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https://www.dresden.de/de/kultur/kunst-und-kultur/museen_kunst/kunst_oeffentlicher_raum.php 27.04.2017 17:55:47 Uhr 25.06.2017 05:39:35 Uhr

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst im öffentlichen Raum sucht ihre Orte innerhalb des städtischen Lebens, an öffentlichen Plätzen und in gesellschaftlichen Funktionszusammenhängen. Mit Objekten, Installationen oder auch Projekten schafft sie Reibungsflächen im städtischen Alltag. Die besondere Wahrnehmung von Kunst im öffentlichen Raum durch eine breite Schicht der Bevölkerung bietet Möglichkeiten, den Stadtraum in spezifischer Weise präsent zu machen und aktivierend für städtische Diskussionen zu wirken. Künstlerische Eingriffe an öffentlichen Orten thematisieren städtischen Lebensraum und mobilisieren Stadtnutzer zum Mitdenken bei Fragen der Stadtentwicklung und gesellschaftlichen Prozessen.

AKTUELL 

Denkmal für den permanenten Neuanfang 

Heike Mutter und Ulrich Genth 

Ab Dienstag, dem 25. April 2017 wird auf dem Dresdner Neumarkt die Skulptur „Denkmal für den permanenten Neuanfang" der Hamburger Künstlergruppe Heike Mutter und Ulrich Genth zu sehen sein. 

Das temporäre Kunstwerk wird von der Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch um 16 Uhr gemeinsam mit den Künstlern eingeweiht.
Die Skulptur wird für zwei Jahre auf dem Neumarkt stehen.

Das Hamburger Künstlerpaar Heike Mutter und Ulrich Genth untersucht Städte und Standorte. Aus den Resultaten ihrer Recherchen entwickeln sie Arbeiten, die tote Winkel der urbanen Routine beleuchten. Als die beiden 2011 nach Dresden kamen, fiel ihnen sofort auf, wie stark das hiesige Selbstverständnis auf die Vergangenheit fixiert ist, und mehr noch, dass Veränderungen häufig große Skepsis hervorrufen– außer eben, wenn Vergangenes rekonstruiert wird. Gerade der Dresdner Neumarkt nach 1990 spiegelt diese Sehnsüchte, nicht nur in Gestalt der wieder aufgebauten Frauenkirche, sondern auch in der anhaltenden, teilweise umstrittenen „originalgetreuen“ Wiederherstellung des gesamten Quartiers. Mit seinem symbolischen und historischen Gepäck stellt der Neumarkt einen ebenso ergiebigen wie kritischen Rahmen für Kunstwerke dar.  

Das „Denkmal für einen permanenten Neuanfang“ enthält sein Programm bereits im Titel: Es geht um die gravierenden (Ver)Wandlungen, die sich in unserem kollektiven wie auch persönlichen Gedächtnis aufeinander schichten. Diese (Ge)Schichten bestehen aus einer niemals endenden Folge von Neuanfängen. Mutter/Genth setzen jener unglaublichen Energie, sich immer wieder aufzurappeln und neu zu definieren, ein zeitweiliges Denkmal.

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Eröffnung Denkmal für den permanenten Neuanfang
© Ramona Eichler
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Denkmal für den permanenten Neuanfang
© Ramona Eichler

Nicht umsonst besteht das Podest dafür aus einem fahrbaren Hubsteiger – als Appell an die Mobilität des Denkens und Handelns. Und ändert nicht auch Geschichtsschreibung gerne einmal ihren Standort?  

Das aufragende Objekt wurde aus mehreren Elementen montiert, die nicht auf den ersten Blick zu deuten sind: eine durchlöcherte Kugel, ein Arm mit einem Hammer und eine Art wehender Schal, zusammengehalten von einem Gerüst aus Edelstahl. Letzteres dient in der Knochenchirurgie dazu, Frakturen zu schienen. Der Fixateur ist ein Heilgerät für vergangene Beschädigungen. Am Neumarkt findet etwas Ähnliches statt: die architektonische Therapie von Zerstörungen, optisch möglichst bruchlos. Genau an diesem Ort verbindet nun der Fixateur von Mutter/Genth drei symbolische Accessoires aus der Dresdner Stadtgeschichte zu einer Metallskulptur:  

Die perforierte Kugelform verweist auf Elfenbeinkleinodien, die Sachsens zweiter Kurfürst, August (1526-1586) liebte und auch selbst anfertigte. Als legendärer und progressiver Landesvater führte er sein Reich aus dem Mittelalter in die Neuzeit. Dann sehen wir einen sich anmutig kräuselnden Streifen aus hellem Aluminiumguss. Die Vorlage dafür stammt von der Figurengruppe des 1907 eingeweihten Mozart-Brunnens von Hermann Hosaeus auf der Bürgerwiese. Zwar hatte gerade das Jahrhundert der Moderne begonnen, aber stilistisch orientierte man sich lieber am Spätbarock. Ebenso rätselhaft mag zunächst der körperlose Arm nebst Hammer wirken, der knapp über der Bronzekugel schwebt. Dieses Zitat wurde vom Denkmal der Trümmerfrau abgeformt, das der Bildhauer Walter Reinhold 1952, während des Wiederaufbaus der zerstörten Stadt, für den Rathausvorplatz schuf.  

Für ihre Dresdner Bildsynthese bedienen sich Mutter/ Genth absichtsvoll nicht an den gängigen kulturellen Versatzstücken. Vielmehr rücken sie unabgenutzte Aspekte und Objekte ins Licht und erschließen uns damit neue Routen im Erzählraum der Stadt. Das „Denkmal für den permanenten Neuanfang“ verschafft sich jedoch nicht nur visuell Aufmerksamkeit, sondern auch akustisch: In unkalkulierbaren Abständen schlägt der Hammer von 1952 auf die Kugel von 1580 und holt die Passanten in die Gegenwart zurück.   

Text: Susanne Altmann

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