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Pressetexte

07.06.2011

Robert Schumann und Dresden

In Dresden entstand ein Drittel des Gesamtwerks Schumanns

Fast jeder, der Klavierschüler war, hat Musiknoten mit seinen Fingern in Klänge umgewandelt, die von Robert Schumann stammen. Denn seine „Kinderszenen“ mit dem berühmten „Der fröhliche Landmann“ gehören weltweit zum Studienrepertoire aller Klavierschulen.

Allein 300.000 Klavierschüler gibt es in Deutschland, vier Millionen Bundesbürger haben in ihrem Leben das Klavierspiel gelernt. 30.000 Pianos werden in Europa gefertigt und gekauft. In China sind es sogar 240.000 Klaviere. Welche Verbreitung das Tasteninstrument hat, ist in einer Studie der Klavierfabrik Bechstein zu lesen, die im Internet veröffentlicht wurde.

Damit ist auch ein Stück Sächsischer und Dresdner Musikgeschichte weltweit verbreitet. Diesen Erfolg hätte sich Robert Schumann zu Beginn seiner Karriere kaum träumen lassen.

Am 8. Juni 1810 wurde er im sächsischen Zwickau geboren. Sein Geburtshaus inmitten der historischen Altstadt ist heute Museum. In Leipzig nahm er 1828 das Jurastudium auf und lernte dort den Klavierpädagogen Friedrich Wieck (1785 - 1873) kennen – eine Begegnung, die sein Leben bestimmen sollte. In Heidelberg führte er das Studium fort und entschloss sich nach einem Konzert des Teufelsgeigers Nicolò Paganinis in Frankfurt, Berufsmusiker zu werden.

So hängte er die Rechtswissenschaft an den Nagel und studierte ab 1831 Klavier bei Friedrich Wieck. Dieser hatte eine hübsche, damals 12-jährige Tochter. Clara war ein Wunderkind. Bereits mit neun Jahren hatte sie große Konzerte gegeben, mit elf führte sie eine Konzertreise erstmals nach Dresden.

Robert und Clara verliebten sich im Laufe der Jahre ineinander – sehr zum Verdruss des Vaters, der alles versuchte, die beiden zu trennen. Dennoch: am 12. September 1840 läuteten die Hochzeitsglocken.

1842 brachen die ersten Symptome von Schumanns Nervenkrankheit aus. So suchte er einen Ort, der ihm musikalisch mindestens genauso viel Anregung geben sollte wie Leipzig, der aber durch Stadtbild und Landschaft seiner zarten romantischen Seele gleichzeitig auch wohltuende Beruhigung spenden konnte. Hatte Schumann sich doch über Leipzig beschwert: „Die Natur – wo finde ich sie hier... Kein Tal, kein Berg, kein Wald, wo ich so recht meinen Gedanken nachhängen könnte“.

Ankunft in Dresden

Am 12. Dezember 1844 trafen Clara und Robert, zusammen mit ihren zu der Zeit noch zwei Kindern Marie und Elise in der Waisenhausstr. 7 in Dresden ein. Das Haus wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Heute ist hier eine Freifläche gegenüber dem Gebäude der Dresdner Bank. 1846 zog die Familie in die Reitbahnstraße um. Auch dieses Gebäude wurde 1945 zerstört. Heute breiten sich hier die Parkplätze der ibis-Hotels und der Fußgängerzone Prager Straße aus.

Der Schwiegervater Friedrich Wieck, den Schumann nur den „Alten“ nannte, hatte sich übrigens schon 1840 in Dresden niedergelassen, ebenso die jüngere Schwester Claras, Marie, ebenfalls eine namhafte Pianistin. Wieck bewohnte ein kleines Haus in Loschwitz, das die Schumanns mehrmals besuchten. Das weinumrankte Gebäude in der heutigen Friedrich-Wieck-Straße trägt eine Gedenktafel. Sein Grab auf dem Trinitatis-Friedhof trägt sein Medaillon-Bildnis.

Schnell hat Schumann auch gute Freunde gefunden, darunter die Witwe Carl Maria von Webers und den Dirigenten Ferdinand Hiller, den Arzt und Maler Carl Gustav Carus und viele andere Schriftsteller, Künstler und Schöngeister. In einem Brief an Mendelssohn vom 18. November 1845 schreibt er: „Wir kommen jetzt nämlich alle Wochen einmal zusammen - Bendemann, Rietschel, Hübner, Wagner, Hiller, Reinick -, da findet sich denn immer allerhand zum Erzählen oder Vorlesen, und es geht recht rege dabei her.

Fruchtbarste Zeit als Komponist

Seinen Alltag hat er in seinen Haushaltsbüchern akribisch notiert. So erfährt man von seinen Spaziergängen durch den Tharandter Wald oder zur Saloppe, Essen und Trinken auf dem Waldschlösschen, Besuchen von Opern und Konzerten -einige davon im Hotel de Saxe oder dem Belvedere auf der Brühlschen Terrasse.

Es wurde Schumanns fruchtbarste Zeit. Rund ein Drittel seines Gesamtwerks entstand hier: die heitere 2. Sinfonie C-Dur, die Oper „Genoveva", die „Szenen aus Goethes Faust", Kammermusikwerke und Chorlieder, sowie Hunderte von Liedern und Klavierstücken, darunter 1848 das „Album für die Jugend".

Das Autograph gehört heute zu den bedeutendsten musikalischen Schätzen des Buchmuseums der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Hier wird auch das sogenannte Schumann-Album aufbewahrt, das vorwiegend aus Familiendokumenten besteht.

Das berühmteste Werk brachte seine Frau Clara am 4. Dezember 1845 im Konzertsaal des Hotel de Saxe zur Uraufführung: das Klavierkonzert a-moll. Begleitet wurde sie vom Hillerschen Konzert-Orchester. Komposition und Aufführung erhielten hervorragende Kritiken. Da war Clara schon wieder schwanger. 

Das traditionsreiche Hotel de Saxe, das 1888 einem Postgebäude weichen musste, wurde als Hotel wieder aufgebaut und zum Schumannjahr 2006 wieder eröffnet. Weitere Konzerte gab er im Konzertsaal des Coselpalais. Auch dieser ist nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut worden.

Was die Karriere betraf, erfüllte Dresden Schumanns Erwartungen nicht. 1847 wirkte er kurzzeitig als Nachfolger Hillers als „Liedermeister" der Dresdner Liedertafel. Am 5. Januar 1848 gründete er den „Verein für Chorgesang", einer der Vorläufer der 1884 gegründeten Singakademie Dresden.

Flucht vor der Revolution in die Natur

Den ereignisreichen Revolutionszeiten im Sommer 1849 entfloh Schumann, der immer wieder unter dem Aufbrechen seiner Nervenkrankheit litt, in der ruhigen Umgebung im Süden Dresdens. Zunächst fand die Familie Zuflucht in Maxen. Das Rittergut der preußischen Majorsfamilie Serre (heute Caritas-Altenheim) zog schon den Dichter Hans Christian Andersen an. Später zogen die Schumanns weiter nach Kreischa, das noch heute als Kurort mit Ruhe ausstrahlt. Gegenüber dem Rathaus an einem romantischen Teich erinnert eine Büste an den Aufenthalt des Komponisten, der hier vor allem Lieder verfasste.

Schumann-Büste in Kreischa
Foto: Christoph Münch

Noch einmal versuchte Schumann, in Dresden Karriere zu machen. Als Richard Wagner aufgrund seiner Beteiligung an der Revolution Dresden verlassen musste und seine Stelle frei wurde, versuchte Schumann, Nachfolger zu werden. Doch Schumanns romantische Oper „Genoveva", die es bis heute nicht in das Repertoire der Opernhäuser geschafft hatte, überzeugte schon den damaligen Intendanten nicht, dass Schumann die Lücke Wagners schließen könnte.

Kurze Karriere in Düsseldorf / Tod in Bonn

So bewarb sich Schumann - enttäuscht von den „Philistern" - schließlich unter Vermittlung seines Freundes Hiller auf die Stelle des städtischen Musikdirektors in Düsseldorf. Am 1. September 1850 verließen Robert und Clara Schumann zusammen mit ihren mittlerweile vier Kindern die Stadt an der Elbe und zogen an den Rhein. Das Düsseldorfer Glück war kurz. Große Erfolge wechselten mit Streit und Intrigen, dazu kam die immer schwerer werdende Krankheit. 1854 trat Schumann von seinem Amt zurück und wurde in die Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn gebracht. Hier starb er am 28. Juli 1856.

Schumanns Erbe heute

Vier Jahre nach dem Weggang Schumanns erfüllte sich mit der Gründung des „Tonkünstlervereins" ein Wunsch des Komponisten: die Etablierung einer festen Konzertgesellschaft.

Der 1854 gegründete Dresdner Tonkünstler-Verein, dessen Ehrenmitglied Clara Schumann 1866 wurde, gilt als Vorläufer der heutigen "Kammermusik der Staatskapelle Dresden". Diese pflegt das Erbe Schumanns bis heute.

Im Stadtbild erinnert ein Denkmal am Zwingerteich hinter dem Opernrestaurant an den Komponisten, der mit seinen hier entstandenen Werken der Welt viele schöne Stunden klanglicher Erlebnisse hinterlassen hat.

Im Museum der Dresdner Romantik im Kügelgenhaus an der Hauptstraße in der Neustadt erinnert eine tafel an Schumanns Dresdner Zeit. Zudem zeigt ein Medaillon des in Pulsnitz geborenen Dresdner Bildhauers Ernst Rietschel Robert und Clara. Der berühmte Dresdner Sänger Peter Schreier veranstaltet zudem jedes Jahr eine kleine Konzertreihe im benachbarten Ort Kreischa, wo Schumann die Revolutionszeit verbrachte.

Dresden mit Clara Schumann erleben

Eine Zeitreise auf den Spuren der Schumanns in Dresden bietet der Veranstalter Compact Tours an. »Clara Schumann« führt auf Anfrage Gruppen im historischen Kostüm höchst persönlich durch die Stadt. Kleine Musikeinspielungen und Erlebnisberichte lassen dabei »Claras« Welt lebendig werden.

Stadttour »Clara in Dresden«, Foto: compact-tours.com

Immer wieder zog es Clara und Robert Schumann auch hinaus auf Land. Besonders gern waren sie im nahe gelegenen Maxen bei dem Rittergutsehepaar Serre zu Gast. Oder sie eroberten zu Fuß die Sächsische Schweiz. »Mit Clara Schumann durchs biedermeierliche Dresden« ist ein besonderer Stadtrundgang in originalgetreuem Kostüm auf den Spuren dieser besonderen Frau, auf Wunsch mit Ausflug nach Maxen und/oder in die Sächsische Schweiz.

Schumanns Erbe heute

Dem Erbe Schumanns fühlen sich viele Instiotutionen verpflichtet: von der Dresdner Philharmonie über Staatskapelle Dresden bis hin zur Frauenkirche und zahlreichen Chören, Pianisten und Kammermusikensembles.

Aktueller Veranstaltungskalender:

Bei Eingabe »Schumann« in der Stichwortsuche werden alle bekannten Aufführungen Schumannscher Musik aufgelistet.

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Stadttour »Clara« in Dresden, Foto: compact-tours.com

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