Landeshauptstadt Dresden - www.dresden.de

https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/amtsblatt/interview-asyl.php 26.07.2017 14:25:55 Uhr 18.10.2017 20:11:40 Uhr

Integration bedeutet Bildung und Arbeit

Drei Fragen an Dr. Kristin Klaudia Kaufmann, Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen

Frau Dr. Kaufmann, wie gut gelingt die Integration in Dresden?

Integration ist ein langer Weg. Es braucht Mut und Ausdauer, ihn zu gehen. Das ist ein bisschen wie beim Wandern. Gehen muss jeder für sich allein, aber gemeinsam geht es einfach besser.

Unsere Erfahrungen der letzten zwei Jahre zeigen ganz deutlich, dass es sich in jeder Hinsicht lohnt, die Geflüchteten frühzeitig bei ihrem Neustart in Dresden zu unterstützen. Wir arbeiten darauf hin, dass die neu Zugewanderten gute Nachbarn, Kollegen und Freunde werden.

Die vom Sozialamt beauftragten Flüchtlingssozialarbeiterinnen und Flüchtlingssozialarbeiter leisten hervorragende Arbeit vor Ort, damit die Geflüchteten in die Nachbarschaften integriert werden.

Integration bedeutet außerdem Bildung und Arbeit. Dafür entwickeln wir im Lenkungsausschuss abgestimmte Maßnahmen und Förderketten. Dass immer mehr neu Zugewanderte eine Ausbildung und eine Arbeit aufnehmen, zeigen die Erlaubnisse, die die Ausländerbehörde den Asylsuchenden gegeben hat – im letzten Jahr waren es 507 Zustimmungen; und allein bis zur Mitte dieses Jahres waren es bereits 419 Zustimmungen. Und wer weiß, vielleicht entdecken wir auf diese Weise sogar neue Talente für unsere SG Dynamo Dresden wie Aias Aosman. Er lebt seit seiner Flucht aus Syrien nun schon 19 Jahre in Deutschland. In der elfteiligen Webvideo-Serie „Refugee11“ spricht er über die Spielregeln von Integration und Demokratie.

Dr. Kristin Klaudia Kaufmann im Gespräch
Dr. Kristin Klaudia Kaufmann, Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen zum Thema Asyl
© Privat

Würde die Landeshauptstadt eine Wohnsitzauflage für Asylbewerber befürworten?

Ich halte die Wohnsitzauflage auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte – neben den Sprachkursen und Arbeitsförderangeboten, die für eine erfolgreiche Integration absolut unabdingbar sind – für ein interessantes Instrument. Ich erhoffe mir davon mehr Planungssicherheit. Derzeit gilt die Auflage nur auf Ebene des Freistaats.

In den letzten Wochen sind immer mehr anerkannte Flüchtlinge aus den umliegenden Landkreisen nach Dresden gekommen. Etwa 25 Prozent der Bleibeberechtigten in Dresden kommen von außerhalb. Unseren Kollegen in Leipzig geht es ähnlich. Das setzt unsere städtische Infrastruktur – unter anderem Flüchtlingssozialarbeit, Kitas und Schulen sowie Wohnungsmarkt – zusätzlich unter Druck.

Anhand der Zuweisungsprognosen der Landesdirektion können wir derzeit zumindest einige Wochen im Voraus recht genau planen. Das wird allerdings durch die Migration innerhalb Sachsens zunichte gemacht. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Landkreise mit uns solidarisch erklären und die Wohnsitzauflage innerhalb Sachsens unterstützen.

Die Stadt hat neulich zum zweiten Mal den Integrationspreis ausgeschrieben – wer bekommt den Preis?

Das steht noch nicht fest. Eine Jury wird den Preisträger voraussichtlich Ende August küren. Der Preisträger wird dann am 1. Oktober 2017 zur Festveranstaltung im Rathaus bekannt gegeben. Wir haben 28 Bewerbungen und Vorschläge von Vereinen, Initiativen und Unternehmen erhalten. Ich freue mich über diese sehr gute Resonanz, die unsere Ausschreibung gefunden hat.

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