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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/amtsblatt/interview-multimobil.php 08.06.2017 14:45:17 Uhr 20.10.2017 03:23:04 Uhr

Multimobil. Für Dich. Für Dresden.

Nachgefragt bei Frank Fiedler, Projekt- und Sachgebietsleiter im Stadtplanungsamt

Die Landeshauptstadt Dresden startete am 7. Juni 2017 gemeinsam mit vielen Partnern die Kampagne „Multimobil. Für Dich. Für Dresden". Dabei geht es um die Idee vernetzter, also „multimobiler" Fortbewegung mit dem jeweils günstigsten Fortbewegungsmittel. Projektleiter Frank Fiedler, Sachgebietsleiter für Grundlagen der Verkehrsplanung im Stadtplanungsamt, erläutert Hintergründe und Ziele der Kampagne:

Wenn man an Verkehrsplanung denkt, kommt einem nicht zuerst die Idee einer Marketingkampagne. Warum arbeiten die Verkehrsplaner mit einer Kampagne „Multimobil"?

Interview mit dem Projektleiter Multimobil
Im Gespräch mit Frank Fiedler
© Jan Gutzeit

Jeder Mensch ist sein eigener Verkehrsplaner. Es leben in Dresden also aktuell 550 000 Verkehrsplaner. Die möchten wir ansprechen und dies gelingt über eine Kampagne am besten. Jeder plant seine Wege individuell, so wie es der Alltag, der Geldbeutel oder die persönliche Bewegungsfreude eben erfordern. Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass diese Gewohnheiten recht stabil sind. Wer einmal im Auto sitzt, kommt da so schnell nicht wieder heraus. Das gesamte Verhalten hat sich auf das Verkehrsmittel eingestellt.

Mit unserer Kampagne wollen wir erreichen, dass die Dresdnerinnen und Dresdner ihr Verkehrsverhalten hinterfragen. Besonders wer regelmäßig ins Auto steigt, soll sich fragen, ob es nicht Mobilitätsalternativen gibt, die mehr Bewegung, mehr Gesundheit und eben auch weniger Emissionen bedeuten. Gleichzeitig gibt die Kampagne auf der Internetseite www.dresden.de/multimobil konkrete Tipps, wie das praktisch möglich ist.

Kritisch hinterfragt: Die Kampagne arbeitet mit schönen Bildern. Aber welche Themen stehen denn noch dahinter?

Ja, unsere fünf Dresdner Gesichter sind sympathisch. Aber sie sind vor allem authentisch und erzählen ihre eigene multimobile Geschichte, die anregen und motivieren soll, es auch mal so zu versuchen. Das Thema das dahinter steht, ist die individuelle Mobilitätsentscheidung. Dazu zählt besonders der Weg zur Arbeit. Wenn man für diesen nicht das eigene Auto nutzt, steigt die Chance deutlich, dass im Alltag mehr Wege zu Fuß, mit dem ÖPNV oder per Rad zurückgelegt werden.

Wir möchten beispielsweise Menschen ermuntern, bei der Wahl ihrer Wohnung auf eine gute ÖPNV- oder Rad-Anbindung zu achten. Es gibt Jobtickets und viele andere Initiativen, die es erleichtern, auf das Auto zu verzichten, Rad zu fahren oder die Stadt mal zu Fuß zu erleben. Und wenn das dann möglich ist, kann für die verbleibenden Fahrten zum Möbelmarkt ein passendes Carsharing-Fahrzeug ausgeliehen werden.

Und wenn mal keine Bahn kommt, stehen in Dresden hunderte Leihräder bereit, um individuell ans Ziel zu kommen. So ist man dann multimobil unterwegs. Natürlich ist noch nicht jedes System perfekt und gerade bei der Vernetzung liegt noch viel Arbeit vor den Verkehrsplanern. Aber das System ist bereits gut nutzbar. Darauf weisen wir hin.

Was unterscheidet diese Kampagne von vielen anderen Kampagnen zur Mobilität?

Bei „Multimobil" ist es uns erstmals gelungen, wichtige lokale Mobilitätsakteure in eine Kampagne einzubinden. Der Umweltverbund aus Fuß, Rad, ÖPNV, Radverleih und Carsharing wirbt erstmals gemeinsam und stellt sich als System in einer Großstadt dar. Das dürfte in Deutschland in dieser Form neu sein.

Durch die Zusammenarbeit in einem „Mobilitätsteam" haben wir die Mobilitätsdienstleister überzeugt, sich zu beteiligen und jeweils ihre Werberessourcen in die Kampagne einzubringen. Da kommt einiges an Möglichkeiten zusammen. Die Kampagne wirbt eben nicht für einen konkreten Tarif oder ein Angebot, sondern steht insgesamt für eine stadtverträgliche und gesunde Mobilität, die zwar auch weiter den Pkw nutzt – aber eben nicht für jeden Weg.

Was werden wir denn bei der Kampagne sehen und erleben?

Anja, Jörg, Katharina, Kathrin und Andy sind die fünf Dresdner Gesichter der Kampagne und tauchen bis September an vielen Stellen auf: in Straßenbahnen, Bussen Carsharing-Autos, Leihrädern, in S-Bahnen und an der Straße, ja sogar auf 300 000 Parkscheinen.

Sie rufen durch ihre eigene Geschichte auf, selbst „MULTI" zu sein. So kann aus jedem Dresdner ein MULTI-Dresdner werden. Und jeder, der selbst eine multimobile Geschichte erzählen will, kann diese ab August an die Stadt Dresden senden.

Eine Jury wählt daraus die spannendsten und interessantesten Geschichten aus und prämiert diese. Die Geschichten der Preisträger werden dann auch online im Internet veröffentlicht. Sie sehen also – die Kampagne geht immer weiter.

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