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Nora Lang

Interessengemeinschaft „13. Februar 1945“ e.V.

Beitrag zur Veranstaltung am 22. September 2004 im Lichthof des Rathauses

Wenn ich heute hier als Überlebende der Bombenangriffe auf meine Heimatstadt zu Ihnen sprechen darf, so tue ich es nicht, um mein Schicksal zu beklagen, dass der Krieg mir Geborgenheit, ein Zuhause und einen Teil meiner Kindheit und Jugend geraubt hat, dass ich Freunde verloren habe, sondern ich tue es in dem Bewusstsein, dass es außerordentlich notwendig ist, aus diesen schmerzhaften Erfahrungen ein Handeln für den Frieden, für Toleranz, für Menschlichkeit abzuleiten. So wie ich fühlen viele Menschen auf der ganzen Welt, die ähnliches Leid durch Krieg, Gewalt und Terror erlitten haben und auch heute noch erleiden.

Davon künden die Botschaften, die wir – dass heißt die IG „13. Februar 1945“ e. V. – in diesem Jahr zum 13. Februar aus Guernica, aus den USA, aus Palästina und Israel erhalten haben. So schreibt z. B. der Vater Aharon Barnea, der seinen Sohn verloren hat, aus Holon in Israel: „Ich glaube, dass ich dem Andenken meines Sohnes am besten durch meine Arbeit für Frieden und Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern diene.“ Und der Sohn Dr. Adel Misk, der seinen Vater verlor, schreibt uns aus Palästina: „Wir, die trauernden palästinensischen Familien verstehen, dass Rache keine Lösung ist. Rache ist der Nährboden von Hass. Hass ist der Nährboden von Gewalt, Tod und menschlichen Tragödien. ... Wir müssen das Töten stoppen! Wir haben eine große Verantwortung gegenüber der nächsten Generation.“ Auch die Verwandten und Freunde der Opfer des 11. September 2001 in New York sehen es als ihre Verpflichtung an, „andere zu mahnen, dass Krieg keine Antwort ist und zu erklären, dass der Kreislauf von Gewalt unterbrochen werden kann und muss.“ So lautet die Botschaft, die uns David Potorti, Cary/North Carolina, aus den USA übersandte. Luis Iriondo, Überlebender der Bombardierung Guernicas im Jahre 1937, schreibt uns, „dass auch heute sich der Krieg noch mit hochtrabenden Worten schmückt, die seine barbarischen und schändlichen Zwecke als selbstlose Hilfe und Wohlwollen ausgeben. „Was immer man uns als Rechtfertigung nennen mag, Krieg, Gewalt, Terror dürfen nicht erlaubt sein. Immer wieder müssen wir unsere Stimme dagegen erheben.

Ich persönlich wünsche mir, dass all diese traurigen Erfahrungen nicht spurlos an den Menschen, besonders an den Jugendlichen dieser Stadt vorübergehen, sondern dass unsere Erfahrungen zum Anlass genommen werden, um von Dresden aus mehr Initiativen für Frieden, für Toleranz, für Menschlichkeit ausgehen zu lassen. Deshalb möchte ich auch alle Bürger dieser Stadt auffordern, diesen Aufruf durch ihre Unterschrift zu unterstützen.

Der 13. Februar darf nicht für schändliche und menschenfeindliche Zwecke benutzt werden.

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