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https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/iwgr/iwgr-3.php 22.03.2018 08:20:54 Uhr 15.11.2018 21:17:34 Uhr

„Am meisten hilft es, wenn wir miteinander kommunizieren und voneinander lernen."

Joyce-Lynn Lella
Joyce-Lynn Lella
© Jana Tessner

Internationale Wochen gegen Rassismus in Dresden: Drei Fragen an Joyce-Lynn Lella, Sängerin der Band Medlz

Vom 12. März bis zum 6. April finden unter dem Motto „100 Prozent Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus“ die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Dresden statt.

Es sind bundesweite Aktionswochen der Solidarität mit den Gegnerinnen und Gegnern sowie Opfern von Rassismus, die zum Ziel haben, zu informieren, zu sensibilisieren und zur Selbstreflexion und eigenem Handeln anzuregen. In diesem Zusammenhang beschreiben fünf Dresdnerinnen und Dresdnerin der Serie „Wir zeigen Gesicht!“ im Amtsblatt ihre Erfahrungen zum Thema.

Joyce-Lynn Lella ist Sängerin in der A Cappella-Band "Medlz". Sie ist vor einem Jahr nach Dresden gezogen, um der Band beizutreten.

Rassismus – Was sagen Sie dazu?

Rassismus gibt es in vielen Formen. Ich selbst habe zum Glück, noch nie wirklich aggressive oder bösartige Anfeindungen erlebt. Was mir mehr auffällt, ist der alltägliche Rassismus. Alltägliche Dinge, die viele Menschen nicht als schlimm empfinden oder nicht als Angriff auffassen, die sich aber für jemanden wie mich derart häufen, dass sie eben schon anstrengend werden. Bestimmte Begriffe, die benutzt werden, bestimmte Aussagen, die gemacht werden oder bestimmte Fragen, die gestellt werden.

„Darf ich mal deine Haare anfassen?“ oder „Woher kommst du eigentlich?“, sind beispielsweise solche Fragen. Ich versuche, den Menschen dann zu erklären wo genau das Problem mit diesen Fragen liegt. Zum Beispiel impliziert die Frage nach der Herkunft, dass man, so wie man aussieht, ja nicht einfach nur Deutsch sein kann. Ich bin aber hier zu Hause und es ist wirklich anstrengend, wenn andere Menschen einem immer wieder aufzeigen, dass es ja gar nicht sein kann, dass man hier zu Hause ist.

Mir ist aber aufgefallen, dass die meisten Menschen, die mir solche Fragen stellen das nur tun, weil sie neugierig sind oder es als Kompliment meinen. Ich freue mich ja auch, wenn Menschen neugierig sind, weil ich glaube, dass wir uns kulturell eigentlich nur annähern können, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen. Ich möchte auch nicht, dass die Leute Angst haben, Fragen zu stellen. Wenn man aber jemanden neu kennenlernt und ins Gespräch kommt, wird man merken, ob der- bzw. diejenige darüber sprechen möchte oder nicht. Ich glaube es kommt von allein dazu, darüber zu sprechen. Da ist es für den Gegenüber gar nicht nötig, diese Fragen explizit zu stellen.

Was ist Ihre Meinung zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus?

Ich finde diese Wochen super, weil diese Arbeit wirklich gemacht werden muss. Gerade in der heutigen Zeit denkt man ganz schnell, dass es nicht mehr nötig sei. Aber ich finde, es wird gerade jetzt deutlich: In den letzten Jahren kamen viele Flüchtlinge nach Deutschlandund zeitgleich ist die Angst vieler Menschen gestiegen. Der Integrationsprozess kann nicht von jetzt auf gleichabgeschlossen sein und somit ist auch Rassismus noch allgegenwärtig.

Ich bin der Meinung, dass man mit Projekten viel bewirken kann, um Menschen ihre Ängste zu nehmen und ihnen zu zeigen „Wir sind verschieden, aber wiederum auch gar nicht so verschieden.“. Am meisten hilft es, wenn wir miteinander kommunizieren und voneinander lernen Und ich finde solche Projekte spielen dann immer eine große Rolle, weswegen ich froh bin, dass es diese Wochen gibt.

An den diesjährigen Aktionswochen nehme ich leider nicht teil, würde aber zukünftig sehr gerne mitwirken, wenn sich das zeitlich einrichten lässt. Zu Schulzeiten habe ich mich für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ engagiert und Projekte organisiert. Außerdem nehme ich seit November letzten Jahres monatlich meinen Podcast auf, in welchem ich mich auch mit dem Thema Rassismus beschäftige.

Wie stellen Sie sich das Zusammenleben in unserer Stadt im Jahr 2030 vor?

Ich wünsche mir wirklich von Herzen, dass es normaler wird, für Menschen verschiedener Herkunft in Harmonie zusammenzuleben – und dass es vor allem auch normaler wird, vermeintlich ausländisch aussehenden Menschen in ganz normalen Kontexten zu sehen. Wenn man Werbung mit einem schwarzen Menschen sieht, ist dort entweder ein Popstar oder ein trauriges Kind in Afrika abgebildet. Aber das sind nicht die einzigen Bilder von schwarzen Menschen, die es gibt. Es gibt so viele Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind und sich zu Hause fühlen möchten.

Ich hoffe, dass die Kommunikation dahingehend besser wird, dass wir alle mehr ins Gespräch kommen und uns so annähern, dass das Zusammenleben zur Normalität wird.

Deswegen mein Rat: Bleibt offen und traut euch, mit Menschen, die euch auf den ersten Blick nicht vertraut erscheinen, weil sie anders aussehen oder anders sprechen, ins Gespräch zu kommen. Dann werdet ihr ganz schnell feststellen, dass die Unterschiede, die man vermeintlich vermutet, gar nicht so groß sind und dass es sehr gut Miteinander sein kann und wir viel voneinander lernen können.

Schon gewusst?

Unter Rassismus versteht man im Allgemeinen negative und abwertende Einstellungen und Handlungen gegenüber einer anderen Gruppe von Menschen. Alltagsrassismus kennzeichnet die alltäglichen Formen von Rassismus, die keineswegs nur in extremer oder offener Weise auftreten, sondern auch subtil, unauffällig und verdeckt sein können. Nicht immer handelt es sich dabei um bewusste und gewollte Geschehen. Menschen, die selbst nicht von Alltagsrassismus betroffen sind, erkennen diesen oftmals nicht als Rassismus an, sondern es erscheint ihnen vielmehr als selbstverständlich und wird unhinterfragt hingenommen.

Veranstaltungen:

  • Donnerstag, 22. März, 18.30 bis 20 Uhr, TU Dresden, von-Gerber-Bau, Raum 37, Bergstraße 53: Die Reichsbürger: Von Rassismus, Verschwörung und „BRD-GmbH“, Vortrag
  • Freitag, 23. März, 17 Uhr, Literaturhaus Villa Augustin, Antonstraße 1: Schluss mit der Deutschlandfeindlichkeit – Geschichten aus der Heimat, Lesung, Filmvorführung und Diskussion
  • Sonnabend, 24. März, 14 bis 14.30 Uhr, An der Metallskulptur „Völkerfreundschaft“, Prager Straße 11: Spielt zum Tanz, Tango- und Tanzperformance
  • Sonntag, 25. März, 15 bis 16.30 Uhr, Internationale Gärten, Holbeinstraße Ecke Permoserstraße: Geschichten von Flucht und Migration, Mehrsprachige Lesung
  • Montag, 26. März, 17 Uhr, Kreuzkirche, An der Kreuzkirche 6: Ökumenisches Friedensgebet zum Gedenken an Jorge Gomondai
  • Dienstag, 27. März, 19 bis 21 Uhr, Kunsthaus Dresden, Rähnitzgasse 8: EDEWA – Afrokultur, Lesung mit Natasha A. Kelly

 

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