Pressetexte
01.06.2011
Goethe und Dresden
Goethe bereiste Dresden mehrfach als Kunsttourist
„Dresden hat mir große Freude gemacht und meine Lust, an Kunst zu denken, wieder belebt. Es ist ein unglaublicher Schatz aller Art an diesem schönen Orte“, schrieb Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) nach einem seiner Besuche 1790 in Dresden begeistert. Insgesamt sieben Mal bereiste der Dichter die Stadt an der Elbe als einer der ersten und berühmtesten Kulturtouristen.
Als Goethe Dresden als 19jähriger Student zum ersten Mal besuchte, wohnte er bei dem Schuhmacher Johann Gottfried Haucke in der Dresdner Friedrichstadt. Eine Gedenktafel am Haus Friedrichstraße 5 erinnert an Goethe. Auch in der Umgebung sind noch zahlreiche Gebäude so erhalten, wie sie Goethe erlebte, so das barocke Marcolini- Palais, das heute als Krankenhaus genutzt wird, und in dessen Park der großartige Neptunbrunnen von 1744 einen Besuch lohnt.
Goethe als Kulturtourist
"Die wenigen Tage meines Aufenthaltes in Dresden waren allein der Gemäldegalerie gewidmet" erinnert sich Goethe in seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit". Mit Ungeduld erwartete er die Öffnung des "Heiligtums", das damals noch im Johanneum untergebracht war. Heute zeigt hier das Verkehrsmuseum Transportmittel aller Art vom Pferdefuhrwerk bis zum Auto.
Während seiner Reise von Weimar nach Reichenbach / Schlesien im Jahr 1790 machte Goethe drei Tage in Dresden Station. Dabei besuchte er auch Christian Gottfried Körner auf dessen Weinberg in Loschwitz. Körner galt als Freund der Dichtkunst. Fünf Jahre zuvor hatte Körner Friedrich Schiller mehrere Monate lang in seinem Stadthaus und in seinem Loschwitzer Haus beherbergt. Im noch erhaltenen Gartenhäuschen (heute Schiller-Gedenkstätte) schrieb Schiller seinen "Don Carlos". Körners 1791 geborener Sohn Theodor wurde ebenfalls Dichter und starb als junger Soldat in den Freiheitskriegen 1813.
Auf dem Rückweg nach Weimar übernachtete Goethe wieder in Dresden, diesmal über eine Woche lang im Gasthof "Drei Goldene Palmzweige". Das Hotel am heutigen Palaisplatz 12 wurde 1945 zerstört, die es umgebenden barocken Bürgerhäuser und das japanische Palais sind aber noch so erhalten, wie sie Goethe erlebte. An ihn erinnert dort zudem eine Gedenktafel. Zum vierten Mal weilte Goethe vom 3. bis 11. August 1794 mit Herzog Carl August von Sachsen- Weimar in der Stadt. Wieder zog es ihn in die Gemäldegalerie.
Auf der Suche nach der Urpflanze
In der Ostra-Allee, wo unweit des Dresdner Zwingers eine Sandsteinruine an die Orangerie des "Herzoginnen Gartens" erinnert, begab sich Goethe -wie auch in Italien- auf die Suche nach der Urpflanze. In seinen Erinnerungen schreibt er: "Der bejahrte Dresdner Hofgärtner J. H. Seidel zeigte mir auf Anfrage und Verlangen verschiedene Pflanzen vor, die mir wegen deutlicher Manifestation der Metamorphose aus Nachbildungen merkwürdig geworden."
Heute sind viele Pflanzenarten, die Goethe untersuchte, im botanischen Garten am Straßburger Platz zu bewundern. Aber auch der Schloßpark in Pillnitz kann mit zahlreichen botanischen Raritäten aufwarten.
1810 wohnte Goethe längere Zeit im "Goldenen Engel", das bis zu seinem Abriss 1930 zu den renommiertesten Dresdner Hotels zählte. Heute durchzieht hier die Wilsdruffer Straße die Stadt.
Zu Gast bei Kügelgens
Mehrfach war Goethe bei dem Maler Gerhard von Kügelgen (1772-1820) zu Gast. Kügelgen bezog 1808 das zweite Stockwerk eines barocken Bürgerhauses in der Dresdner Hauptstraße und richtete dort auch sein Atelier ein, das heute den stimmungsvollen Mittelpunkt des Museums der Dresdner Romantik bildet. Auch an Goethe wird hier mehrfach erinnert. Hier saß Goethe dem Maler auch Modell für ein Porträt.
Vom Fenster des Kügelgenhauses erlebte Goethe am 24. April 1813 den Einzug des Kaisers Alexander von Rußland und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. Diese Begebenheit schildert auch Kügelgens Sohn Wilhelm (1802-1867) in seinen berühmt gewordenen "Jugenderinnerungen eines alten Mannes". Goethe sei "am Morgen des Einzugs der Monarchen ganz zutraulich bei uns eingetreten" und habe die Mutter gefragt, ob er bleiben dürfe, "um aus ihren Fenstern und vom Straßengedränge unbelästigt den erwarteten Einzug mit anzusehen. Er werde in keiner Weise stören, hatte er hinzugesetzt, wolle sich ganz still verhalten und bitte, keinerlei Notiz von ihm zu nehmen".
Wieder zog Goethe in die Gemäldegalerie, in der er in der niederländischen Abteilung "viele köstliche Dinge, die ich niemals gemerkt hatte", entdeckte. Mit dem kleinen Wilhelm von Kügelgen besucht er die Rüstkammer, durchstöberte das Kupferstichkabinett und besuchte die Oper. Mozarts "Cosí fan tutte" schien ihn aber eher zu langweilen: "Als die Liebhaber sich ins Schiff setzten, flüchtete ich auch".

Raffaels Sixtinische Madonna mit den berühmten Engeln hatten es Goethe besonders angetan
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Christoph Münch
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