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https://www.dresden.de/de/rathaus/politik/oberbuergermeister/hass-und-gewalt-sind-nicht-tolerierbar.php 18.10.2016 09:45:11 Uhr 16.12.2017 23:36:40 Uhr

„Hass und Gewalt sind nicht tolerierbar!“

Im Interview mit Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert

Am 11. Dezember 2015 war Oberbürgermeister Dirk Hilbert seit 100 Tagen im Amt. Das war Anlass für einen Rückblick und einen Ausblick auf das, was die Stadt in der kommenden Zeit erwartet. Die Amtsblatt-Redaktion sprach mit ihm über Bestehendes, Zukünftiges und auch Privates:

Sie sind nun 100 Tage im Amt. Wie sieht es mit dem bisherigen Zusammenwirken zwischen Ihnen, der Bürgerschaft und den politischen Vertretern aus?

Ohne die Dresdnerinnen und Dresdner wäre ich nicht Oberbürgermeister geworden. Deshalb ist der Aufbau einer Vertrauensbasis zwischen den Bürgern und mir eines meiner zentralen Themen. Formen zum gemeinsamen Austausch gibt es viele, sei es in Bürgerversammlungen, Ortsbeiratssitzungen oder auf meiner Facebook-Seite. Gerade dort möchte ich vor allem für die jungen Online-Medien-Nutzer ein Gesprächspartner sein. Dieser Dienst wird auf alle Fälle weiter ausgebaut.

Von Anfang an klappte die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat sehr gut. Eine gemeinsame Klausur mit allen Fraktionsvorsitzenden und den Fachbürgermeistern zu Beginn meiner Amtstätigkeit erleichtert nun allen Beteiligten kurze Wege, und fachliche Absprachen sind mit geringem Aufwand möglich. Das möchte ich so auch in Zukunft beibehalten.

Sie kennen die Dresdner Stadtverwaltung noch aus Ihrer Zeit als Erster Bürgermeister und Beigeordneter für Wirtschaft. Wie vertraut sind Ihnen denn alle Ämter?

Seit Beginn meiner Amtszeit habe ich schon 15 Ämter und Eigenbetriebe besucht. Nun stehen noch mal so viele auf dem Programm. Ich bin ja kein Einzelkämpfer und benötige für alle anstehenden Aufgaben ein Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mich unterstützen. Trotz der immensen Aufgaben ist es mir ein besonderer Wunsch, jedes Amt und jeden Eigenbetrieb bis Ende 2016 besucht zu haben.

Eines ist mir dabei wichtig: Zufriedene Mitarbeiter hinter mir und neben mir zu wissen. Ich bin dankbar über Ideen und bin erstaunt gewesen über die Aufgeschlossenheit mir gegenüber. Dieses Engagement, das ich während der Besuche erlebte, hat mich schon beeindruckt.

Nun zu einem Thema, das uns zurzeit alle bewegt – Asyl. Was bedeutet das für Sie als Oberbürgermeister?

Asyl ist DAS bestimmende Thema in diesen Tagen und wird uns auch noch 2016 in Atem halten. Bereits im September 2015 habe ich angeregt, eine Projektgruppe innerhalb der Stadtverwaltung zu gründen, die es auch gibt und direkt dem Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann unterstellt ist. Glauben Sie mir, ohne diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre hier schon längst Land unter. Zum Thema möchte ich gern einige Zahlen unterstützend sagen: In den ersten acht Monaten (Januar bis August) 2015 kamen 1 700 Flüchtlinge zu uns. In den Monaten September und Oktober ebenfalls 1 700 Flüchtlinge und seit November kommen genauso viele Flüchtlinge pro Monat zu uns. Wohin mit ihnen? Ja, diese Frage wurde uns als Kommune nicht gestellt – denn der Freistaat Sachsen weist zu. Das gesamte Thema wird zu sehr auf die kommunale Ebene abgewälzt. Und diese kommunale Ebene – also wir Städte und Gemeinden – stehen dann allein da. Wo bleiben die Technik, die Finanzen, die Unterstützung im personellen Bereich? Trotz Personalmangels muss jeder Flüchtling betreut werden – aber wie? Dieses Thema wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Dabei ist ein gemeinsames Handeln wichtig. Schuldzuweisungen oder leere Phrasen sind hier fehl am Platz.

Das alles bedeutet, dass Sie bei Ihrem 24-Stunden-Job eigentlich keine Zeit mehr für Frau und Kind und private Aktivitäten haben?

Meine Familie und ich, wir kannten ja die Situation und wussten, worauf ich mich einlasse. Wir haben gemeinsam schon immer einen sehr gut strukturierten Tagesablauf. Ich versuche, immer für meine Familie da zu sein. Zurzeit ist dies etwas schwieriger, weil die aktuellen kommunalen Themen meine Anwesenheit erfordern.

Während meiner Zeit als Wirtschaftsbürgermeister habe ich zum Beispiel einmal in der Woche meinen Sohn von der Kita abholen können. Diese Zeit fehlt mir jetzt, darüber bin ich selbst traurig. Aber ich denke, dass ich dies bald wieder mal nachholen kann.

Gehören Sie als Oberbürgermeister zur Dresdner Prominenz?

Natürlich ist man als Oberbürgermeister in Dresden bekannt, bedingt durch die Medienpräsenz und natürlich durch die Wahlen, die noch nicht so lange her sind. Während Straßenbahnfahrten oder bei Terminen werde ich oft angesprochen und nach aktuellen Problemen befragt. Das ist dann wie eine kleine Bürgersprechstunde in der Straßenbahn oder auf der Straße – das finde ich aber gerade hier bei den Dresdnern sehr sympathisch.

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