Geschichte der Feuerwehr Dresden
Aus dem Altstädter Turnerverein wurde im Februar 1863 die Turnerfeuerwehr gegründet - dies gilt als Geburtsstunde der Freiwilligen Feuerwehr in Dresden.
Im August 1866 wurde der Kommandant der Turnerfeuerwehr, Gustav Ritz, als städtischer Branddirektor angestellt. Er organisierte das Feuerlöschwesen neu.
Am 1. Juli 1868 wurde ein „ständiges Berufsfeuerwehrcorps" mit zunächst zehn Bediensteten eingeführt und mit der Freiwilligen Turnerfeuerwehr dem Branddirektor unterstellt. Die Gründung der Dresdner Berufsfeuerwehr war somit vollzogen.
1875 wurde eine Hochdruckwasserleitung in Dienst gestellt. Der Bedarf an Spritzen und Bedienungsmannschaften reduzierte sich dadurch erheblich.
1880, als der 11. Deutsche Feuerwehrtag in Dresden stattfand, gab es bereits 96 Feuerwehrbedienstete.
1881 wurde das Stürmen (Läuten der Kirchenglocken) zur Alarmierung eingestellt. Das Alarmieren der Turnerfeuerwehr war nun nicht mehr möglich, so dass diese aufgelöst wurde.
Die Feuerwehr unterhielt derzeit zwei Hauptwachen, fünf Nebenwachen und eine Theaterwache. Da die Nebenwachen bereits veraltet waren und es dort keine pferdebespannte Technik gab, wurde ihr Dienstbetrieb 1896 eingestellt. In der Dürerstraße entstand eine neue Wache mit bespannter Technik.
Gustav Ritz – Kommandant der Turnerfeuerwehr und später städtischer Branddirektor

Dresdner Turnerfeuerwehr um 1870
Blick in den Innenhof der Feuerwache Annenstraße in der Altstadt (1922)
In der 1877 erbauten Altstädter Hauptwache (Annenstraße 9) gab es die notwendigen Räumlichkeiten zur Unterbringung der Mannschaften und Pferde, der Geräte und einer Telegrafenzentrale. Außerdem gab es einen Steiger- und Schlauchtrockenturm. Die Hauptwache in der Neustadt in der Louisenstraße verfügte über ähnliche Räumlichkeiten, jedoch in geringerer Anzahl und Größe.
Die Wachen waren durch zwölf unterirdische Kabelkanäle mit der Zentrale in der Altstädter Hauptwache verbunden. Die Gesamtlänge der Kanäle betrug 51.558 Meter. Aufgeschaltet waren 65 Sprechstationen, darunter 59 öffentliche Feuermeldestellen und zwei Feuermelder.

Magirus-Leiter mit Kohlendioxid-Flaschen zum Antrieb des Leiterparkes

Mobile Dampfspritze um 1908
Man war im Stadtrat überzeugt, nun gegen Feuersnot ausreichend gerüstet zu sein. Der Brand der Kreuzkirche am 16. Februar 1897 widerlegte dies jedoch. Die von Gustav Ritz geforderten Dampfspritzen waren noch nicht beschafft. Noch im selben Jahr wurden die erste und kurz darauf die zweite pferdebespannte Dampfspritze beschafft. Sie waren ausgerüstet mit einer Dreizylinder-Dampfmaschine und konnten saugen und drücken. Ihre Leistung betrug 1.500 l/min bei jeweils fünf Mann Besatzung.
Die Löschwasserversorgung war nun stabiler. In den Jahren 1903 und 1905 wurden schließlich mobile Dampfspritzen beschafft. Diese selbst fahrenden Spritzen besaßen zwei Dampfmaschinen, die über einen gemeinsamen Dampferzeuger getrieben wurden. Eine Maschine war für den Fahrzeugantrieb (max. 30 km/h) - die zweite bewegte eine Kolbenpumpe mit einer Förderleistung von 1.500 Litern/min.

Löschfahrzeug der Dresdner Berufsfeuerwehr um 1926
Im März 1914 wurde die Motorisierung der Feuerwehr beschlossen. Wegen des Ausbruches des Ersten Weltkrieges mussten die Pläne jedoch storniert werden. Erst im April und August 1916 wurden die ersten beiden Motorspritzen mit einer Förderleistung von 1.800 Litern/min. beschafft.
Vor dem Krieg hatte die Berufsfeuerwehr einen Personalbestand von 311 Beamten und 301 Mannschaften. Alle Offiziere und 180 Mannschaften wurden zum Wehrdienst eingezogen.
Nach dem Krieg veränderten sich Aufgabenstellung und technische Ausstattung. Die bisherige Ausrichtung auf Brandbekämpfung wurde durch Übernahme des Rettungswesens und vielseitiger technischer Hilfeleistungen erweitert.
Der „Normallöschzug" bestand nun aus einer Motorspritze und einer Motorleiter mit 17 Mann Besatzung. Zur Ausrüstung gehörten eine Zentrifugalpumpe, 650 Meter Schlauchleitung, vier Hakenleitern, eine dreiteilige Steckleiter, zwei Rauchschutzapparate, ein Wiederbelebungsapparat, eine Apotheke, ein Sprungtuch sowie Beleuchtungs- und Räumgeräte.
Auch Motorräder mit Beiwagen (7,2 PS) kamen zum Einsatz. Sie kamen mit drei Mann Besatzung, einem Sauerstoff- und Wiederbelebungsgerät bei Gasvergiftungen zum Einsatz.
Im Jahr 1928 wurde ein Feuerlöschboot in Dienst gestellt. Die Brandbekämpfung auf und in unmittelbarer Nähe der Elbe wurde effektiver. Das 16 Meter lange Boot, das auf der Schiffswerft Hamburg-Finkenwerder gebaut wurde, war mit zwei Maybach-Bootsmotoren von je 100 PS ausgerüstet. Die Motoren trieben je eine Schraube und eine Pumpe. Die Pumpenleistung betrug insgesamt 4.000 l/min. Eine Wurfweite von 80 Metern war möglich.

Das 1928 in Dienst gestellte Löschboot

Krankenbeförderungszentrale Dürerstraße

Beiwagenmotorrad zur schnellen Hilfe bei Gasausströmungen (Sauerstoffhilfe)
Das "Preußische Gesetz über das Feuerlöschwesen" brachte 1933 eine Vereinheitlichung des Feuerschutzes. Die Berufsfeuerwehren wurden als "Feuerlöschpolizei" nach militärischen Grundsätzen geführt. Es gab ab 1934 den Feuerschutz sowie den Hilfeleistungs- und Krankenbeförderungsdienst in Dresden. Dies war Aufgabe der Berufsfeuerwehr und der sieben freiwillige Feuerwehren. Es gab fünf Feuerwachen der Berufsfeuerwehr mit insgesamt sechs Zweifahrzeug-Löschzügen und eine Krankenbeförderungszentrale. 1935 bestand der Fahrzeugpark aus insgesamt 75 Fahrzeugen. Dazu gehörten auch neun neue Motorspritzen und sechs neue Motordrehleitern.
"Der roter Hahn"
Am l. Juni 1935 wurde auf dem Ausstellungsgelände die Jahresschau für Feuerschutz und Rettungswesen unter dem Namen "Der rote Hahn" eröffnet. Es war eine der ersten und größten Ausstellungen dieser Art in Deutschland, die die bereits weit entwickelte Technik des Feuerlöschwesens veranschaulichte. Es wurde aber auch die Integration des Brandschutz- und Feuerlöschwesens in militärische und propagandistische Strukturen sichtbar.
Auf Grundlage des Reichsgesetzes über das Feuerlöschwesen vom November 1938 mussten die Berufsfeuerwehren in die "Feuerschutzpolizei" überführt werden. Damit wurden die Beamten der Feuerschutzpolizei zu Polizeivollzugsbeamten.

Die Fernmeldezentrale – Annenstraße

Festumzug 60 Jahre Feuerwehr 1928

Sechs neue Löschzüge auf dem Alaunplatz 1935
Luftangriff 13. - 15.02.45
Aus den Reihen der Berufsfeuerwehr und von den zugeordneten Kräften kamen 107 Personen ums Leben. Weitere Opfer gab es unter den Einsatzkräften, die aus allen Teilen Sachsens zur Hilfe eilten. Trotz der personellen Verluste und enormer Schäden gelang es die Berufsfeuerwehr bedingt einsatzbereit zu halten.
Am 10. Mai 1945 erhielt Branddirektor Ortloph von der Kommandantur der Roten Armee den Auftrag zur Reorganisation der Berufsfeuerwehr.
Nach den Luftangriffen war die Hauptwache in der Annenstraße total zerstört. Sie konnte nicht mehr genutzt werden. Die Feuerwache Löbtau war stark zerstört. Der Dachstuhl der Feuerwache Striesen war abgebrannt. Der große Fahrzeughallentrakt zerstört. Die Feuerwache Neustadt war nur eingeschränkt nutzbar. Wegen der verhältnismäßig geringen Schäden und der günstigsten Lage erhielt die Neustädter Wache den Status der Hauptfeuerwache. Auf der Feuerwache Pieschen war das Dach stark beschädigt, die Reservehalle ausgebrannt. Die Krankenbeförderungszentrale Dürerstraße war total zerstört.

Durch Bombenangriff zerstörte Drehleiter
Mit Befehl der Sowjetischen Militäradministration vom 12. April 1947 wurde die Berufsfeuerwehr, die noch der Polizei unterstellt war, dem Oberbürgermeister unterstellt. Die offizielle Bezeichnung lautete nun:
Rat der Stadt Dresden, Berufsfeuerwehr, Stadtbrandschutzamt
Zum 80jährigen Bestehen präsentierte sich die Berufsfeuerwehr im Sommer 1948 mit der großen Ausstellung "Brandschutz- und Rettungswesen". Die Ausstellung am Nordplatz (heute Olbrichplatz) gab Einblick in die schon geleistete Aufbauarbeit der Feuerwehren. Große Bedeutung hatte das Vorbeugen. Der Slogan "vorbeugen ist besser als heilen" hatte wegen der angespannten wirtschaftlichen Situation eine enorme Bedeutung.
Dreißig Ausstellungskomplexe, ein Sonderpostamt und große Schauübungen auf dem Freigelände begeisterten die Besucher. Wegen fehlender Finanzen wurde den Feuerwehrleuten viel Improvisationsvermögen abverlangt.
Brandschutz wurde "gesamtgesellschaftliche Aufgabe" und Teil des Ordnungs- und Sicherheitssystems. Die Feuerwehren wurden erneut der Polizei unterstellt.
Im Jahr 1950 wurden die Berufsfeuerwehren der DDR der Hauptverwaltung der Deutschen Volkspolizei (HvDVP) unterstellt. In Dresden hieß es nunmehr kurzzeitig:
Volkspolizeipräsidium Dresden, Abteilung Feuerwehr
Der schlechte Bauzustand führte 1950 zur Sperrung der Feuerwache Dresden-Pieschen. Ausweichquartier wurde das ehemalige Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Radebeul auf der Wichernstraße. Unter der Bezeichnung "Feuerwache 2" gab es dieses "Provisorium" bis zur Indienststellung der Feuerwache Übigau im Jahr 1998.

Aus vier Fahrzeugwracks wurden Krankenwagen – Indienststellung Januar 1949
Mit der Bildung des Organs Feuerwehr im Ministerium des Innern (Mdl) wurde folgende Struktur wirksam und galt bis 1990:
Mdl, Hauptabteilung Feuerwehr (HAF),
untergeordnet:
Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei (BdVP), Abteilung Feuerwehr (Abt. F),
untergeordnet:
Volkspolizei-Kreisamt (VPKA), Abteilung Feuerwehr (Abt. F).
Mit dem Organ Feuerwehr gelang es, die Feuerwehren der DDR einheitlich zu organisieren, zu führen, auszubilden und auszurüsten. Die Eigenständigkeit der Berufsfeuerwehren ging jedoch verloren. Immer mehr wurde die Feuerwehr von der Volkspolizei abhängig (Personalwesen, Lohn und Gehalt, materielle Sicherstellung, Versorgung, Ausrüstung, Ausstattung, Bau- und Grundstückswesen und alle Belange der allgemeinen Verwaltung).
Mit dem Brandschutzgesetz von 1956 wurde der vorbeugende Brandschutz zur Hauptaufgabe. Die Abteilungen Feuerwehr mussten nun umfassende Kontrollen in Betrieben und Einrichtungen sowie in wirtschaftsleitenden Organen durchführen. Durch Aufklärungs- und Informationskampagnen sowie umfangreiche Kontrolltätigkeit konnte die Anzahl der Brände reduziert werden. Die Höhe der Nachfolgeschäden sank erheblich.
Ein bedeutendes Ereignis für die Dresdner Feuerwehren war die Tagung des Permanenten Rates des Internationalen Komitees für vorbeugenden Brandschutz und Feuerlöschwesen (CTIF) vom 6. bis 10. September 1984. Der Abschlusstag stand im Zeichen einer gelungenen Demonstration der Feuerwehrarbeit auf dem Altmarkt.
Am 9. Oktober 1988, zum 125. Gründungstag der ersten Dresdner Feuerwehr, gab es einen großen historischen Festumzug. Vorführungen und eine umfassende Ausstellung der Feuerwehrtechnik waren ebenfalls zu sehen.
Wird fortgesetzt ...
Ausweichobjekt blieb die Feuerwache Radebeul bis 1998 – mit W 50-Löschzug

CTIF-Kongress Fahrzeugkorso vor dem Kulturpalast

Vorführung mit TLF 16 an der Elbwiese
