Das Reisebuspark/-leitsystem
Am 27.05.2004 beschloss der Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden das weiterführende Konzept zum Reisebuspark/-leitsystem und gab damit »grünes Licht« für den Ausbau des 1996 eingerichteten und in den Folgejahren mit neuen Standorten für das Abstellen von Reisebussen erweiterte Systems.
Der Sinn und die Notwendigkeit zum Aufbau eines solchen Systems begründet sich aus dem touristischen Geschehen des Besuchermagneten Dresden schlechthin. Dresden erfreut sich einer sehr großen Beliebtheit als Reiseziel, wodurch sich der Tourismus als ein erheblicher Wirtschaftsfaktor für die Stadt Dresden darstellt.
Mit rund 8 Millionen Touristen im Jahre 2005 trug dieser Wirtschaftszweig immerhin dazu bei, 20.000 Arbeitsplätze in Dresden zu sichern und Steuereinnahmen aus der Tourismusbranche von mehr als 10 Millionen Euro für die Stadt Dresden einzuspielen.
Die Besucherzahlen in Dresden und die davon abhängenden Größen wie Nettoumsatz der Tourismusbranche, Steueraufkommen usw. haben sich dabei seit 1991 kontinuierlich gesteigert.
Die Flutkatastrophe des Jahres 2002 brachte allerdings einen herben Rückschlag, über eine Million Gäste weniger als im Jahre 2001 kamen nach Dresden.
Umso bemerkenswerter ist es, wie rasch sich Dresden nach diesen dramatischen Tourismusverlusten des Jahres 2002 fast wieder auf den bisherigen Höchststand des Jahres 2001 emporgearbeitet hat.
Dies ist zweifellos ein hohes Verdienst der Dresdnerinnen und Dresdner, aber auch Ausdruck der großen Anteilnahme und Solidarität für die Beseitigung der Flutschäden von Bürgerinnen und Bürgern aus allen Teilen der Bundesrepublik und vieler anderer Länder.
Das Reisebusgeschehen trägt dabei einen nicht unerheblichen Anteil des Tourismusaufkommens in Dresden, denn:
- rund 10-12% der Touristen, die pro Jahr die Stadt Dresden besuchen, kommen mit dem Reisebus,
- in der Hauptreisesaison zwischen Mai und September bewegen sich täglich zwischen 75 und 90 Reisebusse in die Stadt,
- im Dezember sind es an den Adventswochenenden (Striezelmarkt) sogar bis zu 180 Reisebusse, die sich in der Stadt aufhalten.
Es ist selbstverständlich, dass die Stadt Dresden auch ihre Gäste, die mit dem Reisebus die Stadt besuchen, freundlich und aufgeschlossen empfängt und es auch den Reisebusfahrern und -unternehmen angenehm macht, Dresden als Zielort anzusteuern. Dabei soll vor allem das Reisebuspark/-leitsystem seinen Beitrag leisten.

Das Reisebuspark/-leitsystem hat seine wesentliche Aufgabe darin, Reisebusse ohne Umwegfahrten und möglichst unter Meidung sensibler Stadtbereiche zielgerichtet zu innerstädtischen Aus- und Einsteigeplätzen zu führen und sie dann zu in der Nähe befindlichen Abstellplätzen speziell für Reisebusse zu weisen.
Dabei sind durch eine geeignete Wahl von angebotenen Fahrtrouten die unvermeidbaren Emissionen auf Hauptverkehrsstraßen zu beschränken.
Ziel
ist es, die problematischen Suchfahrten von Reisebussen im Interesse der Touristen sowie des Dresdner Stadtverkehrs zu vermeiden, das Falschparken zu unterbinden und dabei gleichzeitig ein geordnetes, sicheres Aus- und Einsteigen für die Reisenden an touristischen Schwerpunktbereichen der Stadt zu gewährleisten.Um diese Zielstellungen mit einem adäquaten Standortkonzept für Reisebushalte-, -park- und -abstellplätzen untersetzen zu können und dabei die Interessen der Touristen bestmöglich zu berücksichtigen, wurden im Vorfeld der Konzeptentwicklung Workshops durchgeführt. So trafen sich im Zeitraum 2001/2002 Vertreter aus der Dresdner Tourismus- und Reisebusbranche, des Stadtrates, der Dresdner Gästeführer, der TU Dresden, des Freistaat Sachsen (Schlösserverwaltung), der Dresdner Verkehrsbetriebe AG und viele andere, um ein bedarfsorientiertes Standortkonzept auszuarbeiten.
Auf der Basis der zahlreichen Hinweise aus diesen Workshops wurde schließlich das Konzept entwickelt. Eine wichtige Anregung aus den Workshops war auch, ein besseres Bekanntmachen des Reisebuspark/-leitsystems zu gewährleisten. Die Hauptabteilung Mobilität erarbeitete deshalb ein Faltblatt, dessen Kernstück ein Plan mit allen eingetragenen Systemelementen des Reisebusparksystems sowie mit Toilettenstandorten ist.
Eingetragen sind auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und es ist eine Übersicht über Parkgebühren für Reisebusse beigefügt. Dieses Faltblatt erfreut sich mittlerweile über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus großer Beliebtheit und ist bereits in einer bestellten Auflagenhöhe von 10.000 Exemplaren erschienen.
Eine Neuauflage mit den inzwischen neu hinzugekommenen Reisebusparkplätzen befindet sich in Vorbereitung. Es ist in diesem Zusammenhang bereits ein schöner Erfolg, dass Dresden im Wettbewerb der Reisebusbranche im Jahre 2003 den zweiten Platz auf der Beliebtheitsskala erreicht hat.
Das System selbst besteht aus folgenden Bestandteilen:
Reisebushalteplätze
(Aus- und Einsteigeplätze)
zum (möglichst) unverzüglichen Aus- und Einsteigen für die Touristen in der Nähe touristisch interessanter Ziele. Die Aufenthaltsdauer des Busses soll hier 15 - 20 min nicht übersteigen und lediglich zum Absetzen und ggf. Aufnehmen von bereits vollständig versammelten Touristengruppen dienen.
Keinesfalls sind diese Plätze dafür vorgesehen oder geeignet, insbesondere beim Aufnehmen von Touristen, über längere Zeit hinweg auf »Nachzügler« zu warten und dadurch nachrückende Reisebusse zu behindern oder Busstaus zu verursachen.
Die Standortwahl dieser Plätze ist dabei so getroffen, dass einerseits zu den touristischen Sehenswürdigkeiten ein möglichst kurzer und attraktiver Fußweg angeboten werden kann, andererseits die haltenden Busse den anderweitigen, insbesondere fließenden Verkehr, nicht behindern und/oder nicht störend auf die Erlebbarkeit historischer städtebaulicher Ensemble wirken (beispielsweise Stören von Blickbeziehungen).
Reisebusterminals
sind Anfahrtspunkte für Touristenbusse mit Stellplätzen für Kurzzeitparken (Parkdauer sollte auf max. 30 min beschränkt sein), die zusätzlich zur Funktion des Entlassens und Aufnehmens von Touristengruppen einen touristischen Empfangsbereich anbieten. Dieser Empfangsbereich wird als eine Räumlichkeit (Pavillon, Einliegerräume innerhalb von in unmittelbarer Nähe befindlichen Gebäuden) verstanden, welche dem Empfang von Touristen dienen.
Reisebusparkplätze
werden innerhalb dieses Systems als kleinere Parkierungsmöglichkeiten verstanden, die Reisebusse im Stadtgebiet zum mehrstündigen (Parkdauerbegrenzung zwischen 2 und 3 Stunden), aber nicht ganztägigen Parken zur Verfügung stehen, an denen jedoch auch Touristen abgesetzt und wieder aufgenommen werden können.
Reisebusabstellplätze
verstehen sich im Unterschied zu den vorgenannten Reisebusparkplätzen als speziell für Touristenbusse vorgesehene Parkierungsflächen, welche die Fahrzeuge während ihres Tagesaufenthaltes (oder darüber hinaus) aufnehmen und einen Grundservice für Reisebusfahrer und im Touristenbus verbleibende Reisende anbieten.

Jedes dieser Systemelemente ist mit einem für die jeweilige Funktion effektiven Ausstattungsstandard versehen, der schrittweise und je nach finanzieller Situation der Stadt Dresden ergänzt werden kann.
Zum System gehören des Weiteren folgende Elemente:
Reisebusservicezentrum
wird verstanden als technischer Servicebereich für Reisebusse, der vor allem der technischen Wartung, dem Ausführen von Kleinreparaturen sowie auch der Betankung der Fahrzeuge (soweit dies nicht ohnehin an allgemein zugänglichen Tankstellen erfolgt oder erfolgen kann) dient.
Reisebusrouten und -leiteinrichtungen
verstehen sich im hier gebrauchten Zusammenhang als ausgeschilderte Fahrtrouten für Reisebusse (statisches Leitsystem) zum Reise-busterminal/-halteplatz bzw. vom Reisebusterminal/-halteplatz zum jeweils nächstgelegenem Buspark- bzw. -abstellplatz). Die Zuwegung zu den Terminals und Abstellanlagen erfolgt grundsätzlich über das Hauptverkehrsstraßennetz.
Das Reisebuspark/-leitsystem integriert ein:
- Standortkonzept, welches die räumliche Lage der Funktionselemente beschreibt,
- Funktionalkonzept, in welchem Grundzüge der vorwiegend verkehrsorganisatorischen Funktion erläutert werden,
- Maßnahmen- und Finanzierungskonzept, in welchem die zeitliche Abfolge der Umsetzung, differenziert nach Jahresscheiben aufgelistet wird.
- Standortkonzept (*.pdf, 704 KB)
Evaluierung des Reisebuspark-/-leitsystems im Jahre 2005
Im Jahre 2005 wurde eine Evaluierung des Dresdner Reisebuspark-/-leitsystems vorgenommen. Ziel war es, die Annahme bzw. Funktionsfähigkeit des Reisebuspark-/-leitsystems zu analysieren, Schwachstellen auszuloten und Maßnahmen zu deren Behebung sowie zur Weiterentwicklung des Systems festzulegen. Die Ergebnisse dieser umfangreichen Untersuchung, in welcher auch eine Befragung von Reisebusfahrern zum bestehenden Reisebuspark-/-leitsystem integriert war sind in einer Kurzfassung zusammengestellt worden.
- Kurzfassung (*.pdf, 869 KB)
City Trophy der International Road Union 2005 für das Dresdner Reisebuspark-/-leitsystem
Der internationale Dachverband des Transportgewerbes »International Road Union« hat die Landeshauptstadt Dresden im Jahre 2005 mit der so bezeichneten City Trophy 2005, einen europaweit ausgeschriebenen Preis für den effektiven Umgang mit Reisebussen, ausgezeichnet.
- Bericht (*.pdf, 66 KB)

