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04.04.2009
Exotische Pflanzenwelt im neuen Pillnitzer Palmenhaus
Bau- und Gartenkultur des Zeitalters der „Industriellen Revolution“ auf 660 Quadratmetern / Schlossmuseum mit neuer Ausstellung
Das Schloss Pillnitz ist die größte Schlossanlage Europas im barocken Stil der Chinoiserien und gehört zu den wichtigsten Dresdner Sehenswürdigkeiten. Es wurde 1403 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Doch erst ab 1720 ließ August der Starke im Umfeld von Schloss Pillnitz eine Schloss- und Parkanlage im heiteren und zugleich festlichen Stil des Dresdner Barock mit ostasiatischen und orientalischen Elementen, den so genannten Chinoiserien, bauen.
Das gesamte Areal umfasst mehrere Paläste: das Wasserpalais, das Bergpalais und das Neue Palais, die heute museal genutzt werden. Im Schlosspark, der eintrittsfrei zu besuchen ist, faszinieren vor allem die großen Heckengärten. Zwischen den Hecken findet man eine Gondel, mit der sich die sächsischen Kurfürsten und Könige ihr Schloss vom Wasser aus ansehen konnten. Außerdem gibt es im Park einen Englischen Landschaftsgarten mit der ältesten und wohl auch größten Kamelie Europas.
Palmenhaus in neuem Glanz
Das Schloss Pillnitz bietet in jeder Saison Neues. So ist kürzlich erst das Palmenhaus, das bei seiner Erbauung 1859 zu den modernsten gusseisernen Skelettbauten der Welt gehörte, saniert und wieder eröffnet worden. Es präsentiert auf einer Fläche von 660 Quadratmetern eine exotische Pflanzenwelt. Der wie ein Glaskristall wirkende Mittelbau (Oktogon) ist 12 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 15 Metern. Damit ist er ein eindrucksvolles Beispiel für die Bau- und Gartenkultur des Zeitalters der „Industriellen Revolution“.
Das Palmenhaus verwahrloste in den 1970er Jahren zunehmend. Dem Gartenmeister sowie dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Dresdner Grünflächenamt ist es zu verdanken, dass es nicht zu einem totalen Abbruch kam. Aus der einstigen Überwinterungsstätte ist mit einem Aufwand von 2,2 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen nun ein attraktives Schauhaus geworden.
Das neue Bepflanzungskonzept folgt hinsichtlich der Pflanzenherkunft der historischen Nutzung. Pflanzen aus dem südlichen Afrika und aus Australien haben hier ihre neue Heimat gefunden. Dazu gehören die Nationalblume Südafrikas, die Königsprotea, die Paradiesvogelblume, der Zuckerbusch, der Zylinderputzer, verschiedene Palmfarne und Akazien.
Natürlich dürfen Palmen nicht fehlen, so kann man die Nikau-Palme, die australische Schirmpalme oder die Kentiapalme bewundern. Dem Besucher bietet sich in komprimierter Form die Möglichkeit einer Reise durch ausgewählte Vegetationszonen, beginnend am Kap der guten Hoffnung über die Küsten und üppigen Waldregionen Südafrikas bis hin zu den Regenwäldern Südaustraliens und Neuseelands.
Historisches Essbesteck im Schlossmuseum
Neu ist auch die Ausstellung im Schlossmuseum gestaltet. So hat der bekannte Koch und Buchautor Reinhard Lämmel Stücke aus einer privaten Bestecksammlung als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Bestaunen kann man unter anderem einen „Knochenhalter“, der bei Tisch zum Einspannen von Geflügelkeulen benutzt wurde, um sich die Finger nicht schmutzig zu machen.
Im Kuppelsaal sind verschiedene Stühle aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Das Pillnitzer Schlossmuseum zeigt auch chinesische Deckelvasen aus der Zeit um 1800. Es ist bis zum 1. November dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In Wasser- und Bergpalais zeigt das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen seine Schätze.
Infos:
Schloss Pillnitz mit Raddampfer
Foto: PR

