fand, die den Sinn für Bildung in ihm weckte und es ihm erlaubte, „mit Kunstfreunden und Männern der Wissenschaft vielfach geschäftlich zu verkehren“. Er betonte, dass er mit Gegenständen handelte, die „durch hohes Alter und ihre besonderen Formen ein historisch-wissenschaftliches Interesse haben, wie Gefäße, Waffen, Münzen, Gemälde“. Nach seinem Tod im Jahr 1863 führte sein Sohn Edmund das Geschäft weiter. Die Firma M. Salomon bestand bis in die 1930er Jahre. Der letzte Inhaber, Eugen Abraham Salomon, verließ Dresden wahrscheinlich 1934 mit einem kurzen Zwischenhalt in Amsterdam und ließ sich schließlich in London nieder. Möglicherweise vorhandene Akten über das Schicksal der Firma M. Salomon in den 1930er Jahren müssen noch ermittelt und ausgewertet werden.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 2.3.9 Gewerbeamt A, Nr. S.0338.

Claudia Richert

Februar 2019

Bauskizze des Zirkusbaus in Löbtau am Crispiplatz (heute Ebertplatz)
Bauskizze des Zirkusbaus in Löbtau am Crispiplatz (heute Ebertplatz)

Manege frei – für den Zirkus „Corty-Althoff“ in Dresden-Löbtau. Eine Akte aus dem Stadtarchiv beschreibt den Bau des Zirkusgebäudes

Der Besuch einer Zirkusvorstellung um 1900 versprach für das Publikum das Erlebnis einer originellen, nicht alltäglichen Welt. Dresden war für die Zirkusdirektoren aus aller Welt ein beliebter Ort, da sie durch regen Zuschauerzuspruch gute Einnahmen erwarten konnten. So fanden im Februar des Jahres 1899 mehrere Vorstellungen des Zirkus „Corty-Althoff“ auf dem Crispi-Platz (heute Ebertplatz) in Löbtau statt. Der deutsche Zirkus „Corty-Althoff“ gehörte um die Jahrhundertwende zu den größten Zirkussen Europas. Pierre Althoff, der Zirkusdirektor, rühmte sich in einem Schreiben an den Gemeinderat von Löbtau, dass seine Künstlergesellschaft aus 150 Personen ersten Ranges bestand und er nicht weniger als 90 Pferde edelster Rassen mitführe. Pferdevorstellungen der höheren Reitkunst und Dressur gehörten ebenso zum Repertoire von „Corty-Althoff“ wie Akrobatik, Ballett und Pantomime.

Schon im Dezember 1897 hatte Pierre Althoff bei der Gemeindeverwaltung Löbtau eine Genehmigung zur Durchführung von Zirkusveranstaltungen für die Winterspielzeit 1898/99 beantragt. Im Blick hatte er die Freifläche des 1879 aufgelösten königlichen Holzhofes, der das gesamte Areal zwischen dem heutigen Ebertplatz, der Hirschfelder Straße und der Freiberger Straße umfasste. Den Bau eines hölzernen Zirkusgebäudes übernahm der Löbtauer Architekt und Baumeister Max Heinrich. Geplant war ein Interimsbau für die Veranstaltungen vom 1. Oktober 1898 bis zum 31. März 1899. Dies geht aus der Bauakte hervor, die sich im Stadtarchiv aus dem Bestand der Gemeindeverwaltung Löbtau erhalten hat. Das Dokument beschreibt neben der Bauausführung auch die Voraussetzungen des Gebäudes an Brandschutz und Sicherheit.

Um nach dem Vorstellungszeitraum das Zirkusgebäude nicht abreißen zu müssen, beantragte Max Heinrich noch 1899 die weitere Nutzung für Zirkusveranstaltungen. Dem Ansinnen des Architekten wurde von Seiten der Löbtauer Gemeinderäte stattgegeben und der Vertrag bis Juli 1900 verlängert. Danach wurde der Zirkus abgebaut. Dennoch blieb der Platz den Zirkusliebhabern erhalten, denn schon vor dem Abbau setzte sich Julius Herzog, Geschäftsführer des „Circus Sidoli“ aus Rumänien, für einen neuen Bau ein. Herzog kannte die örtlichen Gegebenheiten sehr gut, denn ein Jahr zuvor war er in derselben Position noch für den Zirkus „Corty-Althoff“ tätig gewesen. Julius Herzog und Cesar Sidoli planten anstelle einer Holzkonstruktion eine halbmassive Bauweise. Das Gebäude wurde dann im unteren Bereich mit Fachmauerwerk mit aufgesetztem Ständerwerk ausgeführt. Am 5. Januar 1901 begann die erste Vorstellung des rumänischen Staatszirkus. Wie die Akte berichtet, war an die Erteilung der Erlaubnis zur Abhaltung von Vorstellungen die Bedingung geknüpft, dass für den Gemeindevorstand und seinen Stellvertreter „eine Loge zu 4 Sitzen zur uneingeschränkten Benutzung für sich und deren Angehörige“ freizuhalten sei. Mit der Eingemeindung von Löbtau am 1. Januar 1903 endeten auch die Zirkusvorstellungen auf dem Crispiplatz. Die Spielstätte blieb noch bis März 1903 bewilligt und wurde danach endgültig geschlossen und abgetragen.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 8.25 Gemeindeverwaltung Löbtau, Nr. 2455, Bl. 14.

Marco Iwanzeck

Januar 2019

In der ausgestellten Urkunde vom 26. Januar 1338 wird dem Dresdner Rat das Privileg gewährt, einen Hirsch im Wald oder der Dresdner Heide fangen zu dürfen.
Urkunde mit dem Privileg für den Dresdner Rat, einen Hirsch in der Dresdner Heide fangen zu dürfen.

Vom „Hirsch-Schmauß“ der Dresdner Ratsherren - Ursprung und Werdegang einer sonderbaren Gunst

Vor rund 680 Jahren wurde dem Dresdner Rat durch den Landesherrn ein ganz besonderes Privileg gewährt, das mit einigen Einschränkungen bis zur Aufhebung im Jahr 1836 fast 500 Jahre Bestand hatte. Hiernach bestimmte Friedrich der Ernsthafte (1310-1349) am 26. Januar 1338 in einer Urkunde, dass seine „lieben treuen Ratsherren und Geschworenen“ in Dresden alle Jahre einen Hirsch im Dresdner Wald fangen dürften. Damit sollte das gemeinschaftliche Festmahl der Ratsherren in der Weinlesezeit kulinarisch veredelt werden, zu welchem sie offenbar „volle Becher zu leeren pflegten“. Allerdings scheint die delikate Gunst in der Folgezeit wieder in Vergessenheit geraten zu sein, denn in einem Dekret des Kurfürsten August von Sachsen (1526 – 1586) vom 31. August 1580, wodurch dem Rat jährlich zwei Stück Wild und 24 Hasen für die Abtretung von Jagdrechten zugesprochen wurden, fand sie keinerlei Erwähnung mehr.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts machte dann der regierende Bürgermeister Christian Brehme (1613 – 1667), der zuvor von 1640 bis 1656 auch kurfürstlich-sächsischer Bibliothekar war, auf das Versäumnis nachdrücklich aufmerksam. Daraufhin bekräftigte Kurfürst Johann Georg II. (1613 – 1680) am Heiligabend des Jahres 1657 die „uhralte“ und seit einer „geraumen Zeit lang unterbliebene“ Schenkung schriftlich. Darüber hinaus erweiterte er sie dahingehend, dass die drei Bürgermeister Dresdens fortan jährlich je ein Stück Schwarzwild zu Weihnachten und einen „Osterhaasen“ vom Pirschmeister zusätzlich erhielten und sämtliches Wildbret gebührenfrei in „des regierenden Bürgermeisters Behausung alhier“ geliefert wurde. Alles in allem wurde der Rat somit mit einem Hirsch, zwei Stück Wild, drei Wildschweinen und 27 Hasen im Jahr beglückt. In einer überschwänglichen Huldigungsrede von Bürgermeister Valentin Scheffer (1592 – 1666) vom 24. September 1658 ließen die Räte den Landesherrn bei ihrem sogenannten „Hirsch-Schmauß“ für die vorzüglichen Gaben „von hertzen“ hochleben und ein Weinglas „in fröligkeit herumb gehen“. Allerdings kam es in der Anfangszeit häufiger zu Beschwerden auf Grund unvollständiger Lieferungen, während später fehlendes Wild kurzerhand anderweitig ersetzt oder in den Folgejahren nachgereicht wurde.

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte meist nur noch eine bloße Übereignung der einzelnen Hirschteile an die Ratsherren, ungeachtet jeglicher gemeinschaftlichen Festivität. Dabei erhielten die Bürgermeister in der Regel den „Zimmel“, das begehrte Rückenstück des Hirsches. Letztendlich wurde das gesamte Wildbretdeputat im Jahr 1836 gegen Zahlung einer Entschädigungssumme von rund 1200 Talern aufgehoben, was etwa dem 25fachen Preis eines jährlichen Fleischkontingents entsprach. Dieser Entschädigung wurde auch vom Stadtrat zugestimmt - und darüber hinaus allen weiteren Ansprüchen „ausdrücklich und für immer“ entsagt.

Quelle: Stadtarchiv Dresden, 1.1, Ratsurkunden, Nr. 39.

Johannes Wendt

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