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https://www.dresden.de/de/rathaus/aktuelles/amtsblatt/archivalie.php 12.04.2017 11:59:31 Uhr 12.12.2017 18:49:28 Uhr

"Nicht mit Trübsal, sondern heiter und freundlich"

Archivalie des Monats April
Titelblatt der „Abendzeitung“ vom 1. Januar 1817. Bekannter ist das Logo mit der Wunderlampe, das seit 1818 den Kopf der Zeitung schmückte.
© Stadtarchiv Dresden, Bibliothek Z. 155.

Die Abendzeitung – ein Dresdner Unhaltungsblatt des 19. Jahrhunderts

Vor 200 Jahren, am 1. Januar 1817, erschien die erste Ausgabe der „Abendzeitung“ in Dresden. Die Vorankündigung dazu „An die verehrten Einwohner von Dresden“ vom Dezember 1816 wirbt für ein Unterhaltungsblatt, das fern von Politik und „strengwissenschaftlichen Belehrungen“ dazu beitragen möchte, „mit guten Gedanken das Tagewerk zu beschließen“. Der Abend solle nicht mit Trübsal, sondern heiter und freundlich ausklingen, „kurz einem milden Sommerabende gleich seyn“. Die Begründer der „Abendzeitung“ waren Johann Christoph Arnold als Verleger sowie Karl Gottfried Theodor Winkler und Friedrich Kind als Herausgeber. Unter dem Pseudonym Theodor Hell hinterließ Winkler zahlreiche Spuren in Dresden. Er war unter anderem beim Stadtgericht, im Geheimen Archiv, an der Kunstakademie sowie am Hoftheater tätig und engagierte sich in mehreren Vereinen. 1824 wurden ihm der Titel eines Sächsischen Hofrates und 1851 die Ehrenbürgerwürde von Dresden verliehen.

Theodor Hell verfügte über umfangreiche Sprachkenntnisse und übersetzte ausländische Dramen und Operntexte für die deutsche Bühne. Er verfasste auch selbst Gedichte, Erzählungen und Komödien und gab mehrere Taschenbücher heraus. Sein „Dramatisches Vergißmeinnicht“ ist in der Bibliothek des Stadtarchivs vorhanden. Viele Beiträge der Abendzeitung stammen aus der Feder von Theodor Hell, so auch das Gedicht „Häusliches Gespräch“ auf der Titelseite der ersten Ausgabe. Darin bewirbt er die Zeitung als gemeinsame Feierabendlektüre für „sie“ und „ihn“. Die Abendzeitung erschien an sechs Wochentagen. Auf vier Seiten wurden Gedichte, Kurz- und Fortsetzungserzählungen, Rezensionen sowie Kunst- und Theaternachrichten aus dem In- und Ausland präsentiert. Viele der Verfasser waren, wie Theodor Hell selbst, Mitglieder des „Dresdner Liederkreises“. Kritiker, wie Hermann Anders Krüger, warfen der Zeitung „Pseudoromantik“ und Mittelmäßigkeit vor.

Die Allgemeine Deutsche Biographie würdigt hingegen ihre „literarische Bedeutsamkeit als erstes belletristisches Blatt der Restaurationszeit“ (Band 11, S. 694, Leipzig 1880). Neben den regelmäßig enthaltenen „Correspondenz-Nachrichten“ über Theateraufführungen und Kulturereignisse sind historische Beiträge besonders interessant. Sie beschreiben beispielsweise die Geschichte der Kreuzkirche in Dresden, die Fuchsjagt in England oder den Lachsfang in Schottland. Im Stadtarchiv ist die Abendzeitung von 1817 bis 1841 fast lückenlos überliefert. Aus der Redaktionszeit von Hells Nachfolger, Robert Schmieder, sind nur der Jahrgang 1848 und einzelne Ausgaben vorhanden.

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