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Dresdner Striezelmarkt 2011 - Markttreiben

Weihnachtliches Kunsthandwerk


Weihnachtsbaumschmuck aus Thüringen, Plauener Spitze, feingemusterte Stoffe der Lausitzer Blaufärber, Keramik aus dem schlesischen Teil Sachsens und die beliebten Holzschnitzereien aus dem Erzgebirge:


Der Dresdner Striezelmarkt ist ein Schaufenster traditioneller Volkskunst. Handgefertigte kunsthandwerkliche Erzeugnisse gibt es hier jedoch nicht nur zu kaufen. In den Pavillons der weihnachtlichen Schauwerkstätten können Besucher Handwerkskunst „live" erleben.

Hier schnitzen und drechseln Kunsthandwerker filigranen Weihnachtsschmuck der Erzgebirgischen Volkskunst. Außerdem lassen sich Stollenbäcker bei der traditionellen Zubereitung ihrer Leckereien über die Schulter schauen.

Ein Kunsthandwerker drechselt Weihnachtsschmuck der Erzgebirgischen Volkskunst in den weihnachtlichen Schaumwerkstatt

Kunsthandwerker in der Schauwerkstatt
Foto: LHD/Dittrich


Weihnachtliche Holzkunst


Holzfiguren aus dem Erzgebirge prägen seit Jahrhunderten den Dresdner Striezelmarkt. Was einst mit hölzernen Spanschachteln und einfachen Holzwaren begann, fand im 18. und 19. Jahrhundert mit Holzspielzeug seine Fortsetzung.

Schließlich gelangten mit der Herausbildung der »bürgerlichen Weihnacht« jene Holzfiguren, die Drechsler und Schnitzer nur zum Schmuck ihres eigenen Heimes angefertigt hatten, in die Weihnachtsstuben außerhalb des Erzgebirges.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand daraus eine ganze Palette kunstvoller Figuren, die von geschickten Holzspielzeugmachern bis heute in Handarbeit gefertigt werden.


Weihnachtliches aus Holz

Weihnachtspyramiden

Vorläufer der erzgebirgischen Pyramide waren statische, durch Stäbe gebildete, pyramidenförmige Weihnachtsgestelle, umwickelt mit Tannengrün. Die älteste erhaltene Stufenpyramide soll bereits 1780 entstanden sein.

Gemeinsam ist allen Pyramiden, dass durch die aufsteigende Wärme brennender Kerzen mittels eines Flügelrades eine Drehbewegung erzeugt wird, die dann ganze Weihnachtsgeschichten, Engel, Bergleute, Schäfer und andere typische Figuren der Weihnachtszeit an unseren Augen vorbeiziehen lässt.

Schwibbögen

Der Schwibbogen bringt die enge Verbindung der erzgebirgischen Volkskunst zum Bergbau zum Ausdruck. Er geht vermutlich auf eine am Stolleneingang aufgehängte Bergwerksleuchte zur Mettenschicht am Zechenheiligabend zurück. Zu dieser Mettenschicht schenkte der Bergschmied seiner Knappschaft einen Weihnachtsleuchter aus Eisen, der Schwibbogen genannt wurde.

Heute wird der Schwibbogen vorwiegend aus Holz gefertigt. Als Bogeninhalt gibt es eine Vielfalt figürlicher Darstellungen, die vom weihnachtlichen Krippenspiel über Bergmannsmotive bis hin zu Darstellungen vorweihnachtlichen Treibens reicht.

Der Nussknacker

Der »Vater« des erzgebirgischen Nussknackers war der Seiffener Wilhelm Friedrich Fürchtner. Er schuf 1870 den ersten gedrechselten Seiffener Nussknacker-König.

Für die Nussknacker ist charakteristisch, dass sie aus gedrechselten Teilen zusammengebaut werden, die überwiegend farbig bemalt sind. Dargestellt werden vorwiegend Gestalten aus der Obrigkeit wie Soldaten, Könige, Oberförster, Polizisten und Ritter, denen man Nüsse zum Knacken gibt.

Das Räuchermännchen

Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt eine weitere typische erzgebirgische Weihnachtsfigur - der Räuchermann. Er stellt, immer Pfeife rauchend, in einer schier endlosen Vielfalt an Motiven die gemütliche Seite des Lebens dar.

Der Grundkörper des Räuchermannes besteht aus einem hohlgedrechselten Körper, der nach unten offen ist und oben eine kleine Öffnung für den Rauchabzug hat. Die untere Öffnung wird mit einem Sockel verschlossen, auf dem das Räucherkerzchen steht. Um die Struktur des Holzes sichtbar zu machen, hat ein Großteil der Räuchermännchen eine naturbelassene Oberfläche bzw. ist nur farbig lasiert.

Weihnachtspyramide

Weihnachtspyramide

Schwibbogen

Schwibbogen

Nussknacker

Nussknacker

Räuchermännchen

Räuchermännchen





Gläserner Baumschmuck


Die Sitte des Schmückens von Christbäumen hat einen sehr alten Ursprung. Anfangs wurden Äpfel, Oblaten, vergoldete Nüsse und Zuckerwerk als Schmuckelemente benutzt. Die ersten geblasenen Christbaumkugeln entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es handelte sich um größere Perlen, die in Kettenform oder auch einzeln aufgehängt wurden.

Mit der Zeit und der Verbesserung der Herstellungsverfahren kamen immer neue Formen und Varianten hinzu. So entstanden zwischen 1870 und 1930 etwa 5.000 verschiedene Muster. Auch heute noch sind solche traditionellen Formen wie Vögel, Engel, Zapfen und Glocken neben den kunstvoll bemalten Kugelformen sehr beliebt.


Geschichte der Glasbläserkunst

Mitten im Thüringer Wald, unweit vom Rennsteig, liegt die Glasbläserstadt Lauscha. Dieses idyllische Städtchen wurde mit der erteilten Konzession zur Gründung einer Dorfglashütte bereits 1597 erstmals urkundlich erwähnt.

Die erste Glashütte von Hans Greiner und Christoph Müller war Ausgangspunkt der Entwicklung einer Glasindustrie im südöstlichen Thüringer Wald. Johann Adam Greiner brachte 1730 von seinen Geschäftsreisen an den Rhein erste Erkenntnisse über die Verarbeitung von Glas in Heimwerkstätten mit.

Daraufhin wurden zahlreiche Gebrauchsgegenstände, Spielzeug und Schmuckperlen in den Heimwerkstätten gefertigt. 1771 stellte sein Sohn erstmals vor der Lampe geblasene Perlen her. Man kann davon ausgehen, dass der erste Christbaumschmuck nach den gleichen Methoden wie die Glasperlen geblasen und auch verspiegelt wurde.
1870 wurde die gesundheitsschädigende Bleiverspiegelung abgelöst und durch das Liebigsche Versilberungsrezept mit Silbernitrat ersetzt.

Christbaumkugel aus Lauscha

Christbaumkugel aus Lauscha





Keramik


Töpferwaren aus Sachsen gehören seit Jahrhunderten zum Angebot des Striezelmarktes. Die Gefäße wurden in kleineren Werkstätten frei auf der Töpferscheibe gedreht, dann glasiert und gegebenenfalls bemalt beziehungsweise geschwämmelt und im Holz-, seit 1900 immer häufiger im Kohlenfeuer, gebrannt. Größere Betriebe verwandten seit den 20er Jahren auch Gießformen aus Gips.

Techniken

Die Oberlausitzer Keramik zeigt außen und innen eine kräftige umbrabraune Glasur, die durch Angießen mit und Eintauchen in Lehmbrei, der sogenannten Engobe, aufgebracht wird. Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Oberlausitz die Keramik »geschwämmelt«.

Bei dieser Technik werden Muster oder Fondflächen durch in Farbe getauchte kleine Schwammstücke auf die Gefäßoberfläche aufgetupt. Häufig besteht die Glasurfarbe aus Kobaltblau. Nach dem Brennen wirken die behandelten Stellen wie die Oberfläche eines Schwammes. Das bekannteste Muster dieser Art ist das Pfauenaugendekor. Hier wird neben Blau und Grün gelegentlich auch Gelb verwendet.

Bei den geschwämmelten Mustern gibt es zwischen Bunzlau und der Oberlausitz eine enge Verwandtschaft, da die Töpfereien beider Gebiete mindestens seit den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die gleichen, bereits geschnittenen, kreisförmigen, eckigen oder sternartigen Schwämme von der Firma Lücke in Königsbrück bezogen.

Töpferarbeiten

Töpferarbeiten

Töpferin bei der Arbeit

Töpferin bei der Arbeit



Muster und Dekore

Die älteren Keramiken aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigen mit dem Pinsel oder dem Malhörnchen aufgebrachte Pflanzen, Figuren, Wappen und Inschriften. Zierteller mit kupferoxidgrünen Blumen, Früchten und Tieren in Pinselmalerei auf weißer Zinnglasur entstanden zwischen 1650 und 1800 in Zittau.

Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen die Blumendekore in delikaten Farbtönen mit breitem Pinsel auf einer weißen Glasur - eine Bemalung, die als Spezialität der Oberlausitz gelten könnte.

Meistens sind die Blumen und Blätter wie in einem Kranz um die Gefäßwandungen zwischen blauen Bändereinfassungen gelegt. Es gibt aber auch Beispiele, bei denen bunte Blumenbuketts die Wandung fast vollständig überdecken.

Zahlreich erhalten sind auch die Pflaumenmußtöpfe mit Henkel und Ausguss, die wie Milchtöpfe aussehen und außerdem einen blauen Fond mit runden weißen Tupfen zeigen. Es gibt aber auch Varianten mit blauen Tupfen auf hellem Grund sowie kleinen braunen Tupfen auf weißlichem Fond.

Töpferkrug mit spezifischem Muster

Töpferkrug mit spezifischem Muster