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https://www.dresden.de/de/rathaus/aemter-und-einrichtungen/unternehmen/stadtarchiv/praesentationen/archivalien-des-monats.php 27.12.2018 16:57:08 Uhr 18.01.2019 22:10:32 Uhr

Archivalien des Monats

Januar 2019

In der ausgestellten Urkunde vom 26. Januar 1338 wird dem Dresdner Rat das Privileg gewährt, einen Hirsch im Wald oder der Dresdner Heide fangen zu dürfen.
Urkunde mit dem Privileg für den Dresdner Rat, einen Hirsch in der Dresdner Heide fangen zu dürfen.
© Repro: Stadtarchiv Dresden

Vom „Hirsch-Schmauß“ der Dresdner Ratsherren - Ursprung und Werdegang einer sonderbaren Gunst

Vor rund 680 Jahren wurde dem Dresdner Rat durch den Landesherrn ein ganz besonderes Privileg gewährt, das mit einigen Einschränkungen bis zur Aufhebung im Jahr 1836 fast 500 Jahre Bestand hatte. Hiernach bestimmte Friedrich der Ernsthafte (1310-1349) am 26. Januar 1338 in einer Urkunde, dass seine „lieben treuen Ratsherren und Geschworenen“ in Dresden alle Jahre einen Hirsch im Dresdner Wald fangen dürften. Damit sollte das gemeinschaftliche Festmahl der Ratsherren in der Weinlesezeit kulinarisch veredelt werden, zu welchem sie offenbar „volle Becher zu leeren pflegten“. Allerdings scheint die delikate Gunst in der Folgezeit wieder in Vergessenheit geraten zu sein, denn in einem Dekret des Kurfürsten August von Sachsen (1526 – 1586) vom 31. August 1580, wodurch dem Rat jährlich zwei Stück Wild und 24 Hasen für die Abtretung von Jagdrechten zugesprochen wurden, fand sie keinerlei Erwähnung mehr.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts machte dann der regierende Bürgermeister Christian Brehme (1613 – 1667), der zuvor von 1640 bis 1656 auch kurfürstlich-sächsischer Bibliothekar war, auf das Versäumnis nachdrücklich aufmerksam. Daraufhin bekräftigte Kurfürst Johann Georg II. (1613 – 1680) am Heiligabend des Jahres 1657 die „uhralte“ und seit einer „geraumen Zeit lang unterbliebene“ Schenkung schriftlich. Darüber hinaus erweiterte er sie dahingehend, dass die drei Bürgermeister Dresdens fortan jährlich je ein Stück Schwarzwild zu Weihnachten und einen „Osterhaasen“ vom Pirschmeister zusätzlich erhielten und sämtliches Wildbret gebührenfrei in „des regierenden Bürgermeisters Behausung alhier“ geliefert wurde. Alles in allem wurde der Rat somit mit einem Hirsch, zwei Stück Wild, drei Wildschweinen und 27 Hasen im Jahr beglückt. In einer überschwänglichen Huldigungsrede von Bürgermeister Valentin Scheffer (1592 – 1666) vom 24. September 1658 ließen die Räte den Landesherrn bei ihrem sogenannten „Hirsch-Schmauß“ für die vorzüglichen Gaben „von hertzen“ hochleben und ein Weinglas „in fröligkeit herumb gehen“. Allerdings kam es in der Anfangszeit häufiger zu Beschwerden auf Grund unvollständiger Lieferungen, während später fehlendes Wild kurzerhand anderweitig ersetzt oder in den Folgejahren nachgereicht wurde.

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte meist nur noch eine bloße Übereignung der einzelnen Hirschteile an die Ratsherren, ungeachtet jeglicher gemeinschaftlichen Festivität. Dabei erhielten die Bürgermeister in der Regel den „Zimmel“, das begehrte Rückenstück des Hirsches. Letztendlich wurde das gesamte Wildbretdeputat im Jahr 1836 gegen Zahlung einer Entschädigungssumme von rund 1200 Talern aufgehoben, was etwa dem 25fachen Preis eines jährlichen Fleischkontingents entsprach. Dieser Entschädigung wurde auch vom Stadtrat zugestimmt - und darüber hinaus allen weiteren Ansprüchen „ausdrücklich und für immer“ entsagt.

Quelle:

Johannes Wendt

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