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Marit Neeb

„Aufgrund einer hohen Präsenz männlicher Künstler in Dresden und seinen Ausstellungshäusern (Stichwort: Albertinum) war es mir wichtig, eine Künstlerin zum Symposium und für ein ortsspezifisches Proposal einzuladen.

Ausschlagebend für die Wahl von Marit Neeb war, dass ihre skulpturalen und zeichnerischen Arbeiten sich vorwiegend mit Wandel, Widersprüchen und Wendeschleifen beschäftigen. Das immer wiederkehrende Thema in ihrem Werk ist der Wendepunkt, als einer Metapher für einen Moment, in dem sich laut Künstlerin „unsere Existenz entscheidend ändert oder wir beginnen, anders zu fühlen und zu denken. Der Wendepunkt verweist auf einen Zustand, in dem ein Ungleichgewicht der Kräfte eine dynamische Instabilität erzeugt, die tiefgreifende und teils unvorhersehbare Verhaltens- und Handlungsweisen auslösen kann. Er knüpft zudem an Vergangenes und Gegenwärtiges an.

Daher ist es hilfreich, dass Marit Neeb, Osterfahrungen (23.04.1971 in Potsdam-Babelsberg geboren) und insbesondere Musikerfahrungen mit Dresden verbindet. Ihre Bildung ist bis heute eine sehr klassische, so dass sie prädestiert ist, um Punkte oder Potentiale des Umschlagens in der Stadt Dresden, die nicht ohne Grund Elbflorenz genannt wird, aufzuspüren: „Ich beschäftige mich mit brüchigen Momenten, ihrer Distanziertheit von der Regel, ihrem Potential und mit Dingen, die im Übergang oder in Veränderung begriffen sind““

Dr. Petra Reichensperger über Marit Neeb


Projektentwurf für Dresden:

Length of time (‘s Uncertain Wing): 8 Phrase Rhythms for a bow, Composition 1


Length of time (‘s Uncertain Wing) _ Band aus Aluminiumblech, Stahlseil, Exzentermotor, Zugfeder, Mikrocontroller

Lenght of time (‘s Uncertain Wing) ist eine rhythmische Komposition für die flexible Struktur eines Bogens. Als Resonanzkörper hat der Bogen eine bestimmte Eigenfrequenz. Mithilfe eines Exzentermotors und einer Zugfeder wird er in unterschiedlich schwingende Bewegungsabläufe versetzt und erzeugt dabei Klänge.

Ein Band Aluminiumblech ist durch ein Stahldrahtseil zu einem elliptischen Bogen gespannt, der auf seinen beiden Endpunkten steht. Eine Seite des Bogens ist durch ein Scharnier fix im Boden verankert.

Ein an dieser Seite installierter Exzentermotor gibt dem Bogen, verbunden durch eine Zugfeder, Bewegungsimpulse und bringt ihn zum schwingen. Die Bewegungsabläufe werden durch einen Mikrocontroller gesteuert.

Zur Komposition der rhythmischen Phrasen wird die Drehgeschwindigkeit des Exzentermotors in zeitlicher Abhängigkeit eingestellt. Durch die Drehbewegung wird die Feder gestreckt und an dem Bogen gezogen. Nähert sich die Frequenz, mit der die Feder gestreckt wird, der Eigenfrequenz des Bogens, fängt dieser an zu schwingen. Dreht sich der Motor schneller bzw. langsamer ebbt die Schwingung wieder ab.

Auch die Materialität des Bogens unterliegt einer zeitlichen Veränderung. Aluminium oxidiert an seiner Oberfläche schnell und blüht im Verlauf der Zeit zunehmend unregelmäßig weiß aus.

Impuls, Energie und Resonanz bilden zeitliche Konfigurationen von Stimuli, die aufeinander folgende und aufeinander bezogene Rhythmen von Bewegung und Klang ergeben. Die achtteilige Komposition erstreckt sich über einen Zeitraum von 16 Monaten.

In ihren rhythmischen Bewegungsverläufen bezieht die dynamische Struktur den Betrachter fühlbar mit ein, da sie an seine körperlichen Bewegungsempfindungen anknüpft. Es entsteht ein Pas de deux zwischen Arbeit und Betrachter.

Entwurfsvisualisierung _ Lenght of Time (´s Uncertain Wing) in HELLERAU - europäisches Zentrum der Künste Dresden

Die zeitlich bestimmte Veränderlichkeit der rhythmischen Komposition entspricht einer grundlegenden Eigenschaft von Tanz, weil eine, im unmittelbaren Moment modellierbare Konstellation von Möglichkeiten geformt wird. Length of Time ('s Uncertain Wing) bezieht sich auf Geschichte, Gegenwart und Vision von HELLERAU, in dem es eine Brücke zwischen zeitgenössischem Tanz und bildender Kunst schlägt.

 

 

 

 

Ausbildung

2003 BFA Art and Media, Universität der Künste, Berlin

2001 Meisterschüler Fine Arts, Universität der Künste, Berlin

2000 BFA Fine Arts, Universität der Künste, Berlin

1989 Professional degree commercial art designer


Ausstellungsverzeichnis


Einzelausstellungen

2011 Inflection Point, Georg-Kolbe-Museum, Kunstkammer, Berlin
2009 Scope, movement with changing parts: Movement 1, Radialsystem V - NEW SPACE FOR THE ARTS BERLIN, Berlin
2006 One Plus 1, Studio Gitte Schäfer, Berlin
2003 The Mirror of Fiction, Institut für Zeitbasierte Medien, Universität der Künste, Berlin
2002 Off the Record, curated by Laura Schleussner, Galerie Rocketshop, Berlin
1998 Amor Omnia 2.0, curated by Bernhard Föll, Studiogalerie Haus am Lützowplatz, Berlin
1997 Amor Omnia 1.0, Kultur- und Technologie Zentrum Walther Rathenau, Berlin

Ausstellungsbeteiligungen

2010 "Thriller", curated by Xavier Mazzarol and Eric Stephany, Studio Mazzarol, Berlin"The Kindness of Cronies", presented by Home Work, Berlin
2009 "Salon Österreich", Kunstverein Aschersleben, Aschersleben"Salon Österreich", a project by Peter Lang, Nina Neuper & Fritz Schulenburg, Liechtensteinstraße 8, Wien"Cronies", curated by Sophie Erlund, Nathan Peter, Maeghan Reid, Home Work, Berlin
2008 "Kunstinvasion", curated by Andreas Broeckmann, Peter Lang, Christoph Tannert, Initiative Berliner Kunsthalle, Berlin"Von Heiner bis Müller", curated by Juliane Zelwies and Jana Linke, Labor K1, Berlin"Pierogi Flatfiling", curated by Joe Amrhein und Leif Magne Tangen, Artnews Projects, Berlin
2007 "Notes on Places", curated by Alanna Lockward and Leif Magne Tangen, Kunsthalle Lichtenberg, Berlin
2006 "Crossings", curated by Christina Linden, Viktoriaquartier, Berlin"Surveillances and Observations: Subjecting to the Objective", curated by Joe Amrhein, Christina Linden, Jason Starkie, Pierogi Leipzig, Leipzig"Nanotechnologie", Deutsches Museum, München
2005 "Spielen. Die Ausstellung", Deutsches Hygiene Museum, Dresden
2004 "Ständige Ausstellung", Deutsches Hygiene Museum, Dresden
2002 "Architektur-Identität-Fiktion", curated by Karlheinz Jeron, Deutsche Guggenheim, Berlin"Sounds", G7, Berlin"Nie getan!", curated by Miri Stübel, Staatsbank, Berlin
2001 "Boxen", Neue Galerie, Universität der Künste , Berlin"Die Vertreibung der Händler aus dem Tempel", Kunstfabrik am Flutgraben, Berlin"OTR-mono", 2yk Galerie, Berlin"Off the Record", Meisterschülerausstellung, Universität der Künste, Berlin
2000 "Turn, turn, turn", curated by Ralf Bartholomäus, Galerie Weißer Elefant, BerlinVacancy, Absolventenausstellung, Neue Galerie UdK, Berlin"Veni Vidi Video", Galerie Kunstfaktor, Berlin
1999 "Format 5.0", curated by convex.tv, Berlin"Schaustelle 4", Galerie Michael Schultz, Berlin"3. Festival Junger Experimenteller Kunst", Postfuhramt, Berlin
1998 "Schaustelle 3", Galerie Michael Schultz, Berlin"Bahnhofssignale", Bahnhof Zoologischer Garten, Berlin"Auge um Auge", Neue Galerie, Universität der Künste, Berlin

Stipendien

2002 - 2003 Scholarship Deutsche Bank, Public-Private Partnership Udk Berlin and Deutsche Bank

2005 - 2008 Studio Grant, Kulturwerk BBK Berlin GmbH

 

inflection point
Konzept für eine ortsbezogene Installation 2010
farbig-transparentes PVC, transparentes Acrylrohr
Modell 1:30

Portraits - MoM (Portraits Moon of Men)
2010
Acrylglas, Transparentpapier, lackiertes MDF, Aluminium, Neonröhren, Dimensionen variabel

open light
Bahnhof Zoologischer Garten Berlin 1998
Schwarzlicht, fluoreszierende Farbe, Dimensionen variabel



Bibliografie

Spielen. Zwischen Rausch und Regel
Stiftung Deutsches Hygiene Museum
Hatje Cantz Verlag
2005
Exhibition catalog Spielen. Die Ausstellung22.01. –31.10.2005
ISBN 3-7757-1565-7

Multi-Media-Kunst 1998-2003
Verlag der Universität der Künste
2005
Catalog Public-Private Partnership Universität der Künste Berlin und Deutsche Bank
ISBN 3-89462-120-6

Architektur-Identität-Fiktion
Verlag der Universität der Künste
2002
Exhibition catalog Architektur-Identität-Fiktion 19.11. –22.12.2002

Boxen
2001
Exhibition catalog Boxen 18.5. –27.05.2001

Bahnhofs-Signale
Universität der Künste & Deutsche Bahn AG
Verlag der Universität der Künste
1998
Exhibition catalog Bahnhofs-Signale01.01 – 30.01.1998
ISBN: 3-89462-058-7

undabdiePost1999
aktions galerie e.V.
1999
Exhibition catalog Festival undabdiePost1999, 3. Festival junger experimenteller Kunst
Postfuhramt Berlin
30.04. –19.05.1999

Auge um Auge
1997
Exhibition catalog
07.05. – 23.05.1997

Werkstatt Spiel + Bühne
1995
Verlag der Universität der Künste
ISBN 3-89462-043-9