Pressetexte
01.06.2011
Friedrich Schiller und Dresden
Der deutsche Dichter schrieb in Dresden seinen „Don Carlos"
„Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, wir betreten feuertrunken, Himmlische, Dein Heiligtum. Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt, alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt."
Dieser Text von Friedrich Schiller (10.11.1759 - 9.5.1805) ging und geht noch immer um die Welt. Ludwig van Beethoven hat die Ode „An die Freude" unsterblich gemacht, indem er sie im Schlusssatz seiner 9. Sinfonie vertonte. So wurden Schillers Verse Grundlage der Europa-Hymne und weltweiter Ausdruck des Humanismus.Der Ort, den Schiller zu diesem dichterischen Meisterwerk inspirierte, ist ein kleiner, unscheinbarer Pavillon in Loschwitz, einem der Villenvororte Dresdens, der bis heute bevorzugte Wohngegend von Künstlern ist.
Hier, in das sogenannte „Schillerhäuschen" zog sich der Dichter zurück, um in Muße zu schreiben. Damals war es noch umgeben von Weinbergen und bot einen herrlichen Blick auf die Elbe und das Sommerhaus von Schillers Freund Christian Körner. Heute begrenzt der gelbe, fast quadratische Pavillon mit seinem charakteristischen Dach eine weitläufige private Parkanlage mit hohen Bäumen zur Schillerstraße. Gegenüber, eingelassen in eine historische Stützmauer, erinnert ein Relief von O. Rassau an die fruchtbare Begegnung zwischen Schiller und Körner.
Im Schillerhäuschen selbst ist eine kleine Gedenkstätte eingerichtet, die an die beiden Dresdner Jahre des Dichters von 1785 bis 1787 erinnert. Von Ostern bis Ende September ist sie in der Regel jeweils an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet.Geboren wurde Schiller am 10. November 1759 im schwäbischen Marbach. Nach unglücklicher Jugend in der strengen „militärischen Pflanzschule" des württembergischen Herzogs und Zwangsstudium der Medizin, flüchtete er nach Mannheim, nachdem ihm dieser das „Komödienschreiben" verboten hatte.
In Mannheim konnte Schiller zwar mit großem Erfolg seine „Räuber" uraufführen, doch war er getrieben von fehlender beruflicher Perspektive, finanziellen Problemen und politischem Druck aus Stuttgart. Da erhielt er einen Brief aus Leipzig, in dem der aus Dresden stammende Christian Gottfried Körner (1756-1831), den Vater des Freiheitsdichters Theodor Körner, und drei andere Literaturbegeisterte, Schiller nach Sachsen einluden.
Exil im Weinberg
„Wenn ich mir denke, dass in der Welt vielleicht mehr solche Zirkel sind, die mich unbekannt lieben und sich freuen, mich zu kennen, dass vielleicht in hundert oder mehr Jahren - wenn auch mein Staub schon lange verweht ist, man mein Andenken segnet und mir noch im Grabe Tränen und Bewunderung zollt - dann, meine Teuerste, freue ich mich meines Dichterberufes und versöhne mich mit Gott und meinem oft harten Verhängnis", freut sich Schiller in einem Brief an eine Freundin.
Nach kurzem Aufenthalt in Gohlis bei Leipzig zog Schiller am 11. September 1785 nach Dresden. Nur kurz war der Aufenthalt in Körners Haus in der Dresdner Neustadt, schon ging es weiter nach Loschwitz. „Die Elbe bildet eine romantische Natur um sich her, und eine schwere Aehnlichkeit dieser Gegend mit dem Tummelplatz meiner frühen dichterischen Kindheit macht mir sie dreifach theuer. Meißen, Dresden und seine Gegenden gleichen ganz in die Familie meiner vaterländischen Fluren."
Begeistert schildert er in einem Brief am 13. September 1785 sein neues Quartier: „Was bisher meine heißesten Wünsche erzielten, hab ich nun endlich erlangt. Ich bin hier im Schooße unserer lieben, aufgehoben wie im Himmel [...] Abends gegen fünf fuhren wir nach dem Weinberge, unterwegs fand ich die himmlischste Gegend [...]. Am Fuße des Berges liegt das Wohnhauß [...]. Am Hauß ist ein niedlicher kleiner Garten und oben auf der Höhe des Weinbergs steht noch ein artiges Gartenhäußchen. Die Aussicht von diesem und der Untergang der Sonne soll ganz zum Entzücken seyn. Alles hier herum wimmelt von Weinbergen, Landhäußchen und Gütern.".
Eine Fast-Liebesgeschichte
Schiller schrieb hier in Loschwitz nicht nur seinen Hymnus „An die Freude", sondern auch an seinem „Don Carlos", den er in Dresden vollendete. Abwechslung und Inspiration suchte Schiller, indem er mit der Fähre (das alte Fährhaus unterhalb der historischen Eisenbrücke „Blaues Wunder" steht noch heute) über die Elbe ins gegenüberliegende Blasewitz übersetzte. Hier kehrte er öfters in eine bereits 1683 als „kurfürstliche Schenke" erwähnte Gastwirtschaft ein, wo er sich angeblich in die hübsche Wirtstochter Johanna Justine Renner verliebte. Doch diese erwiderte diese Liebe nicht. Dennoch setzte ihr Schiller noch mehr als zehn Jahre später ein literarisches Denkmal in seinem Drama „Wallensteins Lager". Dort lässt sie Schiller als Marketenderin auftreten und den ersten Jäger ausrufen: "Was? Der Blitz! Das ist ja die Gustel aus Blasewitz!".
Noch heute steht die Gustl von Blasewitz als Sandsteinstatue im Giebelfeld des ehemaligen Rathauses, heute Ortsamt Blasewitz. Und wo Schiller einst den Dresdner Wein und frisches Bier genoss, steht seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Gasthaus im Fachwerkstil mit großem Biergarten, das schon bald nach Schillers Tod dessen Namen und 1859 einen Gedenkstein erhielt. Der „Schillergarten", von der Flut im August 2002 stark in Mitleidenschaft gezogen, öffnet - komplett saniert und unter neuer Leitung- wieder im September 2004.
Ende Oktober 1785 zog Schiller in eine kleine Wohnung neben dem Körnerschen Stadthaus am damaligen Kohlenmarkt, dem heutigen Palaisplatz. An das im zweiten Weltkrieg zerstörte Stadthaus Körners erinnert eine Gedenktafel, die an die Mauer zwischen Japanischem Palais und dem Hotel Bellevue angebracht ist. Dass die Dresdner Neustadt besonders stolz auf Schiller ist, wird an der Königstraße / Ecke Jorge-Gomandai-Platz deutlich. Hier steht ein Jugendstildenkmal für Schiller. Fast göttlich erhebt sich hier der Dichterfürst, 1914 von Selmar Werner in weißem Marmor gestaltet, über einem Rondell, in das als Relief Szenen aus Schillers Werken eingearbeitet sind.Ein weiteres Schillerdenkmal findet sich in Dresden an noch prominenterer Stelle. Er flankiert - gemeinsam mit Goethe - den Haupteingang der Semperoper. Geschaffen hat dieses Denkmal 1838-41 der Dresdner Bildhauer Ernst Rietschel, der ein Jahr vor Schillers Tod geboren wurde.
Schuf hier Rietschel die beiden noch als einzelne, aber aufeinander bezogene Bildnisse, so hat er sie in seinem berühmten Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Nationaltheater Weimar Hand in Hand, brüderlich verbunden, dargestellt.
Auch wenn Schiller der behäbigen Mentalität der Bewohner der Residenzstadt Dresden nicht viel Gutes abgewinnen konnte, so zeigte er sich von den Kunstschätzen wie von der Gastfreundschaft der Familie Körner und den Gesprächen mit dem Körnerschen Freundeskreis begeistert. Hier lernte er den aus der Schweiz kommenden Dresdner Hofmaler Anton Graff kennen, der ihn 1785 porträtierte. Die Zeichnung hängt heute im Museum zur Dresdner Romantik im Kügelgenhaus.
Diese Freundschaft hielt auch nach Schillers Abreise nach Weimar am 20. Juli 1787 bis an sein Lebensende. Und so besuchte Schiller Dresden von Mitte April bis 13. Mai 1792 erneut - diesmal mit seiner Frau - und ein letzte Mal vom 9. August bis 15. September 1801. Der Briefwechsel Schillers mit Körner in Dresden gehört zu den wichtigsten Quellen zu Schillers Leben, Denken und Fühlen.

Schillerdenkmal an der Semperoper von Ernst Rietschei
Foto: Christoph Münch

Das Schillerhäuschen in der Schillerstraße
Foto: Christoph Münch
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Jungendstildenkmal für Friedrich Schiller am Dresdner Albertplatz - 1914 vom Selmar Werner in weißen Mamor gestaltet.
Foto: Christoph Münch

Büste von Friedrich Schiller in der Gedenkstätte Schillerhäuschen in Dresden Loschwitz
Foto: Christoph Münch
