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17.03.2017

Pinguine im Lapidarium?

Teile des Pinguin-Cafés aus dem Dresdner Zoo werden vorübergehend eingelagert

Seit heute, Freitag, 17. März, lässt das Amt für Kultur und Denkmalschutz Teile des Pinguin-Cafés vom Dresdner Zoo in das Lapidarium der Landeshauptstadt Dresden transportieren. Dazu gehören die Stahlkonstruktion, ein Element der Dachschalung, ein originaler Raumteiler und Waschbetonplatten der Außenanlage in unterschiedlichen Farben. Ziel ist es, die Bauteile so zu lagern, dass das Café später wieder aufgebaut werden kann. Das bislang im Dresdner Zoo befindliche Café muss einem Neubau weichen und wird seit Montag, 6. März, sorgfältig demontiert.

orangefarbene Bauteile werden abgeladen, davor liegende alte Säulen
Verladearbeiten
© Diana Petters

Der Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz, Manfred Wiemer: „Viele verbinden mit dem Pinguin-Café schöne Erinnerungen. Der Wert eines Gebäudes besteht eben auch darin, welche gesellschaftliche Bedeutung es besitzt. Wir haben nicht nur aus der denkmalpflegerischen Perspektive auf das Pinguin-Café geschaut. Daher war uns schnell klar: Das Café muss erhalten bleiben - und es soll wieder genutzt werden können.“

Den Anstoß, das Café als Zeitzeugnis der Dresdner Nachkriegsmoderne zu retten, gab die Initiative „Ostmodern“. Das Amt für Kultur und Denkmal schloss sich diesen Überlegungen unabhängig vom Denkmalschutzstatus an und beauftragte beim Institut für Baukonstruktion an der Technischen Universität Dresden eine Machbarkeitsstudie. Die von Prof. Dr. Thomas Naumann und Dipl.-Ing. Sebastian Horn betreute Projektarbeit von Maria Magdalena Lichtblau beantwortete Fragen zur Baugeschichte und den Möglichkeiten eines erhaltenden Rückbaus. Auf dieser Grundlage stellte der Dresdner Stadtrat am 26. Januar 2017 40 000 Euro für den Rückbau und den Transport in das Lapidarium zur Verfügung.

Zur Zukunft des Pinguin-Cafés stellt Wiemer fest: „Der erste Schritt in die Zukunft ist mit der Einlagerung im Lapidarium getan. Das Institut für Bautechnik soll prüfen, was alles notwendig ist, um das Café wiederaufzubauen. Es wird eine Konzeptausschreibung geben, die eine zukünftige Wiederaufstellung und Nutzung zum Ziel hat.“

Hintergrundinformationen

Das in Dresden im Volksmund genannte „Pinguin-Café“ wurde 1969 als „Boulevard-Café“ an der Karl-Marx-Allee in Berlin errichtet. Anlass war eine Ausstellung zum 20. Jahrestag der DDR unter dem Titel „Kämpfer und Sieger“. Geplant hat es Erich Lippmann (1906-1969). Das Café wurde als Flachbau in Stahlrahmenkonstruktion mit markantem Faltdach und verglasten Stahlrahmenfenstern vom VEB Stahlhochbau Eberswalde gebaut. Es gilt als Ausdruck für die Experimentierfreude der 60er Jahre.  Im Jahr 1973 kam es als Café neben die Pinguin-Anlage in den Dresdner Zoo. Konstruktiv bedingt war es dort nur in der warmen Jahreszeit nutzbar. Der Abbau im Dresdner Zoo durch die Firma Rommel wird vom Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner in Abstimmung mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz koordiniert. Die Herausforderung besteht darin, die für einen Wiederaufbau notwendigen Teile von den zu entsorgenden Materialien zu trennen.

Das Lapidarium der Landeshauptstadt Dresden befindet sich in der ehemaligen Zionskirche an der Hohen Straße 24. Dort werden wichtige kunsthistorische und denkmalpflegerische Artefakte gelagert.

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