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Pressetexte

07.06.2011

Franz Liszt und Dresden

Zum 200. Geburtstag des Komponisten Europas größter Musikstar des 19. Jahrhunderts gab in Dresden zahlreiche Konzerte und erlebte eine heiße Affäre

Er gehörte zu den ersten internationalen Popstars der Musikgeschichte: Franz Liszt, dessen 200. Geburtstag die Musikwelt 2011 feiert. Im heutigen Burgenland geboren, tourte der Pianist durch ganz Europa und löste eine wahre »Lisztomanie« aus.

Auch Dresden spielte für Liszt eine wichtige Rolle. Erstmals besuchte Liszt Dresden 1840. Er erreichte die Stadt am Morgen des 14. März und checkte mit seinem Team im Hôtel de Saxe ein. Hier gab er zunächst zwei Privatkonzerte. Bei einem nahm auch der Dresdner Geiger Karl Lipinski teil, und beide spielten gemeinsam Beethovens Violinsonate. Die Konzerte dienten als Vorgeschmack auf das große öffentliche Konzert am 16. März.

Hier trat mit Liszt die gefeierte Dresdner Sopranistin Wilhelmine Schröder-Devrient auf. Zunächst gab Liszt alleine seine Opernfantasien über Meyerbeers »Hugenotten« und Donizettis »Lucia di Lammermoor« sowie den »Grand Galop Chromatique« zum Besten. Anschließend führten Liszt und Schröder-Devrient Schubert-Lieder auf. Das Publikum im Konzertsaal des Hotels de Saxe verfiel zunächst in eine Stille, bevor es in rasenden Applaus ausbrach.

Die Medien schrieben begeisterte Kritiken, so auch der damals noch in Leipzig ansässige Robert Schumann in seiner »Neuen Zeitschrift für Musik«. Schumann begleitete Liszt am nächsten Tag nach Leipzig - mit dem Zug auf der neuen, erst ein Jahr zuvor eingeweihten ersten Ferneisenbahnstrecke auf dem europäischen Kontinent. In Leipzig wurde er weniger warmherzig aufgenommen. Der Grund: »Liszt hat in Leipzig keine Freikarten zu seinem Concerte ausgegeben« – worauf Liszt im Dresdner Anzeiger eine entschuldigende Antwort veröffentlichte.

Am 25. März kehrte Liszt nach Dresden zurück, um dem sächsischen König seine Aufwartung zu machen. Am 26. März gab er ein Privatkonzert im Hause von Karl Krägen. Am 27. spielte er erneut im Saal des Hôtel de Saxe, wieder zusammen mit Lipinski und Wilhelmine Schröder-Devrient. Über die Benefiz-Matinee am 29. März ist wenig bekannt, nur, dass nicht sehr viel Geld erlöst wurde. Am 4., 9. und 11. Dezember 1841 gastierte Liszt erneut im Rahmen seiner Deutschland-Tournee in Dresden.

Am 21. Februar 1844 gastierte Liszt ein weiteres Mal in Dresden und machte von hier aus einen Abstecher nach Dessau. Hier lernte er Lola Montez kennen. Alles an diesem Star war falsch, vom Namen über ihre Herkunft, bis zu ihrer Ausbildung. Selbst ihr tänzerisches Können war mäßig. Nicht aber ihre erotische Ausstrahlung. Und so hatten sich hier schnell zwei Stars gefunden. Als Liszt am 25. Februar nach Dresden zurück kehrte, hatte er Lola Montez dabei und erlebte eine heiße Affäre mit ihr im Hôtel de Saxe. Natürlich gab er auch Konzerte: am 27. Februar im Hoftheater, der ersten Semperoper, und am 1. März im Konzertsaal des Hôtel de Saxe u.a. mit Werken von Frederic Chopin.

Angeblich durch Lola Montez lernte Liszt bei diesem Dresden-Besuch auch den Dresdner Dirigenten Hans von Bülow sowie Richard Wagner kennen. Liszts spätere Tochter Cosima war mit beiden verbandelt. Die Situation eskalierte. Zeitgenössische Klatschquellen besagten, Lola wurde auf Liszts viele anderen weiblichen Fans eifersüchtig und platzte, um ihn zu diskreditieren, in das offizielle Bankett des Sächsischen Königshauses zu Ehren von Liszt hinein. Sie sprang auf den Tisch, tanzte zwischen den Gedecken und schüttete Consommé in den Schoß eines Fürsten. Liszt, der um seinen Ruf fürchtete, soll Lola daraufhin nachts, als sie schlief, im gemeinsamen Hotelzimmer eingeschlossen haben.

An der Rezeption hinterließ er eine stattliche Summe für die Möbelstücke, die Lola Montez zertrümmern würde, wenn sie aufwachte. Andere Quellen wiederum besagen, Liszt habe der Montez sogar ein Empfehlungsschreiben mitgegeben, mit dem sie in Paris die Türen zur künstlerischen Gesellschaft öffnete.

Lola Montez erwähnt diese Affäre in ihren Memoiren nicht, auch wenn sie Dresden darin ein ganzes Kapitel widmet. Und sie ist voll des Lobes: »Dresdens Reichthum an Kunstschätzen hat mich ebenfalls überrascht, und ich habe nur eine deutsche Stadt gefunden, die sich mit Dresden in dieser Beziehung messen kann, nämlich München.« Zum Grünen Gewölbe schreibt sie »Man glaubt sich hier urplötzlich in den unterirdischen Wunderpalast einer mächtigen Fee versetzt. Alle diese Schätze kamen mir wie verzaubert vor, und ich selbst war wie bezaubert von dem Anblicke«. Zurück zu Liszt, der 1848 sein Amt als ordentlicher Kapellmeister in Weimar antrat. Von hier aus besucht er Dresden nochmals, vor allem um Richard Wagner zu treffen. Als Wagner wegen seiner Teilnahme an der Revolution von 1849 Sachsen verlassen muss, hal ihm Liszt bei der Flucht – und brachte in Weimar die eigentlich für Dresden geplante Oper »Lohengrin« zur Uraufführung.

Am 7. November 1857 dirigierte Franz Liszt die Dresdner Hofkapelle, die heutige Staatskapelle, bei der Uraufführung seiner Dante-Symphonie. Liszt hatte mit der Komposition des Werkes direkt nach der Beendigung der Graner Festmesse im Mai und Juni 1855 begonnen. Die Aufführung im Hoftheater, dem ersten Semperbau, stieß beim Publikum auf Unverständnis. Die Kapelle aber blieb Liszt verbunden: der Tonkünstlerverein, Vörläufer der Kammermusik der Staatskapelle Dresden, ehrte den Meister mit der Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit.

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Christoph Münch

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Franz Liszt

Franz Liszt 1847t in einem Gemälde von Miklos Barabas.
Quelle: http://commons.wikimedia.org (The original painting and its reproduction are in the public domain).