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https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/oberbuergermeister/kulturpalast.php 28.04.2017 15:16:56 Uhr 18.10.2017 00:07:27 Uhr

Grußwort zur Eröffnung des Dresdner Kulturpalastes

- Es gilt das gesprochene Wort - 

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

nach diesem fulminanten Beginn des Abends, nach den Klängen von Schostakowitzsch „Festlicher Ouvertüre“, fällt es mir ehrlich gesagt schwer, eine Rede zu halten. Denn eines ist schon in diesem kurzen Werk deutlich geworden: Dieser Saal ist dafür gebaut worden, damit sich die Musik wahrhaft entfalten kann. Ein herausragender Saal für ein herausragendes Orchester!

Doch auch wenn die Versuchung groß ist, in der Musik zu versinken: Der heutige Anlass ist es auch wert, dass über ihn gesprochen wird. Wir eröffnen heute Abend viel mehr als einen Konzertsaal. Wir schreiben ein Stück Geschichte für die Stadt Dresden.

Sie alle wissen, dass dem Umbau und der Sanierung des Kulturpalastes eine jahrelange und intensive Debatte vorangegangen war. Sie war deshalb so intensiv, weil die Dresdnerinnen und Dresdner eng mit ihrem „Kulti“ verbunden sind. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass seit seiner Eröffnung 1969 Millionen Gäste und Bürger dieser Stadt hier im Kulturpalast wundervolle Stunden erlebt haben. Begeisterte Besucher der Philharmonie gehörten genauso dazu, wie Fans von Pop, Jazz, Rock und Schlager. Und nicht zu vergessen die leuchtenden Augen nach den zahllosen Aufführungen für und von Kindern und Jugendlichen.

Lassen Sie es mich so ausdrücken: Die Dresdner bewundern Zwinger und Semperoper. Sie sind stolz auf die wiederaufgebaute Frauenkirche. Und Sie lieben ihren Kulturpalast.

Natürlich ist die Aussage verkürzt. Aber der Beweis, dass ein großes Fünkchen Wahrheit in ihr steckt, sitzt heute hier im Saal. Gemeinsam mit der Sächsischen Zeitung haben wir die Dresdner dazu aufgerufen, ihre Erinnerungen an den Kulturpalast niederzuschrieben und die Reaktionen waren überwältigend. Leider konnten wir nur einen Teil dieser Geschichten veröffentlichen und nur 100 von Ihnen zum heutigen Festakt einladen. Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, ein besonders herzliches Willkommen!

Ich gebe unumwunden zu: Als die ersten Pläne zum Umbau des Kulturpalastes in den Fluren des Rathauses die Runde machten, war ich skeptisch. Lohnt sich diese Investition? Ist es möglich, gleich drei Kulturinstitutionen hier unterzubringen? Wäre ein neues modernes Konzerthaus nicht wesentlich eindrucksvoller für die Stadtsilhouette?
Heute kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass der Stadtrat sich für diesen Weg entschieden hat und ich danke den hier anwesenden Vertretern für den Mut, den es für eine solch weitreichende Entscheidung braucht. Mit Ihrem Auftrag haben Architekten, Planer, Bauleute und Denkmalschützer etwas Einmaliges geschaffen.

Mitten im Herzen der Stadt Dresden ist dieser Kulturpalast ein Bekenntnis zur eigenen Vergangenheit – ein Bekenntnis, das die komplexe Geschichte der Stadt in der DDR einschließt, statt einfach in die vermeintlich unbeschwerte Zeit des Barock und der Renaissance zu verweisen. Wir erhalten dieses Gebäude nicht nur wegen seiner besonderen Architektur. Vielmehr erhalten wir ein Zeugnis der Epoche, die viele hier im Saal und die große Teile Deutschlands und der Deutschen geprägt hat. Aus diesem Grund ist es mir eine besondere Freude und Ehre, dass am heutigen Tag die Ehefrau des leider verstorbenen Architekten unter uns ist. Wolfgang Hänsch hat damals unter schwierigsten Bedingungen ein besonderes Haus geschaffen. Dafür wird die Stadt und seine Bürger ihn immer in warmer Erinnerung behalten.

Verehrte Gäste,
aber verstehen Sie mich nicht falsch: Der Kulturpalast ist bei weitem kein wehmütiger Blick zurück. Dieses Haus war 1969 ein Fingerzeig in die Zukunft - und ist es auch 2017. Gleich drei Institutionen werden den neuen Kulturpalast ihren Stempel aufdrücken.

Die Herkuleskeule wird im untersten Stockwerk dafür sorgen, dass uns das Lachen nicht vergeht und uns vielleicht das Lachen auch einmal im Halse stecken bleibt.

Die städtische Bibliothek wird die Räume nicht nur mit Büchern füllen, sondern vor allem mit viel Leben. Und die Dresdner Philharmonie wird in diesem Saal endlich eine Heimat finden, die ihren Fähigkeiten und ihrem Potential würdig ist.

Gestatten Sie mir an dieser Stelle einige Worte an die Musikerinnen und Musiker und an Sie, Herr Prof. Sanderling, zu richten. Ihnen möchte ich zum heutigen Tag meinen besonderen Dank aussprechen. Sie mussten an vielen verschiedenen Orten in dieser Stadt Unterschlupf finden und dadurch auch mit vielen Widrigkeiten kämpfen. Doch ihre Qualität hat darunter nicht gelitten. Mehr noch: Dresden hat heute ein Orchester, das im wahrsten Sinne des Wortes in der ganzen Stadt zu Hause ist! Dafür meinen herzlichen Dank und unser aller Anerkennung.

Dass wir heute diesen Tag feiern können, verdanken wir zahlreichen Menschen. Mein Dank gilt deshalb dem Bauherren der KID, dem Architekten Herrn Stephan Schütz und seinen Kollegen des Büros gmp, den Planern und zahllosen Handwerkern, die in den vergangenen Wochen und Monaten rund um die Uhr geschuftet haben, um diesen Termin einzuhalten.

Ich danke auch den Kolleginnen und Kollegen aus Verwaltung und Stadtrat, die den Bau und die einziehenden Institutionen begleitet und betreut haben.

Ich finde, dass jeder hier im Saal, der an diesem Bau auf die ein oder andere Weise mitgewirkt hat, heute Abend mit Stolz sagen kann: Mein Kulturpalast!

Es gibt am heutigen Tag Grund zum Jubeln. Aber dabei sollten wir nicht vergessen, dass dieser Bau auch ein finanzieller Kraftakt der Kommune ist. Und trotz der mehr als ärgerlichen Mehrkosten, sollten wir uns darüber freuen, dass Dresden in der Lage ist, so viel Geld für Bildung und Kultur zu investieren. Und es ist auch fiskalisch ein gutes Zeichen, dass Sie, Herr Dr. Schäuble, heute als Bundesfinanzminister die Festrede halten. Wäre der Kulturpalast, wie andere öffentliche Bauten, viermal so teuer geworden wie geplant, hätte sicherlich der Bundespräsident zugesagt.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ein kurzer Blick in die Zukunft sei an dieser Stelle erlaubt. Es ist nicht übertrieben zu prognostizieren, dass über eine Millionen Menschen pro Jahr in dieses Haus hinein und wieder hinaus strömen werden. Damit gehört es zu den meistbesuchten Kulturräumen in Sachsen. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies auf unser Verständnis von Kultur in dieser Stadt eine prägende Wirkung haben wird.

Die Entscheidung zum Kulturpalastumbau mag manchem wie der kleinste gemeinsame Nenner vorgekommen sein.

In Wahrheit ist dieser Ort, der größtmögliche Teiler; ein Teiler von Kunst, Bildung und Kommunikation. Jung und Alt, Einheimische wie Gäste finden hier einen Anziehungspunkt und eine Begegnungsstätte. Wie im Kraftwerk Mitte, der zweiten großen kommunalen Investition in die Kultur, wird dieses Haus ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Kulturhauptstadt Europas 2025 sein.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
was aber viel entscheidender ist: Hinter den beeindruckenden Bronzetüren, öffnet sich ein Haus, das keine Grenzen kennt. Die Menschen, die hier täglich arbeiten, auftreten und musizieren kommen aus den verschiedensten Ländern und Kulturen der Erde. In den rund 300 000 Büchern, CD´s und Filmen, die hier Platz finden, erschließen sich alle nur vorstellbaren Welten.

Und gerade weil dies so ist, stiftet der Kulturpalast Identität. Eine offene, kreative und bunte Identität. Eine Dresdner Identität – oder noch viel besser gesagt: Einen Dresdner Klang!

Vielen Dank!

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