Sanierung des Festspielhauses Hellerau

Bauvorhaben
Festspielhaus Hellerau - 2. Bauabschnitt 2008
Karl-Liebknecht-Str. 56
01109 Dresden
Baubeschreibung
Der Architekt Heinrich Tessenow setzte mit dem Festspielhaus 1912 die Visionen des Schweizer Theatertheoretikers und Bühnenbildners Adolphe Appia und des Rhythmikpädagogen Emile-Jaques Dalcroze in ein Raumgefüge um, das durch seine Klarheit und funktionale Bauweise richtungsweisend für die Moderne war und zu einem der bedeutendsten Theaterbauten des 20. Jahrhunderts wurde. Mit der Errichtung des Festspielhauses konnte darüber hinaus am nördlichen Rand derGartenstadt Hellerau als ein Pol gegenüber den am südlichen Ende der Gartenstadt gelegenen Deutschen Werkstätten Hellerau der sozialreformerische "Dreiklang" aus Wohnen, Arbeiten und Bildung bzw. Kunst in Hellerau komplettiert werden.
Das Festspielhaus Hellerau mit den Nebengebäuden wurde in seiner Geschichte unterschiedlichen Nutzungen unterworfen. Nur wenige Jahre nach seiner Errichtung musste mit Ausbruch des ersten Weltkrieges die Bildungsanstalt schließen und damit auch der Betrieb als Theater aufgegeben werden. Zivile Wiederbelebungsversuche zwischen den Kriegen gab es reichlich, jedoch scheiterten diese. So wurde die Anlage 1938 zur Polizeischule umgebaut und auch in der Zeit nach 1945 bis zum Abzug der Roten Armee, die bis 1993 das Festspielhausgelände nutzte, war das Ensemble militärisch besetzt und der öffentlichen Nutzung und Aufmerksamkeit entzogen.
Mit den unterschiedlichen Nutzungen waren immer auch starke bauliche Eingriffe im gesamten Gelände verbunden, dabei wurden im Zuge der Konversion zur Kaseme die nachhaltigsten Eingriffe - auf dem Gelände durch die auf der Ost- und Westseite anstelle der Pensionshäuser entstandenen Kasernenflügel sichtbar vorgenommen.
Aber auch im Festspielhaus selbst fanden grundlegende räumliche Veränderungen statt, die in großen Teilen auch mit dem Austausch von Konstruktionen der Erbauungszeit und strukturellen Veränderungen von Tragwerken verbunden waren. Die Vernachlässigung der Bausubstanz in der Zeit nach 1945 führte dazu, dass sich nach dem Abzug der Sowjetarme das gesamte Areal mit seinen Bauten in einem ruinösen Zustand vorfand.
In den Jahren zwischen 1993 und 2002 wurden unterschiedliche Baumaßnahmen zum Erhalt der Gebäudesubstanz und der elementarsten Nutzungsmöglichkeiten durchgeführt. Neben der aufwändigen Sanierung des Dachtragwerks über dem Großen Saal sind hierbei noch die Trockenlegung der Keller sowie die Erneuerung der Dächer über den Seitenbaukörpern zu nennen. Darüber hinaus wurden in diesem Zeitraum die Pensionshäuser mit Mitteln der Wüstenrot-Stiftung und die Kaserne West mit Mitteln des Freistaates Sachsen restauriert und saniert.
In einem ersten, umfangreichen Bauabschnitt zur Wiederherstellung der Bespielbarkeit des Großen Saals und der Seitenbühnen im Festspielhaus wurden zwischen November 2004 und August 2006 auf Grundlage der Planung des Architekturbüros Meier-Scupin & Partner aus München die bauzeitliche Raumstruktur der Erbauungszeit von 1911 /1912 wiederhergestellt und weite Bereiche des Kellergeschosses für Orchestergraben, Lager und Technikräume aufwändig saniert. Im Erdgeschoss wurde der Hauptsaal mit den angegliederten Seitenbühnen, einem der symmetrisch angeordneten Oberlichtsäle sowie einige dem elementaren Betrieb als
Theater dienende Räume auf den neuesten Stand derTechnik gebracht und unter Berücksichtigung der bauzeitlichen Bausubstanz komplett saniert und erneuert. Die Tragwerksplanung oblag dabei dem Büro Kröning . Ulbrich . Schröter - KUS - aus Dresden, die haustechnischen Anlagen wurden durch das Büro ZibelI. Willner & Partner geplant. Im Zuge der umfangreichen Maßnahmen zur Wiederherstellung der Bespielbarkeit erhielt das Haus mit einer speziellen Obermaschinerie, dem variablen Tafelboden und weiteren Anlagen für Ton- und Medientechnik, szenische und Bühnenbeleuchtung die für einen Betrieb als Theater erforderlichen theatertechnischen Ausstattungen. Diese spezifischen Anlagen und Installationen wurden durch das Büro theater projekte daberto +kollegen aus München geplant. Mit Abschluss der Baumaßnahmen des ersten Bauabschnitts, deren Überwachung dem Dresdner Architekturbüro HAHN +KOLLEGEN oblag, findet seit September 2006 wieder ein regelmäßiger Spielbetrieb im Festspielhaus Hellerau statt.
In einem zweiten Bauabschnitt am Festspielhaus werden unter Mitwirkung derselben Büros die bisher unausgebauten Flächen im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss des östlichen und westlichen Seitenflügels sowie die im Rohbauzustand belassenen Räume fertig gestellt. Bedingt durch die Anforderungen eines bespielten Hauses können die Baumaßnahmen nicht innerhalb einer längeren Schließzeit, sondern müssen im Zuge von kürzeren Spielpausen und Schließungen in zeitlich eng begrenzten Abschnitten umgesetzt werden.
In einem ersten Teilabschnitt im Frühjahr und Sommer 2008 wurden die noch erforderlichen Rohbauarbeiten ausgeführt, die - von einer Spielzeit bis Ende Dezember 2008 unterbrochen - ab Januar 2009 ihre Fortsetzung in den dann folgenden Ausbauarbeiten finden.
Zu den Baumaßnahmen des zweiten Bauabschnitts gehören neben der Rohbausanierung und -instandsetzung der Räume im 1. Obergeschoss die Wiederherstellung der Dächer über den Anbauten auf der Ost- und Westseite, die Errichtung eines behindertengerechten Zugangs zum Gebäude auch der dann in den ersten Monaten 2009 abzuschließende Komplettausbau der Erdgeschossräume mit Oberlichtsaal Ost, Musikzimmer, Bar und Küche, der Komplettausbau der Räume im 1. Obergeschoss mit Studio Ost, Studio West, Salon Ost und West, Multimediastudio, Sologarderoben und Flure.
Die Überarbeitung und Sanierung des Foyers und der beiden Treppenhallen sowie der Seitentreppenhäuser runden, neben einigen kleineren Baurnaßnahmen in den bereits in Betrieb befindlichen Räumen, den zweiten Bauabschnitt ab.
Diesem Maßnahmenkomplex sollen dann unmittelbar weitere Arbeiten zur Wiederherstellung der äußeren Hülle folgen. In diesem Zusammenhang werden Umbauten an den in den dreißiger Jahren veränderten Dachkonstruktionen der Seitenflügel ausgeführt, um die im großen Saal noch fehlenden bauzeitlichen achten Saalfester auf den Längsseiten wiederherstellen und mit der Restaurierung des Außenputzes die Rückführung auf die bauzeitliche äußere Gestalt des Gebäudes abschließen zu können.
Parallel zu den beschriebenen Bauleistungen werden in den jeweiligen Bauabschnitten die notwendigen haus- und theatertechnischen Installationen und Einbauten vervollständigt und komplettiert.
Die teilweise äußerst komplexen und aufwändigen Baumaßnahmen und die Anforderungen eines in Teilen fertig gestellten auch während der Bauzeit zeitweise bespielten Gebäudes erforderten bisher und erfordern auch weiterhin ein außerordentlich intensives Zusammenwirken aller am Bau Beteiligten, beginnend mit der vom Liegenschaftsamt und dem Hochbauamt der Landeshauptstadt Dresden vertretenen Bauherrn- und Auftraggeberseite über die Architekten und Fachingenieure bis hin zu den ausführenden Firmen. Diesem Anspruch gerecht werdend, soll ein großartiges Gebäudeensemble bewahrt und Akteuren und Publikum ein in seiner Gestalt einmaliges Theater schrittweise zurückgegeben werden.
Termine
- Planung: Januar - Dezember 2007 (1. Abschnitt)
April 2007 - November 2008 (gleitend für 2. Abschnitt) - Ausschreibung/Vergabe: Januar - März 2008 (1. Abschnitt)
September - November 2008 (2. Abschnitt) - Durchführung: April - August 2008 (1. Abschnitt)
Dezember 2008 - Mai 2009 (2. Abschnitt)
Kosten (brutto)
- Planung: 488.000 Euro
- Durchführung: 2.651.000 Euro
- Gesamtsumme: 3.139.000 Euro
Ansprechpartner
Landeshauptstadt Dresden
Hochbauamt
Projektleiterin:
Frau Maren Flechner
- Postanschrift
- Postfach 120020
01001 Dresden - Telefonnummer
- 0351-488 3858
- Faxnummer
- 0351-488 3804
- mflechner@dresden.de
