Pressetexte
07.06.2011
Johann Sebastian Bach und Dresden
Auf den Spuren des großen Barockmeisters
„Nicht Bach, Meer sollte er heißen", soll Beethoven begeistert ausgerufen haben. Max Reger sah in ihm „Anfang und Ende aller Musik". Und Goethe empfand beim Lauschen von Bachs Orgelwerken „als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte". Das Werk von Johann Sebastian Bach hat die meisten Musiker und Künstler nach ihm beeindruckt, wenn nicht gar stark beeinflußt. Zahlreiche Kompositionen hat er hinterlassen: Kantaten, Oratorien und Passionen, Orchester-, Orgel- und Klavierwerke.
Viele Wege führen zu Bach. Nicht nur zum Werk, sondern auch in die Landschaft, wo Bachs musikalische Vorfahren für ihn den Boden bereiteten. Hier, in der Mitte Deutschlands, sammelte er seine Anregungen und entwickelte sich zum wohl bedeutendsten Komponisten aller Zeiten. Die Orte und Städte, in denen Bach studierte, arbeitete oder konzertierte, zeigen stolz das Erbe.
In Eisenach wird Johann Sebastian Bach am 21. März 1685 geboren. In Ohrdruf, Lüneburg, Hamburg und Celle bildet er sich weiter und erhält nach kurzem Engagement in Weimar eine Organistenstelle in Arnstadt. Es folgen weitere Stellen- und Ortswechsel wie Mühlhausen 1707, Weimar 1708 und Köthen 1717.
Bach reist von Köthen aus erstmals nach Dresden, um den französischen Orgelspieler und Komponisten Louis Marchand zu hören. Ein Dresdner Minister versucht diesen Besuch in einen -damals beliebten- musikalischen Wettstreit zwischen Bach und Marchand umzumünzen. Doch Marchand verläßt fluchtartig die Stadt, nachdem er Bach heimlich beim Üben belauscht und dessen Qualitäten erkannt hat.
Als in Leipzig die Stelle des Thomaskantors ausgeschrieben wird, zögert Bach: zwei verschiedene Gremien als Chef, keine Möglichkeit für seine Frau, als Sängerin aufzutreten, ein niedriges Grundgehalt und wechselnde Zusatzeinnahmen. Die Leipziger wiederum wollen eigentlich Georg Philipp Telemann. Der lehnt ab. Und so wird Bach am 1. Juni 1723 feierlich in sein Amt eingeführt.
Ein Traumjob ist es nicht. Die Bach-Familie wohnt in der Thomasschule, Wand an Wand zu den Klassenzimmern mit den lärmenden Kindern. Einmal im Monat muß Bach sogar die Aufsicht für die Schüler führen. Zudem hat er die Pflicht, jeden Sonntag eine Kantate für die bis zu vierstündigen Gottesdienste in der Thomas- oder Nikolaikirche zu komponieren. Dem Leipziger Stadtrat sind Bachs Kantaten zu opernhaft. Immer wieder gibt es Spannungen. 1730 antwortet Bach darauf mit einem Memorandum, in dem er die schlechten Arbeitsbedingungen beklagt und diese mit den guten in Dresden vergleicht „wie da selbst von Königlicher Majestät die Musici salarieret werden".
Bach zieht es daher an den Sächsischen Hof: 1731 reist er nach Dresden. Er gibt ein Konzert in der 1964 abgerissenen Sophienkirche. Dort wird er sicherlich auch den um 1370 gegründeten Dresdner Kreuzchor kennengelernt haben, der bis heute das musikalische Erbe Bachs pflegt.
Dem Ziel, in Dresden zu wirken, kommt Bach allerdings nicht näher. Denn Dresden hat sich in der Zwischenzeit zur Hauptstadt des italienischen Musiktheaters entwickelt. Und Johann Adolf Hasse hat den Auftrag erhalten, für die Einweihung des neuen Opernhauses am Zwinger die italienische Festoper zu schreiben. „Da wollen wir mal die Dresdner Liedchen hören", soll Bach zu seinem Sohn vor der Premiere gesagt haben. Und die italienische Oper ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil im Repertoire der Sächsischen Staatsoper Dresden.
Hasse hat noch keinen festen Vertrag, als August der Starke 1733 stirbt. Und so versucht Bach alles, den musikliebenden Thronfolger August III. zu begeistern, um doch noch Hofkomponist in Dresden zu werden. Mit Kantaten wie „Preise Dein Glücke, gesegnetes Sachsen" schmeichelt sich Bach ins Ohr des Herrschers. Als überzeugter Protestant komponiert er für August III. sogar eine katholische Messe.
1733 überreicht Bach als „unterthänigst- gehorsamer Knecht" die ersten Teile der „Hohen Messe h-moll", in der er seine ganze Kunst zusammenfaßt. Sie wird heute in der Dresdner Landes- und Hochschulbibliothek aufbewahrt. Der Landesherr lässt sich mit der Antwort fürstlich Zeit. Erst gut drei Jahre später verleiht er dem Komponisten „umb seiner guten Geschicklichkeit willen" den gewünschten Titel. Den Wettstreit um den Job hat er da schon verloren. Die entsprechende Anstellung hatte Augustus III. 1734 schon Hasse verschafft.
Als Orgelfachmann ist Bach erfolgreicher. Kurz nach Fertigstellung der Silbermann-Orgel in der neuen Dresdner Frauenkirche gibt er hier am 1. Dezember 1736 ein viel beachtetes Konzert. Die Silbermann-Orgel ist übrigens im Zuge des Wiederaufbaus der Frauenkirche in äußerer Form so wieder erstanden, wie sie Bach kennen gelernt hat. Das letzte und größte Meisterwerk seines Freundes Gottfried Silbermann, die Orgel in der Dresdner Hofkirche (heute Kathedrale), erlebt der Barockmeister allerdings nicht mehr. Sie wird erst 1751 geweiht.
1747 konzertiert Bach in Berlin und Potsdam. Weitere Reisen führen Bach u.a. erneut nach Dresden (1744). 1749 beginnt der 64jährige Bach, all seine Kunstfertigkeit in der für ihn wichtigsten Form zusammenzufassen und komponiert „Die Kunst der Fuge". Während seine Söhne bereits den „galanten Stil" der Vorklassik vertreten, ist Bach in seinen letzten Lebensjahren ein Monument der barocken Musikkunst geworden.
Was Bach auf musikalischem Gebiet gelingt, die Schaffung einer deutschen Barockmusik aus der Synthese italienischer und französischer Einflüsse, das schafft gleichzeitig der Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann mit dem Dresdner Zwinger: der Höhepunkt einer europäischen Kunstepoche.
Heute ist der Zwinger Ort lebendiger Musikpflege, so beispielsweise zu den Dresdner Musikfestspielen, die alljährlich zwischen Mai und Juni dort glanzvolle Konzerte veranstalten, oder im Sommer, wenn dort die Landesbühnen Sachsen fast täglich Serenadenkonzerte anbieten.
Am 28. Juli 1750 stirbt Bach. Sein letztes Werk, der Choral „Vor deinen Thron tret ich hiermit" bricht in der Mitte ab, bleibt unvollendet.
„Soli Deo Gloria - Nur Gott gebührt der Ruhm" unterzeichnete Bach den Großteil seiner Kompositionen. Die Abkürzung dieses Mottos „SDG" ziert auch die Gloriole des Altars der Frauenkirche der die neue Daniel-Kern-Orgel trägt, auf der Bachs Orgelwerk immer wieder zu hören ist. Damit würdigt Dresden den großen Meister, der am beginn der Musikgeschichte der Dresdner Frauenkirche steht, die nach 60-jähriger Unterbrechung das Dresdner Musikleben bereichert.
(Christoph Münch)
Informationen zum Bach-Zyklus gibt es in Form einer Broschüre der Stiftung Frauenkirche bzw. online unter www.frauenkirche-dresden.de
Den Online-Veranstaltungskalender Dresden finden Sie im Internet unter www.dresden.de/veranstaltungen
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Johann Sebastian Bach (1685-1750) wirkte auch in Dresden.
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