Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/migration/iwgr/interview-iwgr-5.php 05.04.2018 11:38:45 Uhr 21.10.2018 06:52:54 Uhr

„Wir sind alle Menschen – das macht uns alle gleich.“

Zuhause in Dresden. Ajriz Bekirovski.
Zuhause in Dresden. Ajriz Bekirovski.
© Jana Tessner

Internationale Wochen gegen Rassismus in Dresden: Ajriz Bekirovski

Noch bis zum 6. April finden unter dem Motto „100 Prozent Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus" die Internationalen Wochen gegen Rassismus in Dresden statt.
Es sind bundesweite Aktionswochen der Solidarität mit den Gegnerinnen bzw. Gegnern und Opfern von Rassismus, die zum Ziel haben, zu informieren, zu sensibilisieren und zur Selbstreflexion und eigenem Handeln anzuregen. In diesem Zusammenhang berichteten fünf Dresdnerinnen und Dresdnern der Serie „Wir zeigen Gesicht!" im Amtsblatt über ihre Erfahrungen im Umgang mit Diskriminierung und Rassismus.
Den Abschluss der Serie macht Ajriz Bekirovski. Im Jahr 2013 zog er mit seiner Familie aus Mazedonien nach Dresden und macht hier eine Ausbildung zum Elektrotechniker.

Rassismus – Was sagen Sie dazu?

Rassismus ist leider Realität und immer noch aktuell – er geht uns alle an. Rassismus verneint die Gleichheit aller Menschen. Mit jeder rassistischen Handlung, ob gewollt oder ungewollt, werden Menschen abgewertet und ausgegrenzt. Das passiert aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer vermeintlichen Religion oder anderer Zuschreibungen. Rassismus zeigt sich in allen Lebensbereichen: In der Politik, im Job und der Suche nach einem Job, in der Ausbildung usw.
Ich selbst wurde noch nicht mit Rassismus konfrontiert, musste aber miterleben, wie Menschen in meinem Umfeld rassistisch behandelt und diskriminiert wurden.

Was ist Ihre Meinung zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus?

Die Aktionswochen und auch andere Initiativen bewerte ich sehr positiv, da hier Menschen zusammengebracht werden und sich verschiedene Kulturen kennenlernen können. Viele Menschen empfinden eine große Unsicherheit bei Fragen zum Thema Asyl und Flucht. Darum ist es schön, dass es Veranstaltungen gibt, die die Möglichkeit bieten, diese Unsicherheiten abzubauen.
Wir alle sind Menschen und das macht uns alle gleich. Der Kontakt und der kulturelle Austausch helfen, das zu erkennen und Ängste abzubauen, um besser miteinander leben zu können.
Mir persönlich ist es wichtig, dass die Menschen mehr über Sinti und Roma erfahren. Mit diesen Begriffen verbinden viele Menschen sofort Vorurteile. Um das zu ändern, bin ich in der bundesweiten Roma-Jugendorganisation „Amaro Drom e. V." aktiv. Dort nehme ich unter anderem am Projekt „Romane Krla – Die Roma stimmen" teil, in welchem ich zum Multiplikator für die Themen Erinnerungskultur und Geschichte der Roma ausgebildet werde.

Wie stellen Sie sich das Zusammenleben in unserer Stadt im Jahr 2030 vor?

Wenn weiterhin solche Initiativen und Veranstaltungen gestaltet werden, dann denke ich, dass wir es künftig schaffen werden, besser miteinander zurechtzukommen. Ich bin der Meinung, dass es in Zukunft ganz normal sein wird, dass sich Menschen verschiedener Hautfarbe, Herkunft und Religion miteinander verständigen.
Mein Wunsch ist dementsprechend, dass die Menschen mehr an solchen Veranstaltungen teilnehmen und diese besuchen. Nur so ist es möglich, dass sich unterschiedliche Kulturen kennenlernen, Kontakte aufgebaut und Ängste abgebaut werden.

Schon gewusst? 

Der 8. April ist der Internationale Tag der Sinti und Roma. Der Aktionstag möchte auf die Lebenssituation der Sinti und Roma aufmerksam machen. Bundesweit finden Veranstaltungen statt, die ein Zeichen gegen Antiziganismus setzen möchten.

Unter Rassismus sind im Allgemeinen negative und abwertende Einstellungen und Handlungen gegenüber einer anderen Gruppe von Menschen zu verstehen. Der gegen Sinti und Roma gerichtete Rassismus, nennt sich Antiziganismus. Es wird damit eine Form von Rassismus beschrieben, die sich gegen Menschen wendet, denen eine bestimmte Art zu leben, zu sein und zu handeln zugeschrieben wird. Es spielt dabei keine Rolle, dass es sich hierbei nur um Stereotype und Vorurteile handelt, die mit den realen Menschen, die von Antiziganismus betroffen sind, kaum etwas gemein haben.

Drucken

Partner