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https://www.dresden.de/de/kultur/kunst-und-kultur/museen_kunst/kunst-im-oeffentlichen-raum/symposium/nachtigaeller.php 06.05.2015 12:07:46 Uhr 20.10.2017 18:25:07 Uhr

Roland Nachtigäller

"Kunst im öffentlichen Raum ist per se ein Feld der offenen Auseinandersetzungen. 
Ob es die wissenschaftliche Frage nach ihrer noch verbliebenen Relevanz angeht, ob es die Diskussionen mit Bürgern und Künstlern betrifft, ob es die widerstreitenden Interessen von Stadtentwicklung, Freiraum- und Verkehrsplanung, Denkmalschutz oder Nutzungsinteressen anbelangt – immer trifft eine sich im öffentlichen Raum positionierende Kunst auf eine engagierte Debatte über die unterschiedlichen Vorstellungen unserer Lebenswelt.

Aber allein darin auch kann Kunst im öffentlichen Raum ihre Bestimmung finden:
Sich aktiv in diese Diskussion einzumischen, den Finger auf die Wunden einer Stadt oder eines Landschaftsraums zu legen, wie ein Brennglas für die Eigenheiten und historischen Veränderungen von Orten zu wirken und damit ein Bewusstsein zu schaffen für die aufmerksame und verantwortungsvolle Wahrnehmung und Nutzung gesellschaftlicher Räume.
Wichtig dabei bleibt jedoch immer, dass bei allem ortsbezogenen Engagement die aufgeworfenen Fragen eine dezidiert künstlerische Form finden. Es geht nicht um Sozialarbeit und Stadtplanung mit anderen Mitteln, sondern um eine Erweiterung der ästhetischen Erfahrung von Umwelt, die das Vorgefundene auf eine neue, höhere Ebene und damit in einen offenen Raum der Auseinandersetzung jenseits von Sachzwängen und Pragmatismus überträgt. Kunst im öffentlichen Raum wird dann zum Anstoß, zum Gedächtnis eines Ortes, zu einer Übersetzung konkreter Fragen in eine allgemeine, sich vom Ort lösende Form."

Roland Nachtigäller über Kunst im öffentlichen Raum 

Roland Nachtigäller, 1960 in Dortmund geboren, ist Kunstwissenschaftler und seit 2009 Künstlerischer Direktor des Museums Marta Herford.

Nachtigäller studierte in Kassel Kunst, Visuelle Kommunikation, Germanistik und Medienpädagogik.
Erste Erfahrungen im Ausstellungswesen sammelte er als wissenschaftlicher Assistent von Dr. Veit Loers an der damals neu gegründeten Kunsthalle Museum Fridericianum in Kassel. 1991 wurde er in die Leitungsmannschaft der documenta 9 berufen und zeichnete u. a. für die Publikationsabteilung (Katalog, Kurzführer und mehr) verantwortlich. Als freier Autor und Kurator war er anschließend an vielen Ausstellungsprojekten beteiligt (u.a. „Europa, Europa“ 1993/94 für die Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland).

Zwischen 1998 und 2000 entwickelte er zusammen mit Martin Köttering das von Nordhorn bis nach Zwolle (NL) führende Skulpturenprojekt „kunstwegen“.2001 realisierte er für das Kasseler documenta Archiv in der Kunsthalle Fridericianum die Ausstellung »Wiedervorlage d5«, die die Archivalien der Szeemann-documenta in die raumgreifenden Beiträge von fünf zeitgenössischen Künstlern (Stephen Craig, Sabine Groß, Christian Jankowski, Michel Majerus, Tobias Rehberger) integrierte.

Von 2003 bis 2008 war Roland Nachtigäller Leiter der Städtischen Galerie Nordhorn. Hier realisierte er u.a. größere Einzelausstellungen mit Martin Walde, Andreas Gefeller, Korpys/Löffler, Adrian Schiess, Hermann Maier Neustadt, Matthias Bitzer, Franka Hörnschemeyer, Hans Hemmert oder Jürgen Stollhans. 2007 eröffnete auch das von ihm konzipierte und betreute künstlerische Freilandlabor „Feldversuche´“ in der Seegeniederung bei Gartow an der Elbe. Als neue Initiative für die kunstwegen-Route entwickelte er darüber hinaus bis 2008 das Fortsetzungsprojekt „raumsichten“, das im Herbst 2011 mit zehn internationalen Künstlerbeiträgen in der südlichen Grafschaft Bentheim eröffnet wird.

Als Künstlerischer Direktor von Marta Herford entwickelte er u. a. das neue Format „Marta_SMS“ und präsentierte Einzelausstellungen mit Royden Rabinowitch, Dennis Oppenheim, Paolo Chiasera oder Martin Walde. Im Herbst 2010 wurde außerdem ein erstes Skulpturenprojekt von Dennis Oppenheim auf einer großen Herforder Straßenkreuzung eingeweiht, das im Rahmen der von ihm betreuten Initiative „Fünf Tore / Fünf Orte“ eines der verlorenen Herforder Stadttore neu in Erinnerung ruft.

Roland Nachtigäller ist bis heute Geschäftsführer der kunstwegen EWIV, einer binationalen Betreibergesellschaft für das deutsch-niederländische Skulpturenprojekt.

Er hielt Vorträge an verschiedenen Hochschulen, u. a. in Angers (F), Hamburg, Weimar oder Münster, ist Mitglied zahlreicher Kunstpreis-Jurys und publiziert regelmäßig Beiträge in Katalogen und Kunstmagazinen.

Wichtige Ausstellungen: „Plastik Plüsch und Politik – Reflexe der 70er Jahre in der Gegenwartskunst“ (2003) „Daheim in der Fremde – Fremd in der Heimat“ (2004) „Modellräume – Bühnen, Spielfelder, Versuchsanordnungen“ (2005) „Wucherungen und Wandnahmen“ (2006) „Türkisch Delight“ (2007) „Pittoresk – Neue Perspektiven auf das Landschaftsbild“ (2009) „Hellwach gegenwärtig – Ausblicke auf die Sammlung Marta“ (2009) „Unsichtbare Schatten – Bilder der Verunsicherung“ (2010) „Wir sind Orient – Zeitgenössische Arabesken“ (2010) „Things are Queer – Highlights der Sammlung UniCredit“ (2011)

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