Interview mit Helma Orosz
zu ihrer Rückkehr ins Rathaus
Die Oberbürgermeisterin Helma Orosz hat am 22. Dezember in einer Pressekonferenz angekündigt, dass sie ab dem 1. März 2012 ins Dresdner Rathaus zurückkehren wird. Sie konnte seit Anfang Februar 2011 aufgrund einer Brustkrebserkrankung ihre Amtsgeschäfte nicht wahrnehmen.
Die Oberbürgermeisterin im Interview:
Liebe Frau Orosz, wie geht es Ihnen?
Ich fühle mich gut und die Vorfreude auf die Arbeit wächst von Tag zu Tag.
Ab wann werden Sie Ihre Amtsgeschäfte wieder aufnehmen?
Ich werde ab dem 1. März 2012 ins Dresdner Rathaus zurückkehren. Die Nachsorgeuntersuchungen, die noch im Dezember anstanden, sind glücklicherweise ohne Befund geblieben. Nun habe ich noch einige Therapien vor mir, die für die Behandlung von Nebenwirkungen der Krebsbehandlung erforderlich sind. Diese Rehabilitationsphase wird bis Ende Februar andauern, so dass mein Wiedereinstieg ab März möglich wird.
Können Sie uns einen Einblick in die vergangenen Monate seit ihrer Brustkrebs-Diagnose geben?
Mein letztes Jahr war stark geprägt von dem Kampf gegen den Brustkrebs. In der Krankheitsphase – nach erfolgter OP, Chemotherapie und Bestrahlung – habe ich viel Leid aber auch viel Freude erfahren. Die Phase der Chemotherapie war gekennzeichnet von Angst und Hoffnung – ähnlich einer Achterbahnfahrt. Ich hatte große Schmerzen auszuhalten und mein Körper war schwach, fast hilflos. Ich war damals über jeden Tag dankbar, den ich überstanden habe. Ich zählte nur noch in Tagen und wusste, wenn die sechs Monate der Chemotherapie vorbei sind, wird hoffentlich die schwierigste Phase dieser Erkrankung vorbei sein. Nun ist sie überstanden.
Sie sprechen von Leid und Freude – was waren für Sie die freudigen Momente?
Ich habe gespürt, dass die Dresdnerinnen und Dresdner in Gedanken bei mir sind. Sie haben mir eine unvorstellbare Kraft gegeben. Mir ist bewusst geworden: unsere Gesellschaft ist nicht kalt, sondern es gibt ein soziales Miteinander. Durch diese wunderbare Art und Weise der Begleitung hatte ich Hoffnung und Kraft für meine Genesung. Und diese Erfahrung wird mein Handeln auch in Zukunft prägen. Diese Anteilnahme hat bei mir noch einmal das Gefühl der Freude und des Stolzes, Oberbürgermeisterin dieser Stadt zu sein, verstärkt.
Haben Sie jemals daran gedacht, nicht mehr ins Rathaus zurückzukehren?
Ein klares Nein. Ich habe keinen Moment daran gezweifelt, dass ich mein Amt wieder aufnehmen möchte. Und ich freue mich schon wieder auf die Herausforderungen und die anstehende Arbeit.
Sicher hat die Vergangenheit Ihre Zukunft geprägt. Wie wollen Sie Ihr zukünftiges Leben ausgestalten?
Ich muss in meinem Leben bestimmte Dinge ändern. Meine Gesundheit soll stabil bleiben und eine Wiedererkankung möchte ich auf Dauer ausschließen. Das ist meine Hoffnung. Es gibt drei wichtige Punkte, die ich beachten werde. Ich muss einen Ausgleich zwischen Anspannung und Entspannung finden. Ich muss meinen Körper mit einem umfangreichen Bewegungsprogramm fit halten. Und ich muss meine Ernährung anpassen.
Ist das für Sie als Oberbürgermeisterin mit diesem Beruf überhaupt möglich?
Das wird für mich nicht ganz einfach sein. Ich darf nicht mehr nur den Arbeitsalltag in den Vordergrund stellen, sondern auch an mein Privatleben denken. Meine Familie und Freunde gaben und geben mir so viel Kraft und wahren so die Stabilität meiner Gesundheit mit. Und dieser Vorsatz darf nicht wie in den letzten 20 Jahren nach ein paar Wochen wieder vergessen sein. Es geht um meine Gesundheit.
Ein Resümee aus Ihrer Sicht des vergangenen Jahres...
Ich bin vielleicht nicht mehr die, die ich mal war. Aber ich finde mich so, wie ich jetzt bin, auch mit neuer Frisur, gut. Die Krankheit hat mir mehr Gelassenheit beschert. Diese möchte ich mir lange bewahren. Lassen Sie mich mit einem Zitat von Schopenhauer enden: „Gesundheit ist nicht alles, doch ohne Gesundheit ist alles nichts“.
Das Interview führten: Heike Großmann und Nora Jantzen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Landeshauptstadt Dresden.




