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Menschen mit Behinderung

Die aktuelle Kommunale Bürgerumfrage 2010 thematisiert, wie bereits die beiden vorhergehenden Umfragen von 2002 und 2007, erneut auch die Lebenssituation der Dresdnerinnen und Dresdner mit Behinderungen.

Insgesamt 70 950 Personen mit Behinderung in Dresden

In etwa 14 Prozent der Haushalte, die an der KBU 2010 teilnahmen, verfügte mindestens ein Mitglied über einen Schwerbehindertenausweis. Bei den Befragten im Alter bis zu 65 Jahren betraf das acht Prozent der Haushalte, bei denjenigen im höheren Alter deutlich mehr: 22 Prozent der Befragten gaben an, selbst einen Schwerbehindertenausweis zu besitzen, in sieben Prozent besaß (auch) ein anderes Haushaltsmitglied diesen Nachweis. Unter den jüngeren Befragten gaben zwei und unter den älteren fünf Prozent an, dass ein Ausweis zwar nicht vorhanden ist, aber vermutlich Anspruch darauf bestehe. Amtliche Quellen zählen 2010 insgesamt 70 950 Menschen mit einer Behinderung in Dresden, 50 768 davon sind schwerbehindert, von diesen sind wiederum 31 981 Personen im Alter von 65 Jahren oder älter. In 17 Prozent aller Haushalte lebten Menschen mit Behinderungen, unabhängig davon, ob ein amtlicher Ausweis vorlag. 38 Prozent gaben als Ursache eine Gehbehinderung an, fast jeder Vierte eine Hörbehinderung. Die Gründe der Behinderung unterscheiden sich bei jüngeren und älteren Befragten, bei ersteren nahmen in der Umfrage nicht aufgeführte Behinderungsarten einen besonders großen Raum ein.


Art der Behinderung, unabhängig vom Vorhandensein einer amtlichen Anerkennung (Angaben in Prozent)
Befragte/Befragter  Gehbehinderung  Gehörlos  Hörbehinderung  Sehbehinderung  andere Behinderung 
 bis 64 Jahre alt  25 13  9 68 
 65 Jahre und älter  51 31  21  31 
(Mehrfachantworten möglich)

Vor allem jüngere Behinderte finanziell schlechter gestellt, gleiche Wohnverhältnisse, unterschiedliches Sicherheitsempfinden

Vergleicht man den Median des personengewichteten Äquivalenzeinkommens¹, zeigen sich besonders in der Altersgruppe der unter 65-jährigen Befragten deutliche Einkommensunterschiede: Lebten Personen mit einer Behinderung im Haushalt, belief sich deren durchschnittliches Äquivalenzeinkommen auf 1 233 Euro, die anderen kamen auf 1 400 Euro. Bei Haushalten älterer Befragter ist der Unterschied geringer: 1 313 Euro bzw. 1 377 Euro. Jüngere Befragte mit Schwerbehindertenausweis beurteilten ihre persönliche wirtschaftliche Lage demnach auch schlechter, bei den über     65-Jährigen gab es zwischen Personen mit oder ohne Behinderung im Durchschnitt keinen Unterschied. Auch hinsichtlich der Zufriedenheit mit der Wohnung finden sich kaum Differenzen - beide Befragtengruppen waren zufrieden mit ihrer Wohnung, obwohl nur zwölf Prozent der Befragten im Alter unter 65 Jahren mit körperlich oder geistig benachteiligten Personen im Haushalt angaben, die Wohnung sei alten- bzw. behindertengerecht. Bei den über 65-Jährigen war das immerhin schon ein Drittel. Menschen mit Behinderungen beurteilten unabhängig vom Alter die Sicherheit in ihrer Wohnung, im Wohngebiet und in der Stadt insgesamt schlechter als der „Rest".


Diagramm Sicherheitsgefühl der Menschen mit und ohne Behinderung

Schwere Behinderung schließt Arbeit nicht aus, geht jedoch oft mit Alleinsein einher

Trotz ihrer Schwerbehinderung waren 43 Prozent der Umfrageteilnehmer im Alter zwischen 16 und 64 Jahren erwerbstätig, etwa ein Prozent war in Ausbildung und 39 Prozent bezogen Rente oder Pension. In der gleichen Altersgruppe gingen von den Personen ohne Behindertenausweis 71 Prozent einer Arbeit nach, drei Prozent absolvierten eine Ausbildung und in Rente oder Pension waren zwei Prozent. 26 Prozent der Befragten mit Schwerbehindertenausweis unter 65 Jahren waren verheiratet, ähnlich wie bei Nichtbehinderten. Aber sie waren häufiger geschieden (29 Prozent im Vergleich zu elf Prozent der Personen ohne entsprechenden Ausweis), und sie lebten seltener in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft. Bei den Befragten mit Schwerbehindertenausweis unter 65 Jahren lebten lediglich 18 Prozent mit einem Partner zusammen, bei denjenigen ohne Behinderung waren das 37 Prozent.


Unterschiede bei der Verkehrsmittelwahl

Aus der Frage nach der Verkehrsmittelnutzung geht hervor, dass Personen mit körperlicher und/oder geistiger Benachteiligung anders mobil waren als Personen ohne Handicap. 40 Prozent der Berufstätigen mit einem Schwerbehindertenausweis legten ihren Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück, 30 Prozent mit dem eigenen Pkw. Bei den Personen ohne Behinderung waren das 31 bzw. 39 Prozent. In der Freizeit nutzte nur ein Drittel der jüngeren Dresdner mit Schwerbehindertenausweis ein Fahrrad, ansonsten gaben dies in der gleichen Altersgruppe fast zwei Drittel an. Anders bei den älteren Umfrageteilnehmern: jeder vierte Befragte mit Schwerbehindertenausweis war in seiner Freizeit mit dem Rad unterwegs, ohne Ausweis waren es nur unwesentlich mehr (28 Prozent). Von den Älteren mit Schwerbehindertenausweis sind sechs Prozent beim Einkaufen auf ein Taxi angewiesen.


 

¹ Median: Wert in der Mitte einer Verteilung, 50 Prozent der Verteilung liegen oberhalb des Medians, 50 Prozent darunter, wenig anfällig für Ausreißer;

Äquivalenzeinkommen: personengewichtetes Haushaltsnettoeinkommen, rechnet das Einkommen auf die Haushaltsmitfglieder um


Redaktionsschluss: 26.10.2011

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