Pressetexte
01.06.2011
Mit Erich Kästner durch die Dresdner Neustadt
Dresden- Besucher können heute die Kindheitserinnerungen Kästners an Originalschauplätzen nachvollziehen
„Wenn es zutreffen sollte, daß ich nicht nur weiß, was schlimm und hässlich, sondern auch, was schön ist, so verdanke ich diese Gabe dem Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein" - schwärmte der 58-jährige Erich Kästner in seinen Kindheitserinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war". Mit großer Liebe zum Detail beschreibt Kästner darin seine Kindheit in der Dresdner Neustadt. Und so bietet sich dieses Buch als Leitfaden an, das im Krieg unzerstörte Gründerzeitviertel zu entdecken.
Am 23. Februar 1899 wurde der Dichter in der Dresdner Neustadt geboren. An seinem Geburtshaus, der Königsbrücker Straße 66, erinnert heute eine Gedenktafel an den großen Sohn der Stadt. Auch in den Häusern Nr. 48 und 38 wohnte der junge Kästner. Und so schrieb er später: „ich selber bin, was sonst ich auch wurde, eines immer geblieben: ein Kind der Königsbrücker Straße. Dieser merkwürdig dreigeteilten Straße mit ihren Vorgärten am Anfang, ihren Mietshäusern in der Mitte und ihren Kasernen, dem Arsenal und dem Heller, dem sandigen Exerzierplatz, am Ende der Stadt."
"Kind der Königsbrücker Straße"
Heute verbindet die Königsbrücker Straße die Dresdner Innenstadt mit dem Flughafen und ist mit zwei Straßenbahnlinien wichtige Verkehrsader. Die vier bis fünfstöckigen Gründerzeithäuser mit ihren teilweise prächtigen Fassaden prägen noch immer das Bild der Straße. Im oberen Teil hat sie zudem ihren Alleencharakter bewahrt.
In die ehemaligen Kasernen der Albertstadt, dem größten erhaltenen Garnisonsviertel Deutschlands sind u.a. das Militärhistorische Museum der Bundeswehr und das Landesfunkhaus des Mitteldeutschen Rundfunks eingezogen. In der ehemaligen Heeresbäckerei steht das Dresdner Stadtarchiv - Deutschlands modernster Archivbau.
Vieles hat sich seit Kästners Zeiten in der Dresdner Neustadt verändert, doch einiges ist heute noch zu entdecken, so der Schulweg des Jungen. „Die 4. Bürgerschule in der Tieckstraße, unweit der Elbe, war ein vornehm düsteres Gebäude mit einem Portal für Mädchen und einem für die Knaben", erinnert sich der Dichter. Auch den Blumenladen der „klitzekleinen Frau Stamnitz" in der Louisenstraße gibt es noch heute.
An der Stelle der „Restauration >Sibyllenort>, Ecke Jordanstraße", in der Kästner Bier für Mutters Einstandfest als Friseuse kaufte, ist heute ein asiatischer Schnellimbiss.
Kästner Museum am Albertplatz
Viel Zeit verbrachte Kästner im Haus seines Onkels Franz Augustin Antonstraße 1: „Es handelte sich um eine zweistöckige, geräumige Villa mit einem schattigen Garten, der fast ein Park war und mit der Schmalseite an den Albertplatz grenzte. An diesen geschäftigen Platz mit dem Theater und seinen zwei großen Springbrunnen, die >Stilles Wasser< und >Stürmische Wogen< hießen."
Die Brunnen rauschen heute wieder, das Alberttheater hat die Kriegszerstörungen nicht überstanden. Doch an Kästners Beschreibung des Platzes hat sich bis heute nichts geändert. „Am liebsten hockte ich dann auf der Gartenmauer und schaute dem Leben und Treiben auf dem Albertplatz zu. Die Straßenbahnen, die nach der Altstadt, nach dem Weißen Hirsch, nach dem Neustädter Bahnhof und nach Klotzsche und Hellerau fuhren hielten dicht vor meinen Augen, als täten sie's mir zuliebe."
Ein Bronzedenkmal des ungarischen Dresdner Künstlers Matias Varga zeigt den jungen Kästner spitzbübisch und fröhlich auf der Mauer sitzend.
Die Villa Augustin beherbergt heute im Erdgeschoss das Erich-Kästner-Museum. Im Mittelpunkt steht das „Mikro-Museum", eine interaktive Kabine, in welcher der Besucher durch Leben und Werk Kästners „surfen" kann.
Und noch ein Denkmal
An Kästner erinnert am Albertplatz, Ecke Alaunstraße auch eine Bronzestele. 37 Bücher liegen unter dem Hut des Kästner- Denkmals und noch zwei daneben, all die Werke, die er geschaffen hat.
In der Pulsnitzer Straße hat der Veranstalter „igeltour - Dresdens andere Stadtführung" seinen Sitz. Regelmäßig, und für Gruppen auf Anfrage, stellt er Kästners Dresden und vor allem die Neustadt in thematischen Führungen und spannenden Stadtspielen für Kinder vor.
Das Jugendamt der Stadt bietet für Gruppen Fahrten mit der Kinderstraßenbahn „Lottchen" zu „Der 35. Mai und „Das fliegende Klassenzimmer". Während dieser Fahrten wird der Inhalt der beiden Kinderbücher Kästners nachgespielt.
(Christoph Münch)

Bild von der Stadt Rallye mit Polizeiauto vor der Semperoper.
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