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https://www.dresden.de/de/leben/stadtportrait/110/ereignisse/dresden89/histhintergrund.php 30.10.2015 14:32:08 Uhr 13.11.2019 05:16:46 Uhr

Die Friedliche Revolution 1989

Wirtschaftlicher Niedergang, der Verfall der Städte, Umweltzerstörung und nicht zuletzt die Reformblockade der politischen Führung kennzeichneten am Ausgang der 1980er-Jahre die Situation in der DDR und führten zu einer stark anwachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung.
Nachdem Bürgerrechtler im Mai 1989 der SED die Fälschung der Kommunalwahlen nachgewiesen hatten, spitzte sich die Krise im Sommer zu, als tausende Bürger über die ungarisch-österreichische Grenze in die Bundesrepublik flohen. Während sich in Berlin im September und im Oktober eine neue politische Opposition formierte, erhielten die Montagsdemonstrationen in Leipzig großen Zulauf.
Um die Fluchtbewegung einzudämmen, wurde am 3. Oktober die Visapflicht für DDR-Bürger auch auf den Grenzübertritt zur ČSSR ausgeweitet. Zugleich sollten die Flüchtlinge in der Prager Botschaft in einer einmaligen Ausreiseaktion in die Bundesrepublik abgeschoben werden. Dabei kam es zwischen dem 3. und dem 5. Oktober am Dresdner Hauptbahnhof zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den auf die Durchfahrt der Sonderzüge wartenden Ausreisewilligen und der Polizei. Sie wirkten als Initialzündung für die weiteren Ereignisse und führten zu einer nicht mehr abreißenden Welle von Protesten.

Nach den gewaltsamen Auflösungen der Demonstrationen und den Verhaftungen durch die Polizei in den Vortagen gelang es am 8. Oktober, mit der Gründung der "Gruppe der 20", erstmals in der DDR einen friedlichen Dialog zwischen den Demonstranten und der Staatsmacht in Gang zu setzen. Damit ging von Dresden eine Vorentscheidung für den friedlichen Ausgang der Leipzi¬ger Großdemonstration am 9. Oktober und für den Verlauf der Revolution in der DDR überhaupt aus. Auf dem "Dresdner Weg" der Revolution wurden innovative, in ihrer Mehrheit völlig neuartige Formen demokratischer Willensäußerung und Mitsprache gefunden, unter anderem die Dresdner Rathausgespräche der "Gruppe der 20", die so genannte "Eine-Mark-Aktion", die Bildung einer Basisdemokratischen Fraktion sowie die Wiederbegründung des Freistaats Sachsen "von unten".

Einen herausragenden Anteil am Umbruch besaßen die Kirchen, die der Opposition eine Art Schutzraum vor Repressionen boten und eine Ersatzöffentlichkeit schufen. Die von ihnen veranstalteten Friedensgebete bildeten im Herbst 1989 wichtige Formen der Kommunikation und der Massenmobilisierung, indem sie sich zum Ausgangspunkt für die Demonstrationen entwickelten.
Eine zentrale Figur war dabei Superintendent Christof Ziemer, der immer wieder als Mittler zwischen Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer und der "Gruppe der 20" auftrat und somit den Fortgang des Dialogs sicherte. Zugleich prägte die Kirche mit ihren Protestformen - den Fürbittgottesdiensten und brennenden Kerzen - die friedliche Demonstrationskultur der Revolution entscheidend mit.

Noch vor der Öffnung der Berliner Mauer am 9. November wurden auf Demonstrationen in Dresden erste Forderungen nach der Wiedervereinigung Deutschlands artikuliert. Am 19. Dezember empfingen Tausende begeisterte Dresdner Bundeskanzler Helmut Kohl unter schwarz-rot-goldenen Fahnen und "Deutschland"-"Deutschland"-Rufen. In seiner Rede vor der Ruine der Frauenkirche erklärte Bundeskanzler Kohl unter großem Jubel der Demonstranten, am Ziel der Einheit der Nation festhalten zu wollen.

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