Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/amtsblatt/interview-verkehrsclub.php 06.09.2017 14:31:07 Uhr 19.10.2017 01:53:22 Uhr

„Die Straße ist nicht nur für den Verkehr da“

Interview mit dem Vertreter Verkehrsclub Deutschland, Ortsgruppe Dresden
Im Interview mit Richard Emmermacher vom Verkehrsclub Deutsdchland, Ortsgruppe Dresden
© Gunnar Reichel

Zur Europäischen Mobilitätswoche motiviert der Verkehrsclub Deutschland, die Verkehrswende einzuleiten

Zur Europäischen Mobilitätswoche 2017 lädt die Landeshauptstadt Dresden ein, klima- und umweltfreundliche Mobilitätsformen auszuprobieren. Zahlreiche Verbände, Vereine und Unternehmen bieten ein buntes Programm an. Das Dresdner Amtsblatt stellt in fünf Artikeln Veranstaltungen und Akteure der Europäischen Mobilitätswoche 2017 vor. In der vierten Folge stellt Richard Emmermacher von der Ortsgruppe Dresden den Verkehrsclub Deutschland (VCD) und deren Veranstaltungen vor.

Herr Emmermacher, warum machen Sie bei der Europäischen Mobilitätswoche mit?

Für unsere VCD-Ortsgruppe ist es wichtig, bei den verschiedenen Veranstaltungen zur Europäischen Mobilitätswoche den Gedanken der Verkehrswende zu verbreiten und zu diskutieren. Wir brauchen insbesondere in der Stadt einen lebenswerten öffentlichen Raum, denn davon profitieren alle.

Wie viele Mitglieder hat der VCD in Dresden? Was sind Ihre Anliegen?

Der VCD hat in Dresden etwa 200 Mitglieder. Die Tendenz ist steigend. Speziell für Dresden steht für uns die Rückeroberung der Straße im Fokus. Der öffentliche Raum wird überwiegend dem Verkehr überlassen und nicht, wie es viel naheliegender ist, dem Menschen. Das wollen wir ändern und zeigen deshalb beim ParkingDay am 15. September auf dem Martin-Luther-Platz und beim Autofreien Tag auf der Wilsdruffer Straße, dass der öffentliche Raum in der Stadt vor allem ein Ort der Begegnung und der Erholung sein kann.

Zum Autofreien Tag am 16. September auf der Wilsdruffer Straße bewerben Sie das Thema „Seilbahnen als urbanes Verkehrsmittel". Welche Idee verbirgt sich dahinter und ist das für Dresden überhaupt realistisch?

Klar, eine Seilbahn als öffentliches Nahverkehrsmittel wirkt erstmal ungewohnt und abschreckend. Zu sehr verbindet man die Seilbahn mit Wintersport und Wandern im Gebirge. In bestimmten Defizitbereichen kann sie jedoch ein bestehendes Nahverkehrsnetz sinnvoll ergänzen. In Dresden hat unsere Ortsgruppe den Bereich Messegelände/Dresden Pieschen untersucht, wo eine Seilbahn eine wichtige Querverbindung zwischen den Straßenbahnhaltestellen Messegelände und Altpieschen herstellen könnte. Diese Idee wollen wir beim Autofreien Tag vorstellen und auf der Herbstmarktbühne diskutieren.

Sie laden am 19. September zusammen mit dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen zur Podiumsdiskussion „Dicke Luft in Dresden! Fahrverbote für Autos ab 2018 und Strafzahlungen an die EU? Lässt sich das noch verhindern?" ins Verkehrsmuseum ein. Was erwartet die Gäste?

Klar, das Wort „Fahrverbot" erregt die Gemüter. Um überhaupt erstmal einen Konsens zu schaffen, wie gesundheitsschädlich Abgase tatsächlich sind, haben wir Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe eingeladen. Weiterhin begrüßen wir den Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe, Andreas Hemmersbach, und außerdem Gerd Lottsiepen, Verkehrspolitischer Sprecher des VCD-Bundesverbandes auf dem Podium. Gemeinsam mit der Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen wollen wir die Situation speziell in Dresden erörtern und alternative Lösungsansätze diskutieren, denn Fahrverbote sind eigentlich erst das allerletzte Mittel.

Beim Dresdner Energiedialog der Lokalen Agenda 21 und der DREWAG halten Sie einen Vortrag zum Thema „Mobilität der Zukunft – Warum wir die Verkehrswende brauchen und wie Sie gelingt". Bis zum Durchbruch des Elektroautos ist also nicht mehr weit?

Ich möchte Sie nicht enttäuschen, aber das Elektroauto ist allemal ein Baustein der Verkehrswende und dass nicht mal mehr ein großer. Es geht nicht um eine neue Technologie, sondern um Lebensstile und Verhaltensweisen, um mehr „weniger". Weniger Ressourcen und Energie, weniger zugestellter öffentlicher Raum, weniger überflüssige Wege. Aber das bedeutet kein Verzicht, sondern ist ein Gewinn für alle. Politische Begleitmaßnahmen muss es geben und gibt es: Städte, wie Wien oder Paris haben hier wunderbare Konzepte entwickelt, die motivieren.

Veranstaltungen
  • Freitag, 15. September, 14 bis 20 Uhr
    Parking Day mit VCD, BUND und Greenpeace am Martin-Luther-Platz
  • Sonnabend, 16. September, 11 bis 18 Uhr
    Autofreier Tag auf der Wilsdruffer Straße zwischen Kulturpalast und Altmarkt
  • Montag, 18. September, 19 Uhr
    Reisevortrag „Wann fährt der nächste Zug nach … Asien?" Lichthof des Verkehrsmuseums Dresden, Eintritt frei
  • Dienstag, 19. September, 18 Uhr
    Podiumsdiskussion „Dicke Luft in Dresden! Fahrverbote für Autos ab 2018 und Strafzahlungen an die EU? Lässt sich das noch verhindern?" Lichthof des Verkehrsmuseums Dresden, Eintritt frei
  • Donnerstag, 21. September, 18 Uhr
    Energiedialog: „Mobilität der Zukunft - Warum wir die Verkehrswende brauchen und wie sie gelingt", DREWAG-Treff, World Trade Center, Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten verein@dresdner-agenda21.de

Drucken